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Oderbruch: Eine der schönsten Landschaften im deutschen Osten

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Oderbruch  

Eine der schönsten Landschaften im deutschen Osten

13.08.2013, 11:49 Uhr | Margit Boeckh, srt

Oderbruch: Eine der schönsten Landschaften im deutschen Osten. Der Bruchsee der Alten Oder verspricht Idylle pur. (Quelle: imago/Blickwinkel)

Der Bruchsee der Alten Oder verspricht Idylle pur. (Quelle: Blickwinkel/imago)

Noch gilt es als ein Geheimtipp: Das Oderbruch ist ein Juwel aus unberührter Natur. Und die Gegend hält unerwartete Entdeckungen bereit: ein außergewöhnliches Theater, eine Skisprungschanze im märkischen Sand und Landschaften zum Träumen. Sehen Sie Oderbruch auch in unserer Foto-Show.

Wie am Ende der Welt

"Ist ja nun wohl kein Geheimtipp mehr", findet die Besucherin und bedauert freiweg berlinernd: "Det find ick eigentlich schade:" Sie steht inmitten einer erwartungsfrohen Menge, die sich auf den Abend in einer der ungewöhnlichsten Bühnen Deutschlands freut - dem "Theater am Rand". Wie der Name, so der Ort. Der heißt Zollbrücke und liegt im Oderbruch. 19 Einwohner, zwei Kneipen, gleich hinterm Deich fließt die Oder, das gegenüberliegende Ufer ist schon Polen. Eine Gegend wie am Ende der Welt. Ausgerechnet hier strömen die Menschen in die Aufführungen eines Theaters, das - sensationell genug - seit jeher ohne jegliche Zuschüsse auskommt und sich nur aus dem erhält, was seine Besucher zahlen. Denn hier gibt es keine Tickets, Eintritt zahlt man bei Austritt. Nach Belieben. Und es funktioniert!

Besucher kommen von weit her

Begonnen hat alles vor 15 Jahren. Da hatten der Musiker Tobias Morgenstern und der Schauspieler Thomas Rühmann (Serienstar des ARD-Weißkittel-Dauerbrenners "In aller Freundschaft") mal so ein bisschen rumgesponnen. Theater anders machen, einfach versuchen. Morgenstern besaß doch da dieses uralte Fachwerkhäuschen in dem Winznest an der Oder. Dort könnte es gehen. Gesagt, getan. Erst mal nur im Wohnzimmer, dann war da ja da noch die Scheune. Hier Theater machen? Ein Abenteuer! Das außergewöhnliche Konzept (ein Mix aus Musik, Rezitationen, Lesungen, Spielszenen, "richtigen" Stücken, Gastspielen von ansonsten hochbezahlten Promikollegen, die ihr Honorar nur von jeweiligen Abendeinnahmen erhalten) sprach sich rum. Heute kommen die Besucher nicht nur aus dem Umland, sondern vor allem aus Berlin, Hamburg, München sowie aus der Schweiz und aus Österreich.

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Der älteste Kurort in Brandenburg

Die Aufführungen sind derart ausgebucht, dass ohne Vorreservierung so gut wie nichts zu machen ist. Denn nur so kommt man auf eine Liste, die beim Eintritt penibel abgehakt wird. Die Auslastung des nur 200 Zuschauer fassenden, inzwischen überdachten, inklusive der Toiletten mit raffiniert nachhaltiger Öko-Technik versehenen Auditoriums beträgt gegen 90 Prozent. Davon können auch renommierte deutsche Bühnen meist nur träumen. Doch das "Theater am Rand", gerade mit dem Kulturpreis 2013 ausgezeichnet, ist nur eine von vielen Entdeckungen, die diese entlegen scheinende Gegend (tatsächlich und erfreulicherweise noch ein Geheimtipp) bereithält. Weitere warten unter anderem im nächstgrößeren Städtchen Bad Freienwalde, dem ältesten Kurort in Brandenburg.

Beliebtes Ausflugsziel der Berliner

Schon 1684 linderte der gichtgeplagte Große Kurfürst Friedrich Wilhelm seine Leiden an diesem wunderschönen, gleichwohl verschwiegenen Ort. Beim Flanieren durch die typische Ackerbürgerstadt mit ihren sorgfältig restaurierten klassizistischen Bauten, über die winkligen Kopfsteinpflastergassen mit lauschigen Ecken glaubt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Ein Schlösschen, das der Schwiegermutter von Preußens legendärer Königin Luise als Rückzugsort vor den Eskapaden ihres Womanizer-Gemahls Friedrich Wilhelm II. diente. Später wurde es zum Refugium von Walter Rathenau (1867-1922), dem AEG-Industriellen und Außenminister der Weimarer Republik, der hier seinen künstlerischen Leidenschaften als Maler und Schriftsteller nachging. An diese illustren Bewohner erinnert der jetzt als Museum genutzte Bau inmitten eines weitläufigen Parks. Freienwalde war lange ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner.

Die nördlichste Skisprungschanze Deutschlands

Reiche Reichshauptstädter erbauten hier prächtige Villen als Zweitwohnsitz. Damals war wohl deutlich mehr Leben in dem heute so beschaulichen Städtchen. Das allerdings über eine Attraktion verfügt, die wohl keiner vermutet: die nördlichste Skisprungschanze Deutschlands. Auch im Sommer stürzen sich hier Sportler tollkühn ins Tal - Ski heil in Brandenburg! Überraschende Entdeckungen in einem Gebiet, von dem viele meinen, es sei eine der schönsten Landschaften in Ostdeutschland. Und tatsächlich ist das Terrain noch immer ein Geheimtipp. Eigentlich kein Wunder. So entlegen scheint die Gegend.

Auf der Grenze

Alleine, wie sich das Handy gleich nach Ankunft meldet. "Willkommen in Polen ...". Nanu, in Polen? Die Grenze haben wir doch gar nicht bemerkt. "Schon klar", lächelt Harald Mahke, Hotelchef vom "Maschinenhaus" in Groß Neuendorf. "Das ist hier eben so. Wir sitzen ja quasi auf der Grenze. Da unten an der Oder steht der Schlagbaum." Nur ein paar Meter sind es bis zum Fluss. Auf dem Damm sind Skater und jede Menge Radler unterwegs. Der Oder-Neiße-Radweg ist ohne Zweifel eine der Top-Routen im Lande. Bequem asphaltiert und immer entlang des Stroms, lässt er das Oderbruch von seiner charmantesten Seite erleben.

Erholung für gestresste Städter

Ringsum nur das Grün der Wiesen, sparsam durchsetzt mit wie verwunschen wirkenden Ortschaften. Reiher kreisen überm Fluss, der in der aufgehenden Sonne tiefrot glüht und in der Dämmerung in sanften Nebelschleiern versinkt. Ein so malerisches wie unaufgeregtes Panorama, optischer Seelenbalsam für gestresste Städternerven. Von den oberen Etagen des extravaganten "Maschinenhaus"-Hotels genießt man den Ausblick weit über das Oderbruch. Der sorgfältig restaurierte Bau war ursprünglich eine Fabrikanlage. Beim Rundumblick übers Land wird unwillkürlich klar, dass er auch heute noch recht hat, der alte Fontane. Der meinte einst, hier werde "eine feinere Art von Natur- und Landschaftssinn" angesprochen, wenn man sich einmal auf diese Gegend einließe.

Schauplatz blutiger Gemetzel

Doch der heute so friedvolle Schein trügt. War doch die Region Grenzland durch die Jahrhunderte und immer wieder Schauplatz blutiger Gemetzel. Die schlimmsten Spuren und die meisten Toten hinterließ der Zweite Weltkrieg. Ein bedrückendes Mahnmal ist die Gedenkstätte auf den Seelower Höhen, gewidmet den mehr als 50.000 sowjetischen, polnischen und deutschen Soldaten, die bei der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkrieges hier ihr Leben ließen.
Rund zwei Jahrhunderte vorher konnte Friedrich der Große noch selbstbewusst vermerken: "Hier habe ich in Frieden eine Provinz erobert, die mir keinen Soldaten gekostet hat." Da hatte der legendäre Preußenkönig die sumpfige Gegend mit ingenieurtechnischer Raffinesse trockenlegen lassen und mit 1300 Familien besiedelt, die vor allem aus der Pfalz, aus Schwaben aber auch aus Polen kamen.

Diese Reise lohnt sich

An ihre Namen und auch an der Art des Hausbaus sind die Kossätendörfer leicht auszumachen. Sie führen ein "Neu" vor der Ortsbezeichnung, wie etwa Neubarnim oder Neulewin. An den Alten Fritz wird bis heute so flächendeckend wie liebevoll erinnert. Gasthöfe tragen seinen Namen, in manchem Hauserker ist er als Porzellanfigürchen aufgestellt, auch an Standbildern fehlt es nicht. Im Park des Schinkel-Schlosses Neuhardenberg steht das seinerzeit erste Friedrich-Denkmal, das es in Deutschland gab. Mit Dreispitz und Stock überblickt der Preußenkönig auch den Markt von Letschin, wo Fontanes Vater eine Apotheke betrieb. Überhaupt ist im ganzen Märkischen Oderland an den legendären zwei "F" kaum ein Vorbeikommen. Wo Friedrich II. nicht die Spur legt, ist es allemal der alte Mark-Wanderer Fontane. In seinen Reisereportagen und Romanen hat er der Gegend ein literarisches Denkmal gesetzt. Seinen Spuren im Oderbruch zu folgen, erweist sich als eine lohnende Reise.

Weitere Informationen:

Tourist-Information Oderbruch und Lebuser Land e.V: Mittelstraße 10, 15306 Seelow, Tel. 03346/849808, www.oderbruch-tourismus.de;
Theater am Rand: Zollbrücke 16, 16259 Oderaue, www.theateramrand.de;
Tourist-Information: Uchtenhagenstraße 3, 16259 Bad Freienwalde, Tel. 03344/150890, www.bad-freienwalde.de;
"Hotel Maschinenhaus": Zimmer ab 65 EZ/95 DZ, Hafenstraße 2, 15324 Letschin OT Groß Neuendorf, Tel. 033478/387710, www.maschinenhaus-online.de

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