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Kloster Volkenroda: Das Kloster mit der Postleitzahl 99998

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In Deutschlands letztem Dorf  

Das Kloster mit der Postleitzahl 99998

30.05.2015, 08:31 Uhr | S. v. Aretin/srt

Kloster Volkenroda: Das Kloster mit der Postleitzahl 99998. Dieses Kloster Volkenroda trägt die Postleitzahl 99998. (Quelle: Jesus-Bruderschaft Kloster Volkenroda)

Dieses Kloster Volkenroda trägt die Postleitzahl 99998. (Quelle: Jesus-Bruderschaft Kloster Volkenroda)

1993, das Jahr der Postleitzahlen-Reform. Plötzlich fand sich die Gemeinde Körner im Rücken des Harz mit "99998" auf dem allerletzten Platz in Deutschland wieder. Doch Körner machte das Beste daraus. Und das Kloster im Ortsteil Volkenroda legte jetzt erst richtig los. Schauen Sie sich das Kloster auch in unserer Foto-Show an.

Es liegt nahe, das zu sagen, und deshalb lächelt Ulrike Köhler bei dem Satz ein wenig: "An keinem Ort in Deutschland ist man weiter weg vom Alltag, wenn man Abstand und Einkehr sucht." Natürlich ist das im übertragenen Sinn gemeint, schließlich ist die 99998 nur eine Zahl, genauer gesagt die Postleitzahl des Klosters Volkenroda in Thüringen. Danach kommt nichts mehr, zumindest nicht in normalen Jahren. Nur im Jahr 1999, da hatte sich die Gemeinde Körner, zu der Volkenroda gehört, auch die 99999 unter den Nagel gerissen. Am 9.9. des Jahres wurde die Postleitzahl außer der Reihe vergeben, knapp drei Monate lang durften sich Philatelisten aus aller Welt in Körner einen Sonderstempel auf ihre Marken drücken.

"Kloster auf Zeit"

Doch zurück nach Volkenroda, dem Kloster, und Ulrike Köhler, geboren 1956 und ordinierte Laienpredigerin. Sie leitet das Programm "Kloster auf Zeit". Die jugendlich wirkende Frau mit dem offenen Gesicht und den kurzen Haaren ist schnell wieder ernst geworden nach dem kleinen Eingangsscherz. So viele Menschen haben in den vergangenen Jahren die Auszeit gesucht - hervorgerufen durch existenzielle Lebenskrisen wie Arbeitslosigkeit, Scheidung, Burn-Out - dass das Kloster gerade zum letzten seiner großen Bauprojekte aufläuft: Ein neues Refektorium (Speisesaal) wird errichtet, das mehr Platz für alle Gäste schaffen soll. Im vergangenen Jahr wurde in einem der Fachwerkhöfe außerdem ein abgeschlossener Trakt mit neun Zimmern fertig gestellt. Darin können Gäste bis zu zwölf Wochen zurückgezogen leben, beten und arbeiten - auch wenn sie keiner Kirche angehören. Ob das nun erfreulich ist oder eher traurig - jedenfalls sind die Zimmer nach Auskunft des Klosters immer gut belegt.

Noch vor zehn Jahren sah das ganz anders aus. Die Gemeinde Körner in Thüringen hatte bereits einen Ortsteil verloren. Noch zu DDR-Zeiten wurde Peißel entsiedelt, zu viele Bauern waren nach der Agrarreform weggezogen. Volkenroda drohte ein ähnliches Schicksal. Für das Kloster, das 1131 von Zisterzienser-Mönchen gegründet worden war, interessierte sich niemand mehr. In einem Bundesland, das nur 20 Prozent Christen zählt, verfiel die romanische Klosterkirche, das älteste erhaltene Bauwerk des Ordens. Seit Jahren war sie wegen Baufälligkeit geschlossen. 

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Christus-Pavillon wieder aufgebaut

Doch ab 1994 wendete sich das Blatt. Mitglieder der ökumenischen Jesus-Bruderschaft aus dem hessischen Gnadenthal besiedelten den historischen Ort neu, unter ihnen auch Ulrike Köhler. Was der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Kröner, Matthias Niebuhr, auf Glück, Können und die richtigen Partner zurückführt, das nennen die Mitglieder der christlichen Laien-Gemeinschaft gerne ein Wunder. Es regte sich neues Leben in dem verlassenen Kloster, Fördermittel und Spenden flossen im Strömen. Im Jahr 2001 wartete das Kloster mit einer Sensation auf: Der vom renommierten Architekten Meinhard von Gerkan entworfene Christus-Pavillon wurde nach der Expo 2000 in Hannover ab- und an Stelle des historischen Kreuzgangs im Kloster Volkenroda wieder aufgebaut.

Wenn das Refektorium steht, dann hat die Klostergemeinschaft inklusive Christus-Pavillon rund 20 Millionen Euro in den Standort investiert. Die schlichte romanische Kirche wurde behutsam mit modernen Sandstein-Elementen ergänzt. Durch ein Fenster, das fast die ganze Westseite der Kirche umfasst, fällt ein reizvolles Licht- und Schattenspiel. Rund um ein Becken, in dem das Wasser mal fröhlich türkis leuchtet, mal abgrundtief grün schillert, gruppieren sich renovierte Gehöfte und neuere Gebäudeteile.

Immer weniger Einwohner

Noch ist nicht alles eitel Sonnenschein in der Gemeinde Körner mit der letzten Postleitzahl der Republik. Der Bevölkerungssaldo ist weiterhin rückläufig. "Wir sind froh dass noch ein Arzt und eine Schule am Ort sind", so Bürgermeister Niebuhr. "Vor zehn Jahren waren wir noch 300 Einwohner mehr." Auch die touristische Attraktion Kloster ist kein Selbstläufer. "Damit die Leute kommen, müssen wir uns schon was einfallen lassen", findet auch der theologische Vorstand des Klosters, Pfarrer Albrecht Schödl. An diesem Morgen steht der 42-Jährige gemeinsam mit Ulrike Köhler im Innenhof des Christus-Pavillons. Mit Körben voll Trauben und Brot erwarten sie die Pilger, die zu Beginn der Sommersaison singend und betend zum Kloster ziehen. Auch Flüchtlinge aus den nahe gelegenen Unterkünften wurden eingeladen.

Eine knallgrüne Hüpfburg quietscht und hinter den Bierzelten werden Würstl gegrillt. Das Lebensgefühl in dem 180-Seelen-Ort "hinter den sieben Bergen" sei ein bisschen wie in Bullerbü, erzählt der Pfarrer, Vater von vier Kindern - auch wenn inzwischen jährlich rund 22000 Übernachtungs- und 50000 Tagesgäste den Weg ins Kloster mit der 99998 finden. 

Weitere Informationen: 
Kloster Volkenroda, Amtshof 3, 99998 Volkenroda, Tel. 036025/5590, www.kloster-volkenroda.de 

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