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Australien: Unterwegs im grünen Norden von New South Wales

28.12.2011, 14:19 Uhr | Christian Röwekamp, dpa-tmn

Urlaub Australien: Unterwegs im grünen Norden von New South Wales. Australien: Spaziergang über dem Urwald im Dorrigo Nationalpark (Foto: Hamilton Lund/Tourism NSW/dpa/tmn)

Australien: Spaziergang über dem Urwald im Dorrigo Nationalpark (Foto: Hamilton Lund/Tourism NSW/dpa/tmn)

Rote Erde, gigantische Wüsten, in der Hitze flimmernde Sandsteinfelsen: Das ist das Bild von Australien, das viele Menschen im Kopf haben. Doch "Down under" kann auch ganz anders, zum Beispiel im Norden von New South Wales in Australien. Wer nahe Coffs Harbour von der vielbefahrenen Küstenstraße Sydney-Brisbane nach Westen abzweigt, der durchstreift bald dichte grüne Wälder, bewundert alle paar Kilometer Wasserfälle und entdeckt sogar eine Art "australisches Stonehenge". Die Themenroute Waterfall Way schlägt die Brücke vom Pazifik mit seinen Touristenzentren zu einem sehr ländlich geprägten Hinterland, in das sich nicht so viele Urlauber verlaufen. Sehen Sie sich die beeindruckenden Bilder der Region in unsere Foto-Show an.

"Jetzt schau dir das an"

Die ersten Surfer sind schon vor sechs Uhr im Wasser. Auch zwei Kajakfahrer lassen sich ein paar hundert Meter vor der Küste treiben und warten auf den Sonnenaufgang. Das Dutzend Eastern Grey-Kängurus, das gerade auf dem "Look-at-me-now-Headland" grast, lässt sich von den paar Walkern und Joggern in der Nähe nicht irritieren. Eine sanfte Brise weht vom Ozean heran, und unten am Strand stürzen sich die nächsten Jugendlichen in Neoprenanzügen in die Brandung. So friedlich beginnt der Tag auf dem "Look-at-me-now-Headland" nördlich von Coffs Harbour. Die Landzunge verdankt ihren kuriosen Namen angeblich einer Frau, die hier um 1890 ein Pferdewettrennen beobachtete und deren Kleid vom aufgewühlten Sand stark verdreckt wurde. "Look at me now!" ("Jetzt schau Dir das an!") soll sie damals voller Empörung gerufen haben.

Beliebt bei Einheimischen und Touristen

So ruhig wie jetzt um sechs Uhr wird es in der Region den Tag über nicht bleiben. Coffs Harbour ist ein Ferienort durch und durch und zugleich eine schnell wachsende Stadt. "Viele Leute aus Sydney setzen sich hier zur Ruhe, andere wollen ihre Kinder nicht in der Großstadt aufwachsen sehen", erklärt Rob Cleary vom regionalen Tourismusverband. Vor allem das - nicht zu heiße und nicht zu kühle - Klima lockt Siedler und Touristen gleichermaßen an. Wer will, kann in Coffs Harbour einen ganz normalen Strandurlaub verbringen. Der Freizeitpark Pet Porpoise Pool (PPP) und die "Big Banana" sind die bekanntesten Touristenmagnete. Im PPP werden täglich Reptilien- und Delfinshows geboten, und die Besucher dürfen sich für ein Foto von einer Robbe ein Küsschen auf die Wange geben lassen.

Elf Meter lange Banane

Vor allem als Fotomotiv dient die elf Meter lange "Big Banana", neben der sich viele Reisende für Schnappschüsse aufstellen. Im Jahr 1964 gebaut, war diese Kunststoff-Banane das erste von heute mehr als 50 "big things", die in Australien an Straßenrändern stehen, um auf die Höhepunkte einer Urlaubsregion hinzuweisen - von der sechs-Meter-Rumflasche bis zum 18-Meter-Merinoschaf. Zur "Big Banana" gehört inzwischen ein Unterhaltungskomplex mit einer Eislaufbahn, womit in den Subtropen wohl die wenigsten Touristen rechnen dürften. Wer diesen künstlichen Attraktionen den Rücken kehren will, muss nicht weit fahren. Der Waterfall Way beginnt nur wenig südlich von Coffs Harbour und führt zunächst nach Bellingen, einem Ort, der in Australien für seinen alternativen Lebensstil bekannt ist. In den 60er Jahren kamen die ersten Hippies in das Dorf, in dem damals vor allem Holzfäller und Milchbauern lebten. Kunsthandwerker und Maler folgten, verschiedene Vorstellungen vom Leben prallten aufeinander. "Inzwischen kommen beide Kulturen gut miteinander klar", sagt Mike Colreavy von der Kommunalverwaltung - auch weil Bellingen ganz ordentlich von dem Tourismus lebt, den der alternative Lifestyle mit seinen Antiquitäten- und Glasbläserläden und Kunstgalerien anlockt.

Vielfältiger Regenwald

Bellingen liegt noch fast auf Höhe des Meeresspiegels, doch wer auf dem Waterfall Way weiter nach Westen fährt, kommt bald nicht mehr schnell voran. In Serpentinen schlängelt sich die Straße die Berge hoch, subtropischer Regenwald und die ersten kleineren Wasserfälle bestimmen nun das Bild. Weite Flächen beiderseits der Asphaltpiste gehören zum Dorrigo Nationalpark, einem der Schutzgebiete, in denen die Reste des ursprünglichen Regenwaldes gerettet worden sind. Jedes Jahr kommen 150.000 Besucher in den Nationalpark, sagt Kathryn Wood vom Besucherzentrum. Viele sind Tagesausflügler von der Küste, die für ein paar Stunden in die Unesco-Welterberegion eintauchen. Vom Besucherzentrum aus führen Wanderpfade in das grüne Dickicht. Das Besondere am Dorrigo Nationalpark sei, dass mehrere Formen von Regenwald hier aufeinandertreffen, erzählt Wood: subtropischer ebenso wie warm-gemäßigter und kalt-gemäßigter. Die Ranger erläutern in ihren Führungen die unterschiedlichen Bäumen und Pflanzen. Touristen können aber auch auf eigene Faust losziehen, etwa zu den Crystal Shower Falls, die zu den beliebtesten Fotomotiven im Park gehören - hier führt der Wanderweg bis hinter den Wasserfall.

Spaziergang über dem Urwald

Wer weniger weit laufen oder sich die Bäume lieber von oben anschauen möchte, der kann auch am Besucherzentrum bleiben und auf dem 70 Meter langen "Skywalk" die Welt der Wipfel erkunden. Wie ein Sprungbrett im Schwimmbad ragt der hölzerne Pfad über einen Abhang. Ganz vorne stehen die Besucher 21 Meter über dem Boden und dürfen bewundern, was von den ursprünglichen Urwäldern übriggeblieben ist. Denn einst war die Gegend hier überall von Regenwald bedeckt. Um 1860 erreichten jedoch die ersten Siedler Dorrigo und begannen mit der Rodung weiter Flächen. Autofahrern fällt das sofort auf, wenn sie nach Dorrigo kommen und aus dem Dunkel des Regenwaldes heraus in eine offene, leicht hügelige Landschaft hineinfahren. Mit den Kühen auf den Weiden erinnert das Plateau ein wenig an ländliche Regionen in Großbritannien. Fast überall, wo Viehhaltung möglich war, mussten die Urwaldriesen weichen. Nur in weniger gut zugänglichem Gelände wie an den steilen Hängen im Dorrigo Nationalpark blieben sie stehen.

Auf den Spuren der Wasserfälle

Für die Tagesausflügler ist Dorrigo meist der Höhe- und Wendepunkt ihrer Tour, bevor sie zu den Stränden bei Coffs Harbour zurückkehren. Es lohnt sich aber, weiter nach Westen zu fahren. Die Distanzen zwischen den Orten werden hier immer größer, nur wenige Farmen liegen am Wegesrand, und auch der Gegenverkehr wird seltener. Die Farben ringsum ändern sich ebenfalls: Zwischen sattem Grün mischen sich immer mehr Gelb- und Ockertöne, und die Landschaft wird trockener. Trotzdem heißt es von Dorrigo an auch "Wasser marsch" - denn nun kommen die Wasserfälle. Gleich in der Nähe des Ortes liegen die Dangar Falls. Deutlich beeindruckender sind aber rund 45 Kilometer weiter die Ebor Falls nahe des gleichnamigen Dorfes, das sich 1300 Meter über dem Pazifikniveau befindet - im australischen Winter kann hier sogar Schnee liegen. In zwei Kaskaden stürzt das Wasser in die Tiefe, die obere ist 27 Meter hoch, die untere 63 Meter.

Nächstes Fast-Food-Restaurant in 168 Kilometer

Die Ebor Falls gehören zum weitläufigen Guy Fawkes River Nationalpark, der zu den wichtigsten Schutzgebieten im Norden von New South Wales zählt. Wer hier einen Stopp einlegt, ist wirklich weit weg von allem: Neben dem Parkplatz weist eine Werbetafel auf das nächstgelegene Fast-Food-Restaurant in 168 Kilometer Entfernung hin. Ganz so weit fahren für eine Tasse Kaffee muss dann aber doch niemand, denn die Stadt Armidale ist von den Fällen nur noch eine Autostunde entfernt. Bis dorthin etwas mehr Zeit einzuplanen, ist dennoch nicht verkehrt, denn mit dem "Point Lookout" und den Wollomombi Falls liegen noch zwei weitere Attraktionen entlang der Strecke. Beide gehören zu wieder anderen Nationalparks: Der "Point Lookout" in 1563 Metern Höhe bietet eine gute Rundumsicht über die endlos wirkenden Wälder des New England Nationalparks, die Wollomombi Falls sind Teil des Oxley Wild Rivers Nationalparks. Mit mehr als 200 Metern ist Wollomombi einer der höchsten Wasserfälle Australiens. Das Wort aus der Sprache der Aborigines bedeutet "Der Ort, wo sich die Wasser treffen" - was genau passt, denn mit den Chandler Falls stürzt hier noch eine zweite Kaskade in die gleiche Schlucht.

Australisches Stonehenge

Der Waterfall Way führt bis Armidale - enden muss der Abstecher weg von der Küste hier aber nicht. Denn knapp 100 Kilometer nördlich in Glen Innes wartet mit den "Australian Standing Stones" eine kleine Überraschung auf die Reisenden, die sich unwillkürlich an den Steinkreis von Stonehenge erinnert fühlen. Anders als bei der uralten Anlage in Südengland ist hier allerdings klar, wer die insgesamt 40 bis zu 3,7 Meter hohen Brocken im Erdreich verankert hat. 1992 wurde das "Nationalmonument" in Glen Innes eröffnet, um die Bedeutung der irischen, schottischen und walisischen Pioniere für die europäische Besiedelung Australiens zu würdigen. Wer zwischen den Steingiganten spazieren geht, ist daher schnell wieder bei dem Gedanken, dass "Down under" auch ganz anderes bietet als weite Ebenen mit roter Erde und eine Pazifikbrandung, in der morgens vor 6.00 Uhr schon gesurft wird.

Weitere Informationen: Coffs Coast und Waterfall Way

Reiseziel: Die Coffs Coast und der Waterfall Way liegen im Norden von New South Wales an der Ostküste Australiens. Von Coffs Harbour bis Armidale sind es rund 180 Kilometer auf den Highways 1 und 78.

Anreise: Der Flug von Mitteleuropa nach Sydney dauert inklusive eines Zwischenstopps in Asien etwa 22 Stunden. Dann weiter per Inlandsflug nach Coffs Harbour oder Armidale. Beide Städte liegen rund 520 Kilometer nördlich von Sydney und 450 Kilometer südlich von Brisbane - also knapp eine Tagesreise mit dem Auto. Touristen aus der Europäischen Union müssen sich im Internet unter www.immi.gov.au anmelden. Per E-Mail erhalten sie dann - meist binnen weniger Minuten - die "E-Visitor"-Einreisegenehmigung der Behörden.

Klima und Reisezeit: Subtropisches Klima. An der Küste fällt der wenigste Regen im Winter (Juni bis August), im Sommer (Dezember bis Februar) kann es schwül-heiß werden. Im Bergland um Armidale sind die Jahreszeiten ausgeprägter als am Pazifik. Die Tageshöchstwerte liegen dort im Winter bei 12 bis 15 Grad und im Sommer bei 25 bis 29 Grad. Gute Jahreszeiten für eine Reise sind das Frühjahr und der Herbst.

Zeitverschiebung: New South Wales ist Deutschland von Ende März bis Ende Oktober um acht Stunden voraus, sonst um zehn Stunden.

Geld: Für einen Euro gibt es etwa 1,55 australische Dollar (Stand: Februar 2010). Das Bezahlen mit Kreditkarten ist weit verbreitet.

Internet: www.visitnsw.com, www.waterfallway.com, www.coffscoast.com.au, www.nationalparks.nsw.gov.au, www.gleninnestourism.com.

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