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Ein Teil von Rügen wird geflutet

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Ein Teil von Rügen wird geflutet

03.11.2010, 15:36 Uhr | dapd

Rügen, Deutschlands größte Insel, bekommt ein neues Naturschutzgebiet. Möglich wird dies durch die Flutung eines riesigen Tieflandgebietes im Süden der Insel. Dies soll vor allem den Touristen zugute kommen - und ein ökologischer Ausgleich zum Bau der Rügenbrücke sein.

Naturschutzgebiet und Wassergrundstücke sollen entstehen

Umweltschützer begrüßen die Schaffung des störungsarmen Flachwasserbiotops, der die Insel Rügen ein Tausendstel ihrer Fläche kosten wird. Nach Einschätzung von Rügens ehemaligen Umweltamtsleiters Bodo Noack wird sich eine artenreiche Landschaft mit Kranichschlafplätzen entwickeln. Das insgesamt 240 Hektar große Renaturierungsgebiet werde zum Nahrungs- und Rückzugsgebiet vieler Rast- und Zugvögel. In den entstehenden Röhricht- und Seegrasbeständen entstünden Bruthabitate, und das Grünland könnte Lebensraum für die selten gewordenen Neuntöter, Braunkehlchen und Heidelerchen werden. Fledermäuse könnten in den Gehölzpflanzungen am Ufer neue Jagdreviere erobern. Ebenfalls positiv schätzt die Tourismusindustrie das Projekt ein. So entsteht in Mellnitz bereits ein neues Feriendorf mit 32 reetgedeckten Einfamilien- und Ferienhäusern. Die künftigen Wassergrundstücke seien schon jetzt sehr begehrt, sagte Investorchef Willi Kempf. Ein ganz besonderes Schmuckstück könnte das frühere Herrenhaus Üselitz werden. Das Renaissance-Anwesen mitten im Flutungsgebiet, das seit Jahrzehnten nur noch ein Ruinendasein fristet, würde wieder zu einer Art Wasserburg werden, nur über einen Damm erreichbar. "Wir werden 2011 auf der dann 20 Hektar großen Insel damit beginnen, in dem Gutskomplex acht neue Wohnungen zu bauen", sagte Investor Peter Welbergen.

Anwohner stehen Projekt skeptisch gegenüber

Dagegen stehen Anwohner dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Die Gemeinde verliere einen Großteil ihres Territoriums und fürchte langfristig steigende Umlagekosten durch den Betrieb der Schöpfwerke, sagte Bürgermeister Michael Burmeister (parteilos). Betroffen sei vor allem die Agrarprodukte GmbH Poseritz, mit über 30 Beschäftigten größter Arbeitgeber der Region. "Wir haben 220 Hektar Pachtland abgeben müssen, etwa sieben Prozent unserer gesamten Anbaufläche", sagte Geschäftsführer Maik Zilian. Für ihn sei fraglich, ob die neuen Abfangdrainage bei Hochwasser und Rückstau eine Vernässung und Versalzung angrenzender Äcker und Wiesen verhindern könne. Anlieger fürchten, dass Häuserkeller und Kläranlagen absaufen, das Grundwasser beeinträchtigt und im Sommer Mückenplagen entstehen könnten.

Flutung dauert nur wenige Stunden

Mit dem Projekt wird eine Fläche geflutet, die vor etwa 80 Jahren trocken gelegt wurden. Damals entstanden zu diesem Zweck ein Deich und ein Schöpfwerk. Das betroffene Gebiet findet sich im Landkreis Mellnitz-Üselitzer Wiek bei Poseritz auf einer Fläche von 124 Hektar. Das Projekt kostet laut Straßenplanungsgesellschaft DEGES rund drei Millionen Euro und sei als ökologischer Ausgleich zum Bau der vor drei Jahren fertiggestellten Rügenbrücke vorgesehen, sagte DEGES-Projektleiter Joachim Rascher. Derzeit werde an der benachbarten Puddeminer Wiek ein neues Flutbauwerk errichtet. Nach dem Rammen der Spundwände sollen Anfang 2011 in die Deichöffnung zwei Fluttore eingesetzt werden, die automatisch gesteuert werden. Sie sollen bei einem Wasserstand von plus minus 30 Zentimeter den Wasseraustausch mit den umliegenden Küstengewässern regulieren. Nach Angaben von Bauleiter Wolfgang Lüdemann werden in dem Gebiet drei Schöpf- und Pumpenwerke errichtet, rund drei Kilometer Auffangleitungen in angrenzende Agrarflächen verlegt sowie mehrere Wege erhöht und Gehölze gepflanzt. Geflutet wird voraussichtlich im April 2011. Experten rechnen damit, dass das tief liegende Areal schon binnen weniger Stunden mit Wasser gefüllt sein wird. Damit wird die an ihrer tiefsten Stelle maximal zwei Meter messende Mellnitz-Üselitzer Wiek mehr als dreimal so groß sein wie im preußischen Urmesstischblatt von 1830.

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