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Helsinki: Tochter der Ostsee und stolze Rockerbraut

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Helsinki  

Tochter der Ostsee und stolze Rockerbraut

19.09.2008, 18:22 Uhr | srt/Claudia Ottilie, srt

Die Uspenski-Kathedrale - eine der Sehenswürdigkeiten Helsinkis (Foto: srt)Die Uspenski-Kathedrale - eine der Sehenswürdigkeiten Helsinkis (Foto: srt)Die meisten Besucher der kleinen finnischen Hauptstadt weht der Wind von ihrem Schiff aus direkt durch die Aleksandrinenkatu auf den Senatsplatz und vor die Stufen des Lutherischen Doms. Die übrigen Gäste fliegen zumeist aus Asien ein, denn seit kurzem verbindet Finnair Europa mit Japan, China und Südkorea. Sie alle stehen an einem späten Morgen unter der großen weiß gekalkten Hauptkuppel der protestantischen Kirche, dem Wahrzeichen Helsinkis.


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Helsinki im Schnelldurchlauf

Mächtig erhebt sich die Orgel zur Linken, eine einzige Heiligendarstellung ziert den Altar zur Rechten, und alle lauschen in andächtigen fünf bis zehn Minuten den bombastischen Tönen, die durch die fünf Kuppeln des Kirchenbaues hallen. Dann ziehen die Trüppchen weiter, vielleicht zur orthodoxen Uspensky Kathedrale in Sichtweite auf Katajanokka - einer von 350 Inseln, auf denen Helsinki vor 550 Jahren errichtet wurde. Oder vielleicht flanieren sie auch nur durch den Esplanade Park, kehren im gepflegten Jugendstil des Kappeli auf einen Kaffee oder einen Rentierbraten ein und shoppen sich dann durch die Pohjoisesplanadi zurück bis zum Hafen. Dort gibt es für alle zuvor Unschlüssigen noch ein paar Souvenirs á la Pelzkappe, "Soumi"-T-Shirt und hölzerne Schmuckschatulle, bevor die Schiffe die "Tochter der Ostsee" über selbige wieder verlassen und die Flieger die asiatischen Blitzbesucher in die nächste europäische Hauptstadt bringen. So schnell kann man Helsinki abhaken. Und dann war es eben ein kurzer Städtetrip, mit viel zu teurer Verpflegung, Shoppingmalls wie überall und vielen russischen Souvenirs, die man hier gar nicht kaufen wollte.

Die Finnen- eigenbrödlerisch, erfinderisch und stolz

Oder man geht die Sache mit dem Städtetrip ein bisschen anders an. Dann hüpft man nicht eben für ein paar Stunden von einem Dampfer, sondern bleibt mehrere Tage an Land, setzt sich in einer der weithin sichtbaren Kathedralen für ein ganzes Konzert schon mal auf die Bank und dankt dem lieben Gott, dass man an diesem bizarren Flecken Erde vor Anker gehen durfte. Denn Finnland, und damit auch Helsinki, ist speziell. Seine Lage zwischen Schweden und Russland und die jahrhundertelange Zerrissenheit zwischen deren Kulturen macht das finnische Volk zu einem typischen Inselvolk: eigenbrödlerisch, erfinderisch und stolz auf alles Geleistete, egal wie lange das zurückliegt. Auf einem kleinen Stadtrundgang erzählt Barbesitzer Anders, dass es schon eine ganze Weile her sei, als die Finnen in einer Sommerolympiade Besonderes geleistet hätten. Man spräche heute noch von der Olympiamedaille, die die Segler vor acht Jahren gewannen. Da muss selbst er schmunzeln.

Harte Klänge im hohen Norden

Größeres haben seitdem vor allem die Musiker vollbracht. Und dann sagt er den Satz, den man von den Finnen einfach erwarten muss, weil man es ja eigentlich schon weiß: "Unsere Nationalmusik ist Heavy Metal." Das behaupten nun wirklich nicht viele Länder von sich, und wenige von ihnen könnten es gar beweisen. Anders kann. Morgen zum Beispiel wird er mit einem Trupp Freunden zu einem der vielen Festivals gehen, die rund ums Jahr hauptsächlich, aber nicht ausschließlich von harter Musikart bestimmt werden. Erst Anfang August sammelten sich vor Helsinkis Toren mehr als 30000 Fans aus ganz Europa zum Ankkarock Festival, einem der größten in Finnland. Längst sind Bands wie HIM, Nightwish und Lordi, die Gewinner des Eurovision Song Contests 2006, auch hierzulande bekannt. Sie sind nur ein kleiner Teil von vielen, die erfolgreich mit Stromgitarren und Trommeldreschen zu internationaler Bekanntheit kamen. Das ganze Land macht Musik oder liebt sie zumindest.

Am Abend in die Partyszene abtauchen

Am Abend führt Anders seinen Touristentrupp zusammen mit Geschäftspartner Matti durchs musikalische Helsinki, wo aufgehübschte Partygänger und schwarzgekuttete Rocker in geordneter Reihe an Clubs wie dem Tavastia und We got Beef sowie an Bars wie dem Corona, Moskva und der Icebar anstehen. Drinnen dröhnt nicht überall Heavy Metal, aber immer die neueste Trendmusik, finnische Bands von Band und Platte oder live auf einer kleinen Bühne, denn die Lokalitäten sind knapp bemessen. Anders und Matti führen selbst eine dieser kleinen Bars. Die Miete sei hoch, aber ihre "Vinyl"bar immer gut besucht, denn die Finnen gehen gerne aus und trinken bis spät in die Nacht. Um zwei Uhr morgens, wenn die meisten Bars schließen, steht ein Saxophonist auf der Straße und unterhält die letzten Nachtschwärmer. Vielleicht ist er bald der angesagteste Finne im Showbiz? Man kann nie wissen.

Vom Hotel mit Aussicht bis zu den Shops

Am Tage lässt sich die überschaubare Stadt auch ohne Anders erkunden. Einen guten Überblick über die Stadt hat man vom 14. Stock des Hotels Torni. Direkt von der höchsten Toilette Finnlands überblickt man die Dächer des Kiasma Museums für Moderne Kunst und der Finlandia Hall bis hin zum Hafen und dem Olympiastadion. Die Kathedralen entziehen sich dem Toilettenblick, dafür muss man schon den Gang auf die Terrasse des Hotels wagen. Was dann noch im Verborgenen blieb, sind die kleinen Shops und Boutiquen, die Galerien und Designerhäuser, in denen sich Glaskunst von Alvar Aalto und die neueste Couture von IVANAhelsinki erstehen lassen. Auf seine extravaganten Designer sind Helsinkis Einwohner besonders stolz und pflegen die Förderung von Kunst und Künstlern. Minimalistisch, ein bisschen wie IKEA, ist man als Laie versucht zu kategorisieren, und trotzdem stellen sich beispielsweise im Designforum die Exponate äußerst ausgefallen dar, die gern auch als Souvenir erworben werden dürfen.

Land der verrücktesten Weltmeisterschaften

Indes geht der Musikliebhaber, der am Vorabend vielleicht auf einem Konzert im Traditions-Rockhaus Tavastia einer neuen vielversprechenden Band gelauscht hat, sicher lieber ein paar Straßen weiter, wo mehr Plattenläden pro Quadratkilometer aufzufinden sind als in irgendeiner anderen Stadt. Im Stupido Shop schlagen Sammler- und Musikerherzen höher, während draußen vor der Tür ein Mitzwanziger auf seiner Gitarre klampft - eine Eigenkomposition, versteht sich. Eigenkompositionen - in solchen eigenen Dingen sind sie ganz groß, die Finnen. Schon am Flughafen verkünden Plakate, dass man nun in dem Land sei, das die Weltmeisterschaften im Luftgitarrespielen, Frauentragen, Stöckelschuhweitlauf, Gummistiefel- und Handyweitwurf sowie Schlammfußball ausrichtet. Die Organisatoren und Teilnehmer trifft man freilich nicht an jeder Straßenecke, aber im Gespräch mit den immer offenen Landsleuten beschleicht einen doch irgendwann das Gefühl "die spinnen, die Finnen". Anders und Matti machen da keine Ausnahme, sie sind stolz auf ihre neue Drinkerfindung, für die eine Mentholpastille mit Wodka aufgegossen wird. Liebenswürdige Spinner lassen sie sich gern nennen, denn da sind sie sich sicher: je verrückter die Idee, desto mehr Erfolgschancen hat sie - in Helsinki allemal.

Sich aufs Wasser wagen gehört zum Pflichtprogramm

Übrigens, wer in Helsinki nicht per Schiff sondern Flugzeug gelandet ist, sollte sich - auch zur Erfrischung nach durchzechter Nacht - unbedingt aufs Wasser wagen. Eine Fahrt durch die Inselwelt des Stadtgebietes oder zur Wasserfestung Soumenlinna gehört zum Pflichtprogramm für Touristen. Genauso wie eine Sauna am Abend zur Auffrischung der müden Glieder bevor es erneut ins Nachtleben der liebenswürdig verrückten, kleinen Ostseemetropole geht.

Weitere Informationen
Finnische Zentrale für Tourismus, Lessingstraße 5, 60325 Frankfurt, Tel. 069/50070157, finnland.info@mek.fi, www.visitfinland.de / www.visithelsinki.fi.
Beste Reisezeit: Zwischen April und September herrschen angenehme Temperaturen, im Juni und Juli geht die Sonne nur für 3 Stunden unter. Eine kostenlose Broschüre mit aktuellen Ausgeh-Adressen "We Are Helsinki" liegt in Hotels, Bars, und im Touristenbüro von Helsinki aus oder man sieht im Internet nach unter www.we-are.fi.

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