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"Sozialistisches Märchenland"  

Nordkorea wirbt um Touristen

01.06.2015, 12:14 Uhr | AP

Nordkorea wirbt um Touristen. Kim Jong Un testet ein Fahrgeschäft. (Quelle: Reuters)

Kim Jong Un testet ein Fahrgeschäft. (Quelle: Reuters)

Nach dem Ende einer Einreisesperre wegen einer angeblichen Ebola-Gefahr für das Land bemüht sich Nordkorea nun wieder verstärkt um Touristen. Machthaber Kim Jong Un hofft auf neue Geldquellen - und will das Image seines Land geraderücken. Schauen Sie sich Nordkorea auch in unserer Foto-Show an.

Malerische Berge, exotische Strände und spektakuläre Touristenattraktionen: Mit diesen Attributen wirbt Nordkorea heftig um Urlauber aus dem Ausland. Wer sich für Ferien in der Volksrepublik entscheidet, muss allerdings auch auf eine hohe Dosis an sozialistischer Propaganda und an Führerkult gefasst sein. Bis vor kurzem hatte die nordkoreanische Regierung aus Angst vor der Ebola-Seuche buchstäblich allen Ausländern die Einreise verweigert - trotz der Tatsache, dass aus ganz Asien kein einziger Krankheitsfall gemeldet wurde. Jetzt ist die halbjährige Sperre beendet, und das "sozialistische Märchenland" buhlt wieder um Touristen. 

Herzensangelegenheit von Kim Jong Un

Die Förderung des Tourismus ist ein persönliches Herzensanliegen von Machthaber Kim Jong Un, und entsprechend vollmundig klingen die Ziele der Behörden. Im vergangenen Jahr reisten etwa 100 000 Urlauber nach Nordkorea, fast alle von ihnen kamen aus dem benachbarten China. Bis 2017 soll sich die Zahl verzehnfachen, wie der Volkswirt Kim Sang Hak von der einflussreichen Akademie der Sozialwissenschaften in Pjöngjang sagt. Bis 2020 wolle Nordkorea zwei Millionen Touristen begrüßen. Auf den ersten Blick klingt das Interesse am Tourismus ironisch oder sogar widersprüchlich für ein Land, das sich mit großem Aufwand von der Außenwelt abschottet. Doch die Regierung verbindet mit der im März 2013 von Kim Jong Un verkündeten Initiative die Hoffnung, sich sowohl lukrative neue Einnahmequellen zu erschließen als auch Stereotypen über das Land entgegenzutreten. Schließlich gilt es in weiten Teilen der Welt als hoffnungslos rückständig, verarmt und trostlos.

Der Stolz von Kim Jong Un 
Nordkoreas Elitetrupp wird unfreiwillig zur Lachnummer

Das Propagandavideo wirkt stellenweise wie eine Satire des Nachbarn Südkorea. Video

"Unser Land legt einen Schwerpunkt auf den Tourismus, weil man damit im Vergleich zu den notwendigen Investitionen viel Profit erwirtschaften kann", sagt Ökonom Kim. "Viele Menschen im Ausland haben falsche Vorstellungen von unserem Land. Wir machen trotz der Wirtschaftssanktionen der US-Imperialisten Fortschritte. Deshalb glaube ich, dass viele Menschen neugierig sind auf unser Land." Zu kritischen Themen wie Menschenrechtsverletzungen, Einschränkungen der Bürgerrechte und Hungersnöten auf dem Land wollte sich Kim nicht äußern.

Fließt Geld in die falschen Hände?

Gegner des Nordkorea-Tourismus machen geltend, dass das Geld der Urlauber letztlich einem Schurkenstaat zugutekomme und den westlichen Bemühungen schade, Pjöngjang durch Druck und Isolation zum Stopp seines Atomprogramms und zur Achtung der Menschenrechte zu bewegen. Das US-Außenministerium etwa rät amerikanischen Staatsbürgern dringend von Reisen nach Nordkorea ab.

Dennoch steigt die Zahl der Nordkorea-Urlauber aus den USA und aus Europa langsam an. Doch der bei weitem größte Teil der Besucher kommt aus China, Russland und Südostasien, wo die Bedenken weniger stark sind und wo Pjöngjang besonders intensiv um Touristen wirbt. "Etwa 80 Prozent der Touristen kommen aus Nachbarländern", sagt der Tourismusbeauftragte der Regierung, Kim Yong Il. "Es ist normal, Tourismus innerhalb der eigenen Region zu fördern, deshalb ist unser Land da keine Ausnahme. Aber wir expandieren auch in europäische Länder."

Die Hauptstadt hat sich verändert

Das Bemühen um neue Attraktionen und eine touristische Infrastruktur hat das Gesicht der Hauptstadt bereits verändert, auch wenn sich die allgemeine Lebensqualität im Land in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat. Auch im Umland sind zuletzt vereinzelte Urlaubszentren entstanden, die inmitten der spartanischen Umgebung besonders auffallen. In Pjöngjang etwa wurde eine neue High-Tech-Schießanlage gebaut. Besucher können dort sowohl mit Laserpistolen auf animierte Tiger schießen als auch mit scharfer Munition echte Tiere erlegen, die sie sich dann sofort vor Ort verzehrfertig zubereiten lassen können. Auch eine neue Reitanlage, ein riesiger Wasserpark und Vergnügungsparks sollen Gäste anlocken. Ein in fieberhafter Eile gebauter neuer Flughafen der Hauptstadt soll in wenigen Wochen eröffnet werden.

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Auf dem weit weniger erschlossenen Land wurde vor allem das Gebiet um den Berg Kumgang und die Hafenstadt Wonsan an der Ostküste entwickelt. Vor Wonsan öffnete kürzlich ein neues Ski-Resort der Luxusklasse. Am beliebten Strand der Stadt entstanden etliche neue Restaurants. Doch wie vielen anderen Bereichen nähert sich Nordkorea auch dem Tourismus auf seine ganz eigene Art. Urlauber aller Nationalitäten müssen sich darauf einstellen, von wachsamen Reiseführern ständig überwacht zu werden. Auch sind Besuche von Modellschulen, -kliniken und -bauernhöfen wie auch inszenierte Propaganda-Veranstaltungen unumgänglich. Gelegenheiten, mit Bewohnern ins Gespräch zu kommen oder einen Einblick in deren Alltag zu bekommen, sind hingegen rar gesät.

Drastische Strafen drohen

Denn wer die vorgesehenen Pfade verlässt, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen. So waren etwa Touren zum Kumgang bei südkoreanischen Reisenden jahrelang sehr beliebt, bis 2008 eine Hausfrau aus dem Süden beim Betreten einer Sperrzone von einem nordkoreanischen Wachmann erschossen wurde. Zuletzt wurde ein amerikanischer Tourist fast sechs Monate lang inhaftiert, weil er eine Bibel in einem Nachtclub liegengelassen haben soll. Der Mann kam erst wieder auf freien Fuß, als das US-Verteidigungsministerium ihn mit einem Flugzeug aus Pjöngjang abholen ließ.

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