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Museum "Runde Ecke" in Leipzig: So war die Stasi in der DDR

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Leipzig  

So war die Stasi: Banalität des Terrors

16.06.2009, 09:47 Uhr | Simone F. Lucas/srt, srt

Ausstellungsstück: Überwachungskamera (Foto: Imago)Ausstellungsstück: Überwachungskamera (Foto: Imago)

Vor 20 Jahren läutete die friedliche Revolution mit den Montagsmärschen in Leipzig das Ende der DDR ein. Nirgendwo wird die "bleierne Zeit" unter dem alles kontrollierenden Regime beklemmender lebendig als im Museum "Runde Ecke". Kein Wunder: Bis zur Wende war das Gebäude 40 Jahre lang Sitz der Staatssicherheit gewesen. Schauen Sie sich das Stasimuseum auch in unserer Foto-Serie an.

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Aus dem Mief der 50er

Kaum etwas hat sich hier verändert. Der rissige Linoleum-Boden, die bräunlichen Tapeten, die Scherengitter an Fenstern und Türen sowie die alten Heizkörper atmen noch den Mief der 50er Jahre - eine schreckliche, ja beängstigende Biederkeit. Sie waren ja brave Staatsbürger, die Agenten und ihre Informanten. Sie wollten ihr Regime vor umstürzlerischen Agitatoren bewahren und dazu war ihnen jedes Mittel recht: Einschüchterung, Bedrohung, Freiheitsentzug, Verleumdung.

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Von Geruchskonserven bis zu taschenlosen Kitteln

"Stasi - Macht und Banalität" ist denn auch der Titel der Dauerausstellung. Was könnte banaler sein als die berüchtigten Geruchskonserven in Einweggläsern, die verdorrten Grünpflanzen in den lichtlosen Büros, die handgeknüpften Perücken, die Malkästen für die Maskierung, die "Bügelmaschinen" für die geöffneten Briefe oder die taschenlosen Kittel für die Mitarbeiter? Und doch hatte die Staatssicherheit mit ihren 2400 Mitarbeitern und rund 10.000 Spitzeln die Stadt im Würgegriff. Wie eine Zwingburg erschien den Leipzigern damals die Zentrale. Und für Irmtraut Hollitzer, die damals 45 Jahre alt war, kommt es noch heute einem Wunder gleich, dass der Umsturz und die Auflösung des berüchtigten Geheimdienstes ohne Blutvergießen möglich waren. Die Frau des Museumsleiters, damals schon Mitglied im Bürgerkomitee Neues Forum, erinnert sich daran, wie Leipziger Bürger 1989 das Gebäude besetzten und die Akten vor der Vernichtung bewahrten.


Vergangenheit mit Geschichte

Doch sie weiß auch: "Die großen Herbstdemonstrationen fielen nicht vom Himmel, sie hatten eine Vorgeschichte." Und die verlangte Mut und kostete nicht selten die Freiheit. Es hatte schon im Januar 1989 begonnen, als Mitglieder von Oppositionsgruppen Flugblätter verteilten, auf denen sie Freiheit forderten und zur Demonstration aufriefen. 500 folgten dem Aufruf, 53 wurden verhaftet und auf Proteste hin wieder frei gelassen. 1000 Menschen gingen am 7. Mai nach den "Scheinwahlen" zur Leipziger Stadtregierung auf die Straße und forderten freie Wahlen. Es kam erneut zu Verhaftungen und Verurteilungen.


"Das Wunder von Leipzig"

Der Funke war da längst übergesprungen. Die Friedensgebete, die schon seit September 1982 in der Nikolaikirche stattfanden, erhielten ständig Zuwachs, Tausende gingen auf die Straße. 20.000 waren es im September, 70.000 am 9. Oktober. Irmtraut Hollitzer erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: "Die Demonstranten standen einer martialisch aufgerüsteten Polizei gegenüber, und wir fragten uns, ob es einen Bürgerkrieg geben würde." "Keine Gewalt", riefen die Demonstranten und "Wir sind das Volk". Und dann geschah "das Wunder von Leipzig": Die Staatsmacht kapitulierte vor einer Menschenmasse, die in den folgenden Wochen immer mehr anschwoll und "eine ungeheure Wut im Bauch" hatte.


Stasi-Akten größtenteils gerettet

Am 4. Dezember schließlich übernahmen 30 Vertreter des Neuen Forums die Stasi-Zentrale und stoppten die seit längst angelaufene Aktenvernichtung. "Dem Stasi-Chef ging wohl die Muffe", vermutet Irmtraut Hollitzer. Und sie ist heute noch dankbar dafür, dass Alles gewaltlos über die Bühne ging und ein Großteil der Akten gerettet werden konnte, denn: "Diese Akten sind wichtig für das Gedächtnis unserer Gesellschaft." Wie wichtig, das erfährt die grauhaarige Bürgerrechtlerin immer wieder aus der Zeitung. "Wir hätten uns nie vorstellen können, dass diese Stasi-Herren heute wieder so selbstbewusst auftreten", sagt sie verbittert. Die meisten hätten überhaupt kein Unrechtsbewusstsein und forderten mit Nachdruck ihre (hohen) Renten ein. Ausgerechnet der letzte Stasi-Chef von Leipzig agiere beispielsweise als Chef einer "Gesellschaft für humanitäre Rechte der Bundesrepublik". Irmtraut Hollitzer schüttelt den Kopf ob soviel Unverfrorenheit. Auch die "Ostalgie", die Sehnsucht nach der ach so guten alten DDR-Zeit, geht ihr gegen den Strich. Sie spürt heute noch die Angst, die ihr damals schier die Luft nahm, vor 20 Jahren, als die Stasi die Stadt scheinbar noch fest im Griff hatte.



Weitere Informationen


Das Museum in der Runden Ecke ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, jeweils um 15 Uhr gibt es eine Führung. Der Eintritt ist kostenlos, Spenden willkommen. Bis 31. Dezember läuft noch die Sonderausstellung unter dem Titel "Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution". Seit Ende letzten Jahres braucht man übrigens nicht einmal nach Leipzig zu reisen, um Einblick in diese Zeit und in die Stasi-Geschichte zu bekommen. Am 4. Dezember, dem Jahrestag der Stasi-Besetzung, ging die Sammlung der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" online: www.runde-ecke-leipzig.de.


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