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Die Alte Synagoge von Erfurt birgt mehr als einen Schatz

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Die Alte Synagoge von Erfurt birgt mehr als einen Schatz

08.08.2014, 12:47 Uhr | dpa

Die Alte Synagoge von Erfurt birgt mehr als einen Schatz. Eher unscheinbar - die Fassade der Alten Synagoge in Erfurt ist nicht gerade ein Postkartenmotiv.

Eher unscheinbar - die Fassade der Alten Synagoge in Erfurt ist nicht gerade ein Postkartenmotiv. Foto: Alte Synagoge Erfurt/Papenfuss/Atelier f. Gestaltung. (Quelle: dpa)

Erfurt (dpa/tmn) - Die Alte Synagoge von Erfurt ist von der Straße aus nicht zu erkennen. Und das Gebäude ist auch nicht besonders auffällig, wenn man davor steht. Aber innen gibt es viel zu sehen: einen Tanzsaal und einen Hochzeitsring zum Beispiel.

Die Alte Synagoge in Erfurt ist nicht unbedingt ein Postkartenmotiv. Von der Straße aus ist das unscheinbare Gebäude gar nicht zu erkennen. Lange Zeit wusste niemand, dass es sie überhaupt noch gibt. Inzwischen ist sie zu einer Besucherattraktion geworden - zu Recht. Nicht nur weil sie zu den ältesten Synagogen Europas zählt, sondern auch, weil sich an ihrem Beispiel so viel über die Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt erzählen lässt. Und weil in ihren Kellerräumen ein Schatz zu sehen ist, der nicht nur die überraschten Finder in Staunen versetzt hat.

Ihren Platz hat die Alte Synagoge mitten in der thüringischen Landeshauptstadt, in der Waagegasse, keine fünf Minuten von der belebten Krämerbrücke entfernt. Aber ihre Geschichte war in Vergessenheit geraten - so als hätte es sie nie gegeben. "Die Erfurter wussten nicht mehr, dass das Haus mal eine Synagoge war", sagt Ines Beese, die Leiterin des heutigen Museums.

Das lag auch daran, dass das Haus schon seit dem Hochmittelalter mehrfach umgebaut und für ganz andere Zwecke genutzt wurde, ab dem 19. Jahrhundert als Gastwirtschaft, 1878 kam im oberen Stockwerk ein Tanzsaal hinzu. "In den 1990er Jahren gab es noch einen Schankraum mit Tischen, Stühlen und Garderobenständer", erzählt Beese.

Heute werden alle Stockwerke für Ausstellungen genutzt. Die ungewöhnlichste ist im Keller und widmet sich dem Schatz, der 1998 im ehemaligen jüdischen Viertel entdeckt wurde: "Er ist weltweit einzigartig und ein Besuchermagnet", erklärt Beese. Schon die Geschichte seiner Entdeckung hat etwas Märchenhaftes: Auf einer Baustelle stieß einer der Arbeiter zufällig auf eine Silberschale.

Der Archäologe, der daraufhin gerufen wurde, sicherte die weiteren Funde in zwei großen Eimern: "Der Schatz wiegt rund 28 Kilogramm", sagt Beese. Er besteht aus 14 silberne Barren sowie Gürtelteilen und Gewandschmuck und 3141 französische Silbermünzen, die ebenfalls in der Alten Synagoge gezeigt werden.

Der Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Schatz vergraben wurde, war ein jüdischer Kaufmann. Vermutlich wollte er seine wertvollen Besitztümer aus Angst vor dem mordenden Mob im Pogromjahr 1349 verstecken.

Die Synagoge selbst ist deutlich älter als der Schatz, der in ihren Kellerräumen ausgestellt ist: Sie gehört zu den ältesten Gebäuden Erfurts und ist eine der wenigen erhaltenen Synagogen aus dem Mittelalter in ganz Europa. Der erste Bauphase geht auf das späte 11. Jahrhundert zurück. Der erste Betraum war klein, mit nur acht mal acht Meter Grundfläche. "Um 1270 hat das Haus eine zwölf Meter hohe gotische Schaufassade bekommen." Nach dem Pogrom am 21. März 1349 geriet die Alte Synagoge in die Hände christlicher Eigentümer und wurde zum Lagerhaus.

Fünf Jahre nach dem Pogrom gründete sich zum zweiten Mal eine jüdische Gemeinde und ließ bald eine neue Synagoge bauen. Aber das Verhältnis zwischen Juden und Christen hatte immer wieder Phasen bedrohlicher Eskalationen: Ab Mitte des 15. Jahrhunderts verließen Erfurts Juden die Stadt, mehr als 300 Jahre lang gab es danach keine Gemeinde mehr.

Ines Beese geht in den obersten Stock vor, in dem noch die Emporen erhalten sind, die zu dem Tanzsaal aus dem 19. Jahrhundert stammten. Die Ausstellung dort oben widmet sich vor allem den mittelalterlichen Handschriften der jüdischen Gemeinde in Erfurt. Gezeigt werden zwar nicht die Originale, aber Faksimiles, also Kopien, die dem Original gleichen. Zu sehen sind zum Beispiel eine Reihe von Thorarollen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, die zeigen, dass die Erfurter Gemeinde auch im Hinblick auf das religiöse Leben bedeutend war. Die Thorarollen glänzen nicht so offensichtlich wie die Silberbecher, die französischen Münzen oder der wunderschöne Hochzeitsring - ein Schatz sind sie aber auch.

Informationen: Alte Synagoge, Waagegasse 8, 99084 Erfurt (Tel.: 0361/655 15 20). Tourist Information Thüringen , Willy-Brandt-Platz 1, 99084 Erfurt (Tel.: 0361/37 420, service@thueringen-tourismus.de).

Weitere Informationen:

Die Alte Synagoge ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Der Eintritt beträgt acht, ermäßigt fünf Euro. Bis einschließlich Oktober gibt es samstags um 11.15 Uhr eine öffentliche Führung, die 90 Minuten dauert und zehn, ermäßigt neun Euro kostet. In den Wintermonaten gibt es die Führung jeweils nur am ersten Samstag im Monat.

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