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Venedigs verborgene Gärten

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Ungewöhnliche Rundgänge  

Venedigs verborgene Gärten

02.02.2009, 14:01 Uhr | Spiegel Online, Antje Blinda, Spiegel Online

Gut gehütet: Die prachtvollen Gärten Venedigs verstecken sich hinter schlichten Fassaden wie der des Hotels Ca Dei Dogi. (Foto: cadeidogi.it)Gut gehütet: Die prachtvollen Gärten Venedigs verstecken sich hinter schlichten Fassaden wie der des Hotels Ca Dei Dogi. (Foto: cadeidogi.it)

Efeu kämpft sich über bröckelnde Mauern, Blauregen ergießt sich über weißen Putz, ein Granatapfelbaum strebt aus dem Häuserschatten: Pflanzen haben es nicht leicht in Venedig, der Stadt aus Stein inmitten einer Salzwasser-Lagune. Und leicht sind florale Kunstwerke der vergangenen Jahrhunderte auch nicht zu erkunden. Eifersüchtig gehütet von den Venezianern und umgeben von Hinterhofmauern: Venedigs schönste Gärten sind meist privat - und damit unzugänglich.

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Die meisten Gärten sind privat: Zutritt verboten

"Wollen Sie etwa jeden Tag Leute in Ihrem Garten haben?", sagt Chiara leicht entrüstet. Die 26-Jährige führt ihre Gäste auf einem "Venezianische Gärten"-Rundgang durch den Westen der Stadt und dämpft sogleich die Hoffnungen auf Einblicke hinter private Mauern. Immerhin kann die Studentin ihren Gästen zwei Grünanlagen hinter einem Amt und einem Hotel zugänglich machen: am Ca' Cappello im Stadtteil St. Croce und am Palazzo Rizzo-Patarol in Cannaregio.

Hinter strengem Bau verbirgt sich ein romantischer Garten

Vor der rosa-weißen Front des Hauses Cappello am Rio Marin hängen die Fahnen Europas und Italiens schlapp herunter. Der Palazzo, erbaut im 16. Jahrhundert, beherbergt heute eine Dependance der Kulturbehörde. Hinter dem eher strengem Bau ringen muskulöse Paare aus Stein miteinander, blicken die Büsten der Kaiser Claudio, Nero und Cäsar ernst auf Limonen- und Orangenbäumchen. Dichtes Efeugrün überwuchert Statuen, die wie hingerafft auf dem Boden liegen. Typisch venezianisch ist die Unterteilung der Anlage durch ein geschwungenes Eisentor in einen gepflasterten Teil - früher mit einem Zisternenbrunnen - und einen romantischen, scheinbar verwilderten Grünbereich. Restaurateure haben 2000 den Renaissance-Stil des 16. Jahrhunderts wieder hergestellt und dabei Rücksicht auf einen Roman genommen: Literaturkenner finden zwischen Absinth-Pflanzen und kopflosen Statuen den Schauplatz einer Fiktion des umstrittenen Schriftstellers Gabriele D'Annunzio wieder. In "Il Fuoco" (1900) offenbarte er seine Beziehung zu Eleanora Duse, einer der damals international berühmtesten Schauspielerinnen.

Meditationsraum der Freimaurer

Auch der erst vor vier Jahren restaurierte Garten des Fünf-Sterne-Hotels Dei Dogi im Palazzo Rizzo-Patarol birgt Geheimnisse: Der verschlungene Kiesweg führt vorbei an Rosen- und Hortensien-Beeten, an einer Madonnenstatue, an einer chinesischen Brücke und an einem kleinen Wasserfall zu einem höhlenartigen Raum unter der Erde. "Für die Freimaurer des 19. Jahrhunderts war dies ein Ort der Meditation", erklärt Chiara. Als botanischer Garten war die kleine Anlage im 18. und 19. Jahrhundert weithin bekannt. Auch der Kaiser von Österreich besuchte die Rabatten, die als Erste in Europa nach der Nomenklatur des Schweden Carl von Linné geordnet waren. Heute logiert in der Suite am Gartenende mit Zugang zur Lagune eher der Geldadel, der sich Preise von bis zu 2000 Euro pro Nacht leisten kann.

Lust auf Urlaub?

Private Oasen bleiben verborgen

Der kleine Rundgang in die Historie der venezianischen Gartenkultur ist vorbei, als die Tür des Hotels hinter den Besuchern zufällt, Chiara zum Abschied winkt und noch einen Tipp gibt: Nur wenige Schritte entfernt vom Dei Dogei liegt der Parco Villa Groggia an der Westspitze von Cannaregio. Die schlichte Grünanlage mit Zypressen und Palmen ist auch ohne Führung zugänglich, ebenso die großen Stadtparks und so mancher bepflanzte Kloster- und Museumshof. Nicht gerade liebevoll gepflegt, sind sie doch die grünen Lungen der Stadt im Meer. Von den privaten Oasen, verborgen hinter Stein und Eisentoren bleibt nur die Gewissheit, dass es sie geben muss. Eine Ahnung vom Ehrgeiz der venezianischen Gärtner geben grüne Baumwipfel, die sich üppig über hohe Mauern mit Steinputten recken. Oder auch die sorgfältig im Stil des Barock angelegten Rosenrabatten, die auf einer Vaporetto-Fahrt auf dem Canal Grande zu erspähen sind.

Stadtrundgang:

"Gardens of Venice (Venezianische Gärten)". Treffpunkt P.le Roma, Eingang Giardini Papadopoli. Bis 31. März dienstags um 11 Uhr auf Englisch, Tickets für 20 Euro, ermäßigt 10 Euro beim Führer oder bei den Touristenbüros. Auf dem kleinen Rundgang werden lediglich zwei Gärten gezeigt. Information zu den Terminen im Internet. (www.turismovenzia.it).

Buchtipp:

Mariagrazia Dammicco, Marianne Majerus: "Die geheimen Gärten von Venedig". Dva, 176 Seiten, 49,90 Euro (enthält eine Adressenliste der auch für Touristen zugänglichen Hotel-, Kloster- und Museumsgärten).

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das jüdische Ghetto Venedigs

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