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Urlaub Berlin: Mit dem Hausboot auf der Spree

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Hausbooturlaub  

Berlin per Hausboot: Teatime vor dem Kanzleramt

27.07.2009, 12:41 Uhr | M. Reisner/srt

Ein Ausflug mit dem Hausboot ist eine schöne Abwechslung zu normalen Sightseeing-Touren. (Foto: M. Reisner/srt)Ein Ausflug mit dem Hausboot ist eine schöne Abwechslung zu normalen Sightseeing-Touren. (Foto: M. Reisner/srt)

"Der Knoten dürfte nicht mehr aufgehen", stelle ich befriedigt fest. "Sehen dürfte den auch keiner", erwidert mein Mann und grinst. Er hat Recht. Auf unserer ersten Hausbootfahrt durch Berlin und überhaupt haben wir zum ersten Mal angelegt, mitten am Großen Wannsee gegenüber dem berühmten Strandbad. Von Anfang an qualifizieren wir uns dabei als Amateur-Kapitäne: Schon beim Ablegen ruinieren wir eine Klampe, beim Anblick der ersten Schifffahrtszeichen an einer Brücke blättere ich nervös in "Hausbootfahren leicht gemacht", und schon nach der zweistündigen Fahrt von Potsdam zum Wannsee kommt eine Pause wie gerufen. Vor uns liegt eine einwöchige Fahrt durch Berlin und Umland, und wir sind mitten in einem Abenteuer.


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Foto-Serie Berlin

Ziel unbekannt

Wir sind zu viert unterwegs, zwei Erwachsene, zwei Kinder, Ziel unbekannt, auf jeden Fall quer durch Berlin. In der ersten Nacht verzichten wir auf die komfortablen Einrichtungen einer Marina. Ein Fehler? Die Heizung springt am nächsten Morgen nur zögerlich an, ebenso der Kühlschrank, aber der erste Kaffee mit Blick auf den See in der morgendlichen Dämmerung macht alles wett. Während Wasserwanderer mit Motorantrieb in Deutschland auf den Mecklenburger Gewässern, auf der Mosel und der Saar ohne Bootsführerschein eines der behäbigen schwimmenden Heime auf Zeit steuern dürfen, halten die Berliner noch immer eisern am alten Gesetz fest. Dass mein Führerschein rund 15 Jahre lang in der Schublade lag, spielt aber keine Rolle, und so hoffen wir, dass wir die Schifffahrtszeichen richtig deuten und die nach Laienmanier geknüpften Poller- und Palstek-Knoten ihren Dienst tun.

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Plötzlich in der Metropole

Lösen lassen sie sich jedenfalls leicht am nächsten Morgen, und nach dem Ablegen schippern wir Richtung Berliner Innenstadt. Vom Boot aus bewundern wir kleine Schlösschen und großzügige Villen, die sich am Ufer hinter dem schützenden Blätterwald alter Kastanienbäume und knorriger Eichen zu verstecken suchen. Dann geht es über die breite Havel. Bald wird es städtischer, die Häuser sind höher, die Gegend unpersönlicher. Im Kohlewerk schaufeln die Kräne auch am Sonntag die schwarzen Brocken aus flachen Lastkähnen, befahrene Straßen säumen die Ufer, S-Bahnen queren Brücken - auf einmal sind wir mittendrin in der Metropole Berlin.


Unter Brücken hindurch, an Cafés vorbei

Über uns ist das Gewimmel und Gewühle der Großstadt, vor uns und hinter uns tuckert gelegentlich ein anderes Hausboot, Ausflugsschiffe, die wuchtigen Berliner Dampfer, beanspruchen die Vorfahrt für sich, und da fahren wir auf das Bundeskanzleramt zu, kühl und gläsern. Der Fernsehturm am Alexanderplatz reckt sich vor uns auf, rechts lassen wir das trutzige Bode-Museum mit seiner runden Kuppel hinter uns. Wir lenken das Boot unter kunstvoll geschmiedeten Brücken durch, an Cafés vorbei, und die Kinder in ihren Schwimmwesten hangeln sich außenbords an der Reeling entlang und winken ans Ufer. Zeit, für eine Tasse Tee oder einen weiteren Kaffee. Was kümmern uns Großstadthektik und Politik, wir folgen unserem eigenen Rhythmus, sind Vagabunden mit viel Zeit.


"Beeil dich doch!"

Dann naht die erste Schleuse. Wer um alles in der Welt hat was gesagt von der Entdeckung der Langsamkeit, von Ruhe und Müßiggang? Wir im Sportboot sehen Rot in zweifacher Hinsicht, die Ampel bedeutet uns zu warten. Wir müssen ein Stück zurückfahren und anlegen, aber wo? Da drängelt ein Dampfer, dort drückt die Strömung. Der vor uns hat sich mittig in der Wartebucht so breit gemacht, dass für uns kaum Platz bleibt. Immerhin bemüht sich einer von der Besatzung, ein Tau entgegenzunehmen, damit ich das Boot wenigstens am Heck befestigen kann. Just nach diesem Manöver schaltet die Ampel auf Grün, und mit vier Booten warten wir schließlich nach Einfahrt in die Schleuse auf die Beförderung nach oben. Nach dieser Seemanns- und Eheprüfung ("Beeil dich doch!" - "Was machst du denn jetzt?" - "Mach's doch besser!") wird die Spree schnell wieder breiter, aus Industrieanlagen werden Wohnsiedlungen, dann Schrebergärten. Bäume und Felder erobern wieder das Terrain am Ufer und zeigen sich im festlichen Kleid mit orangefarbenen, braunen und gelben Blättern, die sie stolz im dunklen Wasser spiegeln. In die Luft mischt sich der Geruch von feuchtem Laub, nasser Erde und Gras. Am Ufer stehen Reiher, die uns misstrauisch mustern. Außer dem dumpfen Blubbern des Motors und einem leisen Plätschern ist es ganz ruhig.


Die Routine kommt

Die ersten Schleusen waren abenteuerlich, aber rasch sind wir routiniert. Auch wenn die Mauern rechts und links kaum einen halben Meter vom Boot entfernt sind, gleiten wir elegant in die Kammern. Na gut: Das jaulende Bugstrahlruder hilft uns, wenn es eng wird. Die Kinder helfen kräftig mit, halten ein Tau, stoßen mal ab und dürfen als Highlight auf den Knopf drücken, der die kleine Zugbrücke vor uns öffnet. Dann stellen wir uns den Herausforderungen der ländlichen Gastronomie. Nach Börek und Scholle am ersten Abend erwartet uns ein Fischereigasthaus, saubere Resopaltische - und Aschenbecher. Rauchverbot? Gibt's hier nicht. Ich bestelle - nur keine Experimente - einen "fangfrischen Fisch", gegrillt, mit Reis statt der Bratkartoffeln und ohne Soße. Es kommt etwas Paniertes, mit Reis und weißer Soße. Dazu ein dunkles süßes Bier. Die Alternative wäre Sekt gewesen, lieblich. Kochen an Bord - das sollen Köche übernehmen, die aus sehr wenig etwas zaubern können. Als Rezeptgläubige nehme ich die Abkürzung, und so kommen wir regelmäßig in den Genuss von herzhafter Brotzeit, Instantsuppen und Dosenravioli.


Unerschütterliche Seefahrer

Überhaupt wirken wir wie eine Musterfamilie für Tütensuppenwerbung. Sobald sich die Sonne rar macht, stehen wir oben an Bord mit klammen Fingern, dicken Windjacken und umklammern eine rettende Tasse mit heißem Inhalt. Am vierten Tag erwischt es uns dann: Die wenigen malerischen Wölkchen ballen sich zu dicken Quellwolken, und mit ihnen kommen der Regen und eine Kälte, die durch die Reißverschlüsse zieht und in die Kleider kriecht. Macht aber nichts: Wir werfen die Heizung an, steuern vom zweiten Steuerstand unter Deck. Da sehen wir zwar weniger nach vorn, aber es ist richtig gemütlich. Nur selten begegnen wir einem anderen Boot, und wenn, hebt jeder die Hand zum stillen Gruß der Seelenverwandten; ja, wir sind die wirklich unerschütterlichen Seefahrer, die jetzt noch auf dem Wasser unterwegs sind. Aber Petrus meint es gut mit uns, und bereits am nächsten Tag können wir tagsüber wieder auf die dicken Jacken verzichten und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.


Manöver mit ungewissem Ausgang

Als Ziel peilen wir mittlerweile Bad Saarow an und machen mittags Pause auf dem Langen See mit Käse, Brot und heißer Suppe. Wieder so ein Manöver mit ungewissem Ausgang. Wir haben keine Ahnung, ob der Anker im weichen Morast hält, oder ob wir nicht plötzlich mit dem Kiel aufsetzen. Aber nach einigen Diskussionen ("Weiter raus!" - "Nee, das geht schon...") können wir einigermaßen entspannen. Am Abend finden wir in Bad Saarow mit "Der Bühne" sogar ein richtig feines Lokal, und es gibt herrlich frischen Salat gegen drohenden Skorbut, feine Pasta und schmackhaftes Risotto.


Keine Chance ohne Reservierung

"Im Sommer ist hier richtig viel los, weiß Karl Roll vom gleichnamigen Bootshaus am Zeuthener See. "Da geht ohne Reservierung gar nichts." Wir sind auch die Einzigen, die einen Anlegeplatz gesucht haben. Um uns herum ist es ganz still, während sich in der Nähe ein Pulk Kormorane niederlässt. Manchmal warte man an den Schleusen gut zwei Stunden, bis man endlich hindurch sei, erklärt Roll. Und wir schätzen uns glücklich, dass wir fast ganz allein sind. Zwar mussten wir die Badesachen zuhause lassen, aber mit dicker Wäsche und warmen Jacken, Schals und Handschuhen sind wir gut ausgerüstet für kältere Tage. Die Heizung wärmt uns unter Deck gut, und nach dem Anlegen, wenn wir für die Nacht alles dicht gemacht haben, wird es richtig gemütlich an Bord. Dabei stellen wir fest: Seefahren macht müde. Um 21 Uhr liegen wir in den Kojen - bis auf die Kinder. Die spielen Mau-Mau und Mensch-ärgere-Dich-nicht, und machen erst spät am Abend Klar Schiff.


Irland ist ja auch schön

Drei Tage bleiben für den Rückweg. Drei Tage, in denen wir nun als eingefleischte Hausbootkapitäne gelassen allen Schleusen und sonstigen Aufregungen entgegen blicken, noch mehr Muße haben für die herbstlichen Naturschönheiten, sogar in Berlin Friedrichstraße zum Mittagessen anlegen und den Kindern Unter den Linden das Regierungsviertel zeigen. Auf der Pfaueninsel wandeln wir dann noch auf den Spuren von Königin Luise durch das kleine Schloss. Und wehmütig steuern wir nach einer Woche wieder Potsdam an. Eines wissen wir: Das machen wir wieder - aber nur im Herbst, vielleicht in Frankreich, und Irland soll ja auch schön sein, mal sehen.

Weitere Informationen:

Für die Tour mit dem Hausboot durch Berlin wird der Sportbootführerschein-Binnen für Motorboote verlangt. Eine Übersicht der Schulen, die entsprechende Kurse anbieten, bietet der Verband Deutscher Sportbootschulen auf der Internetsite www.sportbootschulen.de. In der Region um Berlin gibt es allerdings auch viele Gewässer, in denen man Hausboote ohne Führerschein führen darf.

Hausbootanbieter: Le Boat/Crown Blue Line, Theodor-Heuss-Str. 53-63, 61118 Bad Vilbel, Tel. 06101/5579175, Fax 5579122, E-Mail: info@leboat.de, Internet: www.leboat.de;
Kuhnle-Tours, Hafendorf Müritz, 17248 Rechlin, Tel. 039823/2660, Fax 26610, E-Mail: info@kuhnle-tours.de, Internet: www.kuhnle-tours.de;
Locaboat Holidays, Postfach 867, 79008 Freiburg, Tel. 0761/2073737, Fax 7612073773, E-Mail: info@locaboat.de, Internet: www.locaboat.com.

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