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Der Edersee wird 100 Jahre alt

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Faszinierende Sehenswürdigkeit  

Der Edersee wird 100 Jahre alt

18.08.2014, 13:02 Uhr | mro/Mona Contzen

Der Edersee wird 100 Jahre alt. Die Brücke von Asel im Edersee taucht nur bei niedrigem Wasserstand auf. (Quelle: dpa)

Die Brücke von Asel im Edersee taucht nur bei niedrigem Wasserstand auf. (Quelle: dpa)

In dem idyllischen Wald- und Wiesental unterhalb der Burg Waldeck ahnt zu Beginn des 20. Jahrhunderts niemand, was auf die rund 600 Dorfbewohner in Asel, Berich und Bringhausen in den nächsten Jahren zukommen wird. Es ist eine Geschichte wie aus einem Hollywood-Film - mit Vertreibung und Abschiedsschmerz, Promi-Glamour, Tod und Verwüstung. Das Schicksal der heutigen Ferienregion Edersee in Hessen ist mit einer Talsperre untrennbar verknüpft, die nun ihren 100. Geburtstag feiert. Brücken, Mauerreste und die Reste alter Friedhöfe zeugen vom "hessischen Atlantis", das Sie auch in unserer Foto-Show bewundern können. Ein paar Eindrücke von der beliebten Ferienregion präsentieren wir Ihnen in dieser Foto-Show.

Damals, beim Bau der Edertalsperre von 1908 bis 1914, dachte noch niemand an eine touristische Nutzung. So wie die gepflegten Fachwerkhäuschen, der romantische Burginnenhof und die uralten Knorreichen an den Schieferhängen nichts besonderes waren, sollte auch der See lediglich der bedeutsamen Weserschifffahrt und dem Mittellandkanal in den trockenen Sommermonaten ausreichend Wasser zuführen. Doch schnell erkannten die findigen Gebrüder Hittdorf das Potenzial des Edersees und wurden zu den Begründern der örtlichen Personenschifffahrt. Heute werden auf dem See nicht nur tägliche Rundfahrten angeboten. Viele Buchten sind wahre Paradiese für Angler, während in anderen Surfer, Segler, Wasserskifahrer oder Taucher ihr Domizil haben.

Jedes Jahr gibt der Edersee seine versunkenen Schätze frei

Wenig Regen im Frühjahr und ein Ablassen des See-Wassers für die Schifffahrt führen zu einem sinkenden Wasserstand und die Überreste der einst gefluteten Dörfer Asel, Berich und Bringhausen kommen wieder ans Licht. Jedes Jahr wieder tauchen die verborgenen Überreste auf, die Edersee Touristic GmbH nennt das Spektakel "Edersee Atlantis". Die Brücke von Asel ist eine der besterhaltenen Ruinen in der Gegend. Ab einem Wasserstand von 235 Metern über Null kommt die mehr als 100 Jahre alte Brücke mit ihren vier Steinbögen an die Oberfläche, ab einem Wasserstand von 231 Metern über Null sind auch ihre Pfeiler wieder im Freien. Ist der See voll gestaut, steht das Wasser bei 245 Metern. Am 12. Juli stand der Pegel bei etwa 230 Metern. Bei einem so niedrigen Wasserstand können Fußgänger die Brücke überqueren, auch Dank der Restaurierung im Jahr 1989. Skurril wirkt vielen Besuchern der Gang über die Brücke. Schließlich ist die Landschaft, in der die Brücke steht, normalerweise unter der Wasseroberfläche verborgen.

Das versunkene "Edersee-Atlantis" erzählt noch heute die Geschichte vom verzweifelten Kampf dreier Dörfer gegen die Vertreibung. Über die Bittgesuche der Einwohner lachten die Verantwortlichen, der örtliche Gesangverein trug noch ein trauriges Abschiedslied vor, dann rückten die Soldaten mit ihren Artilleriegeschützen an. "Als ich am Abend den Festplatz verließ, war noch ein frohes Treiben dort. Es beschleicht einen ein eigentümliches Gefühl, wenn man von einer Anhöhe herab auf das friedliche Dorf blickt und sich sagt, das muss verschwinden. Ein hartes, bitteres Muss", erinnert sich Pfarrer Brand noch Jahre nach der Flutung des Tals.

Der Edersee zählt zu den größten Stauseen Deutschlands

Insgesamt 25 Millionen Goldmark verschlang das historische Mega-Projekt im Waldecker Land, das lange unter keinem guten Stern stand. Kaiser Wilhelm II inspizierte samt Kaiserin noch höchstpersönlich die Baustelle, doch zur offiziellen kaiserlichen Einweihung kam es nie. Zwei Wochen vor dem geplanten Festtermin im Sommer 1914 war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Auch Joachim Gauck hat dem Edersee jetzt eine Absage erteilt. Die Schirmherrschaft des Jubiläums wollte der Bundespräsident nicht übernehmen. Doch das Schicksal der Region hat sich gewandelt. Inzwischen ist der Edersee, mit 27 Kilometern Länge einer der größten Stauseen in Deutschland, zu einem wahren Touristen-Magneten avanciert. Und dank der umfangreichen Sanierungsarbeiten in den 90er Jahren ist die Talsperre garantiert fit für die nächsten 100 Jahre.

Die Einwohner der ehemaligen Siedlungen haben sich längst an anderer Stelle niedergelassen, als eine neue Katastrophe hereinbricht. In der sternenklaren Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 starten 19 britische Langstreckenbomber zu einer Mission gegen Nazi-Deutschland. Das Ziel der "Operation Chastise": die Zerstörung deutscher Talsperren. Erst nach Mitternacht erreichen die Piloten der Royal Air Force den Edersee. Mehrere Anflugversuche auf die wuchtige Sperrmauer schlagen fehl, doch die dritte Bombe trifft. Am Morgen des Muttertages, gegen 1.50 Uhr, reißt sie ein riesiges Loch in die Mauer. Augenblicklich schießt eine gewaltige Flutwelle ins Tal. Die Dorfbewohner flüchten auf die umliegenden Hügel, doch viele haben keine Chance: 68 Menschen sterben in den Fluten, allein im Kreis Waldeck fallen über 200 Gebäude den Wassermassen zum Opfer.


Weitere Informationen:
Anreise: Mit dem Auto über die A44 bis Diemelstadt, weiter Richtung Korbach zum Edersee. Oder mit der Bahn (Tel. 01806/996633, www.bahn.de) über Kassel ins Edertal.
Besonderheiten: Im Jubiläumsjahr finden bis Oktober Veranstaltungen rund um den Edersee statt.
Kontakt: Edersee Touristic GmbH, (Hemfurther Str. 14, 34549 Edertal-Affoldern, Tel. 05623/9998-0, www.100jahre-edersee.de)
Im September und Oktober gibt es viele Aktivitäten rund um den Edersee http://100jahre-edersee.de/programm

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