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Die Malediven abseits der Hotelinseln erleben

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Hinnavaru  

Die Malediven abseits der Hotelinseln erleben

16.12.2014, 14:29 Uhr | Karsten-Thilo Raab/srt

Die Malediven abseits der Hotelinseln erleben. Häuser auf Hinnavaru. (Quelle: Karsten-Thilo Raab/srt)

Häuser auf Hinnavaru. (Quelle: Karsten-Thilo Raab/srt)

Die Malediven - das sind Traumstrände und Trauminseln mit mehr oder weniger luxuriösen Resorts. Doch es gibt auch die echten, etwas anderen Malediven. So etwa auf Hinnavaru. Mit rund 3000 Einwohnern ist die gerade einmal 650 Meter lange und 225 Meter breite Insel das größte bewohnte Eiland im Lhaviyani Atoll. Und die Insel rund 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Malé scheint langsam zu klein zu werden. Daher wurde ein aufwendiges Landgewinnungsprogramm gestartet. Schauen Sie sich Impressionen der Insel auch in unserer Foto-Show an.

"Bislang wird das Neuland aber nur als Müllhalde missbraucht", weiß Mohammed Abdul Hammet zu berichten. Hier würden, so der 49-Jährige weiter, Abfälle und Schrott zwischengelagert, ehe sie einmal wöchentlich mit dem Schiff zur Müllverbrennungsanlage in Malé gebracht würden. Und Mohammed macht keinen Hehl daraus, dass ihm das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes stinkt. Denn wie überall auf den Malediven bewegt sich die Quecksilbersäule auf Hinnavaru ganzjährig konstant um die 28 Grad Celsius-Marke, was unweigerlich dazu führt, dass die Müllberge in Teilen der Insel eine unangenehme Duftmarke setzen.

Sonne satt und ganz viel Fisch

"Ansonsten ist Hinnavaru ein überaus lebenswertes Eiland", ergänzt Mohammed und fügt hinzu: "Uns geht es richtig gut hier. Wir haben Sonne satt, ein fischreiches Meer vor der Haustür. Was brauchen wir da sonst noch?", bringt der Familienvater, der im nahe gelegenen Kanuhura Resort arbeitet, seine Zufriedenheit zum Ausdruck. Sorgen bereit ihm lediglich, dass in der Altersgruppe der 15- bis 20-jährigen jeder Dritte auf Hinnavaru ohne Job und Jobperspektive sei. Daher würden sich viele junge Leute Arbeit in einem der umliegenden Resorts oder in der Hauptstadt Malé suchen. Außer der Fischfabrik auf der Nachbarinsel Felivaru gäbe es neben den Resorts keine größeren Arbeitgeber im Lhaviyani Atoll. 

"Unsere Haupteinnahmequellen sind Fischfang und Tourismus", so Mohammed weiter. Er selber gehört zu den wohlhabenden Insulanern. Denn als Mitarbeiter des Kanuhura Resorts verdient er rund 700 Dollar im Monat und damit etwa doppelt so viel wie der Landesdurchschnitt. "Wir Malediver sind nicht arm", sagt der 49-Jährige. Stolz zeigt er die intakten Schulen, die blitzblanke Apotheke und die ordentliche Krankenstation. Die Krankenversorgung sei völlig kostenlos. Krankenhäuser gebe es bislang zwar nur in Malé, aber in naher Zukunft soll jedes Atoll ein eigens Hospital bekommen, weiß Mohammed zu berichten, während er mit Stolz die kleine Inseltour anführt. 

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Kaum Autos auf den Straßen

Viele Straßen der Insel sind sandig und staubig. Mit Ausnahme einiger weniger Lastwagen sind keine Autos zu sehen. Zwei Jugendliche mit Baseballkappe, Sonnenbrille und Kopfhörern knattern auf ihren Motorrädern vorbei und winken zum Gruß. Unter einem schattigen Baum sitzt ein halbes Dutzend Mädchen. Sie haben die Haare unter Kopftüchern verborgen und kichern verlegen. Aus den Lautsprechern der Moschee ruft der Muezzin zum Gebet. Doch nicht alle Männer haben Zeit. In dem kleinen Hafen herrscht geschäftiges Treiben. Die Dhonis, jene typisch maledivischen Boote, dümpeln vor sich hin. Fischgeruch liegt in der Luft. Emsig holen die Fischer ihre auf Eis gelagerten Fänge an Land. Andere hocken auf Kisten und flicken die Fischernetze. "Einige Fische behalten wir für den Eigenbedarf, die anderen werden der Fischfabrik in Felivaru zum Kauf angeboten", verweist Mohammed auf die Tatsache, dass dort vorwiegend Thunfisch gefragt ist und verarbeitet wird. 

Auf Hinnavaru ticken derweil die Uhren langsamer. Es gibt ein paar wenige Geschäfte, in denen das Notwendigste vorgehalten wird. Die knapp 700 Häuser der Insel sind zumeist schlicht und bunt bemalt, viele im landestypischen Türkis. Die eigentliche Sehenswürdigkeit für die Urlauber, die sonst ihr Resort nicht verlassen, sind hier die Bewohner mit ihrer offenen, herzlichen Art. "Die meisten Besucher bleiben vielleicht ein, zwei Stunden, dann schauen sie sich kurz die Fischfabrik an, um dann doch lieber wieder Tauchen oder Schnorcheln zu gehen", weiß Mohammed, dass mit den meisten Tagesbesuchern kein Geld gemacht werden kann. Kühle Getränke und ein paar Snacks werden hier und da gekauft, und der eine oder andere bucht einen Tauchgang an einem der vorgelagerten Korallenriffe oder an einem der beiden Wracks, die vor dem Lhaviyani Atoll liegen. Dabei sind Begegnungen mit Schildkröten, Delphinen, Rochen und Mantas fast schon garantiert. 

Das Paradies ist dem Untergang geweiht

"Wir freuen uns immer, wenn Touristen sich ein Bild von unserer Insel machen und ihren Urlaub nicht komplett in einem Resort verbringen", betont Mohammed, um dann ein wenig nachdenklich zu werden. Denn so sehr er seine Heimat und sein Leben mag, so sehr sieht er die Idylle in Gefahr. Denn die Wissenschaft ist sich sicher, dass das Inselreich der Malediven, das im Mittel nur etwa einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, dem Untergang geweiht ist. "Es ist immer wieder von neuen Horrorszenarien die Rede", sagt Mohammed und ergänzt wehmütig: "Vielleicht gibt es Hinnavaru schon in zehn Jahren nicht mehr. Vielleicht aber auch erst in 20, 30 oder 40 Jahren. Niemand kann dies mit Bestimmtheit vorhersagen."

Spätestens Ende des Jahrhunderts dürfte es nach Expertenmeinung jedoch so weit sein. Klimaforscher sagen bis dahin einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter voraus. Die Regierung will vorbeugen, beschloss den Bau von künstlichen Inseln und verschiedene Schutzmaßnahmen. "Am besten, alle besuchen uns in den nächsten Jahren, solange die Insel noch steht", rührt Mohammed noch einmal die Werbetrommel für seine Heimat, bevor alle wieder an Bord des kleinen Motorbootes klettern und zu ihrem Resort zurückdüsen. 

Weitere Informationen: 
Die Malediven liegen südwestlich des indischen Subkontinents im Indischen Ozean und bestehen aus 26 Atollen mit zusammen rund 1200 Inseln, von denen nur 200 bewohnt sind und weitere 90 als Hotelresorts fungieren. Das rund 150 Kilometer nördlich von Malé gelegene, 18 x 35 Kilometer große Lhaviyani Atoll, auch Faadhippolhu Atoll genannt, besteht aus 54 Inseln, von denen nur fünf bewohnt sind.

Anreise: Mehrere Airlines fliegen je nach Saison. Die Flugzeit beträgt zehn Stunden. Von Male geht es mit dem Wasserflugzeug des Maldivian Air Taxi (www.maldivianairtaxi.com) dann binnen 40 Minuten ins 150 Kilometer entfernte Lhaviyani Atoll.

Klima: Geprägt wird das Klima des Lhaviyani Atolls von zwei Monsunen bei Jahresdurchschnittstemperaturen von 28 Grad Celsius. Von Dezember bis März/April ist die Luft trocken und warm, von Mai bis November gibt es gelegentliche Schauer und eine höhere Luftfeuchtigkeit. 

Zeitunterschied: Das Lhaviyani Atoll ist der Mitteleuropäischen Zeit fünf Stunden voraus. 

Sprache: Landessprache ist Dhivehi, Englisch ist weit verbreitet. 

Währung: Die Landeswährung ist Rufiyaa. Ein Rufiyaa entspricht etwa 0,046 Euro, ein Euro etwa 20,75 Rufiyaa. Nahezu überall kann problemlos in US-Dollar bezahlt werden. Auch Kreditkarten sind überwiegend problemlos nutzbar.

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