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Hamburgs Hotel Atlantic: Legende erstrahlt in neuem Glanz

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Hotel Atlantic: Legende erstrahlt in neuem Glanz

04.05.2011, 12:28 Uhr | Spiegel Online, Julia Stanek, Spiegel Online

Hamburgs Hotel Atlantic: Legende erstrahlt in neuem Glanz. Das "Atlantic" bei Nacht: Hamburgs Legende erstrahlt in neuem Glanz. (Quelle: Kempinski Hotels)

Das "Atlantic" bei Nacht: Hamburgs Legende erstrahlt in neuem Glanz. (Quelle: Kempinski Hotels)

Ein Dromedar in der Lobby, ein Roller für den Kaiser - das Hotel Atlantic erfüllte einst die skurrilsten Wünsche der Gäste. Doch dann verlor es seinen Glanz und seine fünf Sterne. Beides könnte es nun zurückerobern. Die Hamburger Institution hat die ersten grundsanierten Zimmer geöffnet. Sehen Sie das sanierte Traditionshaus auch in unserer Foto-Show.

"Alt, müde, abgewohnt" - Sanierung war dringend erforderlich

Schwarze Ledersessel in der Lobby, das Bildnis von Kaiser Wilhelm II. über dem Kamin und hinter der Rezeption ein Treppenaufgang mit Messing-Handlauf: In der Jugendstilhalle des Hotels Atlantic Kempinski spürt man ihn noch, den Geist des über 100 Jahre alten Grandhotels. Hier stiegen Maharadschas und russische Fürsten ab, Großindustrielle wie der US-amerikanische Autobauer Henry Ford und Weltstars wie Michael Jackson. Von außen strahlte der unter Denkmalschutz stehende Gründerzeitbau immer die Grandezza von einst aus, seine weiße Fassade leuchtet vornehm am südlichen Zipfel der Außenalster. Doch das ehemalige Prachthotel, eine echte Hamburger Institution, hat seit Ende der neunziger Jahre immer mehr an Klasse verloren - bis es der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) 2008 sogar von der Liste der Fünf-Sterne-Hotels strich. 2009 verlor das Hotel auch noch seine Mitgliedschaft bei den "Leading Hotels of the World" und stieg damit aus der internationalen Liga der Luxushotels ab. Als "alt, müde und abgewohnt" bezeichnete der Hotel- und Gastronomiekritiker Heinz Horrmann das Hotel Atlantic einmal. Und auch enttäuschte Gäste ärgerten sich in Hotelbewertungsportalen über zerrissene Vorhänge, nicht schließende Türen und staubige Kronleuchter. Das Atlantic lebe nur noch "vom Glanz vergangener Jahre und ist daher auch nur bedingt empfehlenswert", heißt es auf tripadvisor.de noch in einem Eintrag vom März 2011.

Hotel Atlantic: 25 Millionen Euro für einen Neuanfang

Der Grund für den Niedergang war ein gigantischer Renovierungsstau, der sich über die Jahre aufgebaut hatte. Erst kurz vor dem 100. Geburtstag des Atlantic fand sich schließlich ein Investor, der mit 25 Millionen Euro die umfangreichste Restaurierung in der Geschichte des 1909 erbauten Hauses finanziert. So konnten in den vergangenen 14 Monaten in der ersten von zwei Bauphasen 131 der 244 Zimmer entkernt, komplett saniert und neu eingerichtet werden. Bis Ende 2011 sollen auch die großen Suiten und 91 weitere Zimmer renoviert werden. Pünktlich zum 102. Geburtstag des Hotels zogen am Montag die ersten Gäste in die modernisierten Zimmer im historischen Haupthaus ein. Am kommenden Wochenende ist das Hotel ausgebucht, verkündete Hoteldirektor Peter Pusnik. Nicht zuletzt liege das aber auch am Hafengeburtstag, der wie jedes Jahr Anfang Mai über eine Million Menschen anziehen wird. "Wir haben alles in die Hand genommen", sagt der Atlantic-Chef. Eine vorsichtige Beschreibung für die Entschlossenheit, mit der an der Alster entrümpelt wurde: Auf einer Bodenfläche von 7200 Quadratmetern wurde Teppich rausgerissen und neu verlegt, über drei Kilometer Heizungsrohre und 5000 Steckdosen wurden erneuert. Strom- und Internetleitungen, das Heizungssystem, die Lüftungs- und Klimaanlagen entsprechen nun modernstem Standard. Betten, Kommoden, Badausstattungen - alles wurde ersetzt.

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Hotel Atlantic: Zimmer in modernem Stil

In den Zimmern hat man sich konsequent von allem Alten verabschiedet. Lediglich die Deckenhöhe von vier Meter konnte weitgehend erhalten werden "Sie ist einfach unverzichtbar in einem Grandhotel wie diesem", sagte Igor Ruwinsky, stellvertretender Direktor des Atlantic. "Wegen der Rauchmelder und der Sprenkleranlage mussten wir sie jedoch minimal absenken." Dem Feuerschutz fielen nicht nur ein paar Zentimeter Höhe zum Opfer, sondern in fast allen Zimmern auch der alte Deckenstuck. "Es ist ein bisschen so, als würde man sich von der Lebensgefährtin trennen", scherzte Ruwinsky, "man trennt sich auch von ihren guten Eigenschaften." Das neue Designkonzept arbeitet mit verschiedenen Farbwelten auf den vier Etagen des Hotels. "Wir widmen jedes Stockwerk einem anderen Kontinent: Afrika, Europa, Amerika und Asien", sagte Pusnik. Zur Begründung verweist er auf die Geschichte der Hansestadt: "Hamburg war schon immer das Tor zur Welt." Vom Hafen aus gingen Gäste an Bord der ersten Luxusliner mit Ziel New York oder Karibik, viele von ihnen schliefen zuvor eine Nacht im Atlantic. Nur Australien haben die Innenarchitekten ausgelassen - der Grund: Zwischen Hamburg und dem fünften Kontinent hätten früher keine Seereiseverbindungen bestanden.

Dezente Weltreise bei der Zimmerdekoration

Originell ist die Idee der Weltreise, allerdings recht dezent ausgeführt: Lediglich die verwendeten Stoffe unterscheiden sich von Etage zu Etage in Farbe und Material. Man muss schon viel Phantasie mitbringen, um im zweiten und dritten Stockwerk eine Anspielung auf Europa (blauer Brokat) oder Amerika (violette Töne) zu entdecken. Einfacher zu deuten sind die wie Leopardenfell gemusterten Bettüberwürfe und die warmen Sandfarben im ersten Stock, die den Gast wohl gedanklich nach Afrika in die Wüste schicken sollen. Und die roten Seidendecken und goldfarbenen Kissen im vierten Stock, die einen Hauch Orient in die Hansestadt bringen sollen. Das Mobiliar dagegen ist hinter jeder Zimmertür gleich. Darunter etwa der massive Kleiderschrank aus indonesischem Makassarholz, der an die wuchtigen Schrankkoffer erinnern soll, mit denen die Gäste einst um die Welt reisten. Das Bad prunkt mit italienischem Marmor und als Highlight hängen schwarz glänzende Kronleuchter aus Muranoglas von den Decken.

Udo Lindenberg bewohnt Suite 212

Spätestens wenn der Gast aus den bodentiefen Fenstern guckt, ist er jedoch wieder zurück in Hamburg. Und blickt auf dieselbe Stadt wie Rocksänger Udo Lindenberg, der seit mehr als 15 Jahren in der Suite 212 des Hotel Atlantic wohnt und gerne beteuert, wie sehr er das Haus "und den hinreißenden Blick über die Alster" liebe: Die Hotel-Lobby sei für ihn wie eine Bühne, sagte Lindenberg einmal, man erlebe dort den großen Auftritt und den betretenen Abgang. "Von Politik bis Pop-Biz, von Star bis Starlet, von Hochstapler bis Drogenbaron - alles ist da. Und wird es Zeit für Ruhe und Meditation, so finde ich die in meiner Panikzentrale oder nachts in den endlosen Korridoren des Hotels." Politiker, Stars und Hoheiten - in der über hundertjährigen Geschichte wurden die Mitarbeiter des Hauses auch mit den kuriosen Bedürfnissen ihrer Gäste konfrontiert: Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien, wollte sich einen Messerschmitt-Kabinenroller aus der Nähe ansehen - und bekam das Fahrzeug auf drei Rädern wenig später direkt vor seine Suite im dritten Stock gestellt. Und auch die skurrile Bitte von Geschäftsleuten aus Asien konnte den Portier des Atlantic nicht schockieren: Sie wollten ein lebendes Dromedar, um ihre Exportgüter in einem morgenländischen Ambiente in Hamburg präsentieren zu können. Kurzerhand wurde so ein Paarhufer beim Tierpark Hagenbeck ausgeliehen und den Gästen in die Hotellobby gestellt.

Atlantic zurück zum Sterne-Standard?

Zurück zu altem Glanz will das Kempinski-Haus mit der Generalsanierung gelangen - und auch zurück zu den fünf Sternen? Hoteldirektor Pusnik äußert sich diffus: "Es steht buchstäblich in den Sternen", sagt er, "in den letzten Monaten hat uns nur der Umbau interessiert." Ausschließen wolle er aber nichts. Vor zwei Jahren hatte sich Pusnik noch gegen die Klassifizierung gewehrt. "Wir wollen gar keine Sterne", sagte er 2009. Denn der Dehoga liste in seinem Klassifizierungskatalog Kriterien, die er in seinem Haus nicht erfüllen wolle, etwa Wasserkocher auf jedem Zimmer. "Wer bei uns einen Tee trinken möchte, der ruft an und bekommt ihn auf einem Silbertablett serviert", sagte er damals trotzig. Wasserkocher gibt es auf den Zimmern im Hotel Atlantic auch nach der Renovierung nicht. Für einen Kaffee hingegen müssen die Gäste den Zimmerservice nun nicht mehr bemühen, sie können ihn sich selber brühen: Hinter einer mit Leder in Krokodilhaut-Optik verkleideten Schranktür verbirgt sich eine DeLonghi-Kaffeemaschine. Und daneben: eine Auswahl kleiner bunter Nespresso-Kapseln. Moderner Schnickschnack? State-of-the-art? Oder ein Eingeständnis der Direktion, weil auch ein Kaffeekocher helfen kann, wenn man sich fünf Sterne verdienen will?

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