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400 Jahre Kap Hoorn

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400 Jahre Kap Hoorn  

Die sturmumtoste Felseninsel ist gefährlich

30.03.2016, 16:32 Uhr | Jutta Lemcke/srt

400 Jahre Kap Hoorn. Im Schlauchboot geht es durch die Eisfelder - ein einmaliges Erlebnis. (Quelle: Jutta Lemcke/srt)

Im Schlauchboot geht es durch die Eisfelder - ein einmaliges Erlebnis. (Quelle: Jutta Lemcke/srt)

Vor 400 Jahren entdeckten Seefahrer Kap Hoorn. Die sturmumtoste Felseninsel ist so gefährlich wie eh und je - und doch wollen einige unerschrockene Touristen unbedingt hin. Schauen Sie sich Eindrücke der Insel auch in unserer Foto-Show an.

"Los, schnell weg hier!" Francisco ist sichtlich nervös. Das schiefergraue Wasser türmt sich zu Wellenbergen, der Wind fegt über die nackten Felsen. Möwen torkeln in der Luft und die Magellan-Pinguine kommen gegen den Wind keinen Watschelschritt mehr voran. Francisco weiß, wovon er spricht. Das hier ist kein kalkulierter Touristenspaß. Das ist Kap Hoorn. Dieser Felsenhaufen an der Südspitze Amerikas ist das wildeste Ende der Welt, der Schrecken aller Seefahrer, eine karge mit Moos und Salzgras bewachsene Insel, an der die Natur ihre Launen auslässt. 

Die Windböen sind eiskalt

Ein kleines Grüppchen unerschrockener Kreuzfahrtgäste hat sich auf den glitschigen, schwarz glänzenden Felsen versammelt und stemmt sich gegen die heftigen, eiskalten Böen. Maarten aus Emden vertraut auf seinen Ostfriesennerz und sichert die Strickmütze mit beiden Händen. Seine Mitreisenden tragen dicke Anoraks, einige sind im kompletten Ski-Outfit angereist. Sie kommen aus aller Welt und haben die fünftägige Kreuzfahrt mit der Via Australis vor allem aus einem Grund gebucht: Sie wollen ihren Fuß auf die Kap-Hoorn-Insel setzen und sich als Beweis den begehrten Stempel mit den zwei Magellan-Pinguinen in den Reisepass drücken lassen. Nicht allen gelingt das.

Manchmal pfeifen die Orkane mit bis zu 260 Kilometern pro Stunde ums Kap und lassen das Meer apokalyptisch schäumen, sodass die Kapitäne der chilenischen Reederei Veto einlegen müssen. "Manche Kreuzfahrtgäste sind dann tieftraurig", erzählt Expeditionsleiter Francisco. "Verständnis zeigen sie, wenn ich ihnen sage, dass rund um Kap Hoorn 800 Schiffswracks auf dem Meeresboden liegen und zehntausend Seeleute ein eisiges Grab gefunden haben." 

Nach dem Sturm kommt die Sonne

Maarten und seine Mitreisenden hatten Glück. Der Morgen begann dramatisch. Die Via Australis kämpfte sich durch Wellenberge, und die meisten Passagiere haben das Frühstück ausgelassen. Doch dann wurde aus dem Orkan eine steife Brise. Die Sonne brach für kurze Zeit durch die düsteren Wolkentürme und setzte den Wellen tanzende Glitzerlichter auf. Francisco trommelte sofort die Passagiere zusammen und verfrachtete sie in Zwölfergrüppchen in die mit einem Außenbordmotor ausgerüsteten Schlauchboote: Kurs auf Kap Hoorn. 

Vor genau 400 Jahren näherten sich andere diesem abgelegenen Zipfel Erde. Sie waren auf der Suche nach einer neuen Seeroute vom Atlantischen in den Pazifischen Ozean, da die Durchfahrt der Magellanstraße, die bereits seit 1520 bekannt war, von der Ostindien-Kompanie mit hohen Zöllen belegt wurde. Die niederländischen Seefahrer Willem Cornelisz Schouten und Jacob Le Maire fanden schließlich einen neuen Weg. Im Jahre 1616 umsegelten sie das Kap, dem sie den Namen ihres Flaggschiffs "Hoorn" gaben, das zuvor ausgebrannt war. Der Handelsschifffahrt taten sie damit einen wichtigen Dienst, bis 1914 der Panamakanal eröffnet wurde und seither nur noch Abenteurer den Weg zum Kap Hoorn finden. 

"Hallo, ich bin hier der Bürgermeister"

Doch der Felsenhaufen im windgepeitschten Meer ist bei Weitem nicht so verlassen, wie man meinen könnte. Wer es an Land geschafft und über 160 Stufen das Plateau mit dem Leuchtturm erreicht hat, wird hochoffiziell begrüßt. "Hallo, ich bin hier der Bürgermeister": Mit diesen Worten empfängt ein chilenischer Offizier die Passagiere der Via Australis und reicht jedem persönlich die Hand. Immer für ein Jahr übernimmt ein Marinegesandter begleitet von seiner Familie den Dienst auf diesem südlichsten Vorposten der Zivilisation. Miguel war mit seiner Frau Catherine auf der einsamen Außenstelle im Einsatz, hinter sich Feuerland und vor sich nichts als die Drake-Passage und die Antarktis. "Ich musste einen psychologischen Test bestehen und ein dreiwöchiges Überlebenstraining hinter mich bringen, dann kam die Zusage", erzählt er. Einsam fühlt er sich nicht. Der Wind, die Wellen, die kreischenden Vögel und die wettererprobten Pinguinen sind seine Begleiter. "Das hier ist mein Traum", sagt Miguel. Maarten und die anderen Reisenden nicken. Sie verstehen das. Dieser schiefergraue, von den Naturgewalten bedrängte Felsen am Ende der Welt war auch ihr Traum - ein Traum der heute in Erfüllung gegangen ist. 

Weitere Informationen: 

  • Expedition: www.australis.com
  • Anreise: Ab Frankfurt geht es nach Buenos Aires oder Santiago de Chile und von dort mit einem Inlandsflug weiter nach Ushuaia oder Punta Arenas.
  • Ausrüstung: An Bord geht es leger zu. Für die Landausflüge werden Trekkingschuhe und warme wasserabweisende Outdoor-Kleidung empfohlen.

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