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Tourismus: Wie viele Sternlein stehen? - Sternenpark Westhavelland

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Tourismus  

Wie viele Sternlein stehen? - Sternenpark Westhavelland

31.10.2014, 10:31 Uhr | dpa

Tourismus: Wie viele Sternlein stehen? - Sternenpark Westhavelland. Ich seh' den Sternenhimmel: Nur 80 Kilometer von Berlin entfernt bietet das Westhavelland perfekte Voraussetzungen zum Sternegucken.

Ich seh' den Sternenhimmel: Nur 80 Kilometer von Berlin entfernt bietet das Westhavelland perfekte Voraussetzungen zum Sternegucken. Foto: Patrick Pleul. (Quelle: dpa)

Gülpe (dpa/tmn) - Das Westhavelland in Brandenburg ist Anfang 2014 offiziell zum Sternenpark ernannt worden. Die dortigen Gemeinden haben Straßenlampen abgeschirmt. Nun hofft die strukturschwache Region auf Astrotouristen.

Burghard Zacharias hat die Ehre für sein Heimatdorf nicht überrascht. "Ich habe den Sternenhimmel auf dem Kilimandscharo, in der Namib und in Machu Picchu gesehen", erzählt der Rentner. "Und ich habe immer gesagt: Da kann Gülpe mithalten." Zacharias ist in dem 160-Seelen-Dorf in Brandenburg aufgewachsen. "Hier habe ich als Kind die Milchstraße verinnerlicht", sagt er. Sternenklare Nächte waren für ihn normal. Und sie sind es hier im Westhavelland, nur 80 Kilometer westlich von Berlin, noch immer. Deshalb wurde der Naturpark Anfang 2014 zum ersten Sternenpark Deutschlands ernannt. Inzwischen hat die International Dark-Sky Association (IDA) den Titel dreimal in Deutschland vergeben.

Denn die Nacht ist bedroht. Straßenlampen, Werbeleuchten und auf Gebäude gerichtete Strahler machen sie immer mehr zum Tag. Andreas Hänel, Leiter des Planetariums Osnabrück kämpft deshalb gegen Lichtverschmutzung. Und er setzt sich dafür ein, die letzten dunklen Flecken in Deutschland zu bewahren.

2009 kam Hänel das erste Mal hierher. Konnte es so nahe bei Berlin wirklich so dunkel sein, wie nächtliche Karten Europas zeigten? "Ich wollte es selbst messen", erzählt Hänel. Hänel fuhr über Straßen, die immer schmaler wurden. "Es wurde dunkler und dunkler." Irgendwo zwischen Görne und Witzke hielt er an und schaute auf sein Sky Quality Meter. Es zeigte Werte wie in den dunkelsten Wüsten und Gebirgen der Erde. Der Grund dafür ist schlicht: Im Westhavelland leben sehr wenige Menschen.

Finsterster Ort Deutschlands haben manche Medien Gülpe genannt, die Bewohner fanden das mäßig witzig, und es stimme auch nicht, sagt Hänel. Es gebe einige ähnlich dunkle Gegenden, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern. Aber dort haben die Naturparks nicht auf seine Idee reagiert, die zunächst auch verrückt klingen mag: einen Sternenpark ausweisen.

Im Westhavelland war es anders. Die Gemeinden und der Naturpark witterten ihre Chance, mehr Touristen anzulocken. Bisher reisen die meisten Besucher ins Westhavelland, um zu radeln, Kanu zu fahren und Vögel zu sehen. Doch nun kommen immer mehr Gäste zum Sterneschauen. Manche Pensionen haben sich bereits auf die besonderen Bedürfnisse der Sternentouristen eingestellt: spätes Frühstück, verdunkelbare Zimmer und morgens bitte leise sein.

Auch der Naturpark bereitet sich vor. Zwei Naturführer haben sich astronomisch fortgebildet und bieten nun Sternenwanderungen an. Im Naturparkzentrum in Milow simulieren Leuchten in einer neuen Kabine den Sternenhimmel, dazu singen Vögel vom Band. Eine Broschüre zeigt die besten Orte zum Sternenschauen mit GPS-Koordinaten, Stelen sollen bald die Punkte markieren. Betonsäulen sollen aufgestellt werden, auf die man Teleskope pflanzen kann. Und in Parey möchte der Förderverein eine Sternwarte einrichten.

Menschenmassen fallen freilich vorerst nicht ein. "Der Sternentourismus entsteht sachte", sagt Jens Aasmann, Amtsdirektor von Rhinow. Es müssten auch erst die Voraussetzungen geschaffen werden. "Wir könnten nicht mal einen ganzen Bus voller Besucher zusammen unterbringen."

Vor allem muss sich Aasmann aber darum kümmern, dass es dunkel bleibt. "Die Gemeinde hat sich verpflichtet, den Zustand zu bewahren", sagt er. Wenn eine Straßenlampe ausgetauscht wird, achte man nun darauf, dass sie gut abgeschirmt ist und kein Licht nach oben strahlt. "Das spart auch eine Menge Energie." Ansonsten müsse er nicht viel unternehmen. "Die Werbeschilder halten sich arg in Grenzen", sagt Aasmann. "Und Ampeln mussten wir auch keine dimmen. Es gibt keine."

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