Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reiseziele >

Finnland: Urlaub im Bullerbü-Haus am See

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Finnland  

Urlaub im Bullerbü-Haus am See

01.02.2012, 17:46 Uhr | dpa-tmn

Finnland: Urlaub im Bullerbü-Haus am See. Typisch Finnland: ein Bullerbü-Haus aus Holz mit weißen Fenstern. (Quelle: imago)

Typisch Finnland: ein Bullerbü-Haus aus Holz mit weißen Fenstern. (Quelle: imago)

Regen, Wind, elf Grad. Und das im Hochsommer? Na prima. Der letzte Außenposten mit Supermarkt heißt Viitasaari, ein Dorf in Mittel-Finnland. Hier wird noch einmal ein Großeinkauf getätigt, dann geht es 38 Kilometer weiter in Richtung Einsamkeit. Erst auf der Europastraße, dann abbiegen auf eine schmale Landstraße, rechts und links nur Nadelwald, ab und an ein See und ein Haus. Wieder abbiegen, diesmal auf eine Schotterpiste, kaum Häuser, kein Gegenverkehr. Erneut einschwenken, nun auf einen Feldweg, Schlaglöcher im Schritttempo umkurven, dann kommt das Ziel in Sicht: ein Bullerbü-Haus aus Holz, rot mit weißen Fenstern, auf einem sattgrünen Hang mit Birken. Im Hintergrund schimmert blau der See.

Komplette Stille mit Blick auf den See

So oder so ähnlich beginnt für viele Deutsche der Sommerurlaub in Finnland, der keineswegs immer von Regen und elf Grad geprägt ist. Auch 38 Kilometer entfernt von Viitasaari scheint bald am Himmel ein wenig Blau zwischen den Wolken durch, der Regen hat aufgehört, der Wind auch. Gut so, los geht's: Auspacken, Vorräte einräumen, die Hängematte zwischen zwei Birken aufspannen, einsteigen und dann: genießen. Den Blick auf den See, den Duft von frisch gemähtem Gras und die Stille. Augen schließen und nach innen horchen - wohlig glucksen da die Gefühle: Glück, Freiheit, Leichtigkeit. Wenn der Mensch die Zeit anhalten könnte, jetzt wäre so ein Moment!

Luxus für die Seele

In Finnland, im Ferienhaus am See, bleibt die Zeit zwar nicht stehen, aber sie fließt langsamer - zumindest fühlt es sich so an. Das liegt wohl daran, dass für zwei Wochen der Alltag ausgeblendet bleibt. Keine Termine, keine Hektik, weder E-Mails noch Verkehrslärm, keine Nachbarn und keine Nachrichten. Das ist Luxus für die Seele. Luxus im klassischen Sinne bietet die Blockhütte nicht. Strom gibt es, Telefon, Fernsehen und Internet dagegen nicht. Selbst das Handy funktioniert nur auf einer Anhöhe. Der E-Herd in der Küche hat zwei Platten, Kühlschrank und Kaffeemaschine sind die einzigen weiteren Elektrogeräte. Trinkwasser muss mit Eimern aus dem Brunnen gekurbelt und 50 Meter zum Haus geschleppt werden. Das Klo ist ein separater Bretterverschlag von rustikaler Gemütlichkeit: ein Donnerbalken mit Styropor-Toilettenbrille, daneben finnische Frauenzeitschriften. Für alle Fälle steht ein Spray bereit, mit Zitronenduft.

Finnen sind Naturburschen

Der Urlaubsalltag plätschert dahin wie die Wellen am Seeufer. Ausflüge lohnen kaum, denn die Dörfer und Städte der Umgebung sind arm an Kultur und Sehenswürdigkeiten. Außerdem funktioniert das öffentliche Leben im Hochsommer wochenlang nur im Notbetrieb. Denn ein Großteil der 5,3 Millionen Finnen sucht ebenfalls den Abstand zum Alltag und flüchtet ins mökki, das Ferienhaus am See. Fast jeder noch so technikverliebte Großstadtfinne ist insgeheim ein Naturbursche.

Fischen, Feuer machen wandern

Der Urlauber macht es also wie die Einheimischen: Er rudert auf dem See, angelt Hechte, Zander oder Barsche, schürt Lagerfeuer und grillt den Fang, oder er erkundet den Wald hinter seiner Hütte. Der ist urig, sumpfig und moosig, mit flechtenbewachsenen, uralten Granitbrocken. Alte Bäume gibt es kaum: Die Forstwirtschaft, im strukturschwachen Mittel-Finnland einer der wichtigsten Arbeitgeber, hat fast alle alten Wälder schon einmal mit ihren hocheffizienten Erntemaschinen platt gemacht und neu aufgeforstet. Übrig bleibt nach so einer Aktion eine traurige Kraterlandschaft. So führen durch die Wälder auch keine markierten Wanderpfade, sondern breite Forstwege - oder schmale Wildpfade. Zwischen Kiefern, Birken und Wacholderbüschen stromern hier auch Elche und Bären herum. Die Könige des Nordischen Waldes lassen sich am besten in der Dämmerung sichten, Meister Petz zeigt sich dagegen nie. Das ist vielleicht auch besser so. Mächtige Tatzenabdrücke verraten seine Gegenwart und erhöhen bei jedem Spaziergang ein wenig die Spannung.

Ein Schwitzbad am Abend

Krönung jedes zweiten Ferientages ist das Schwitzbad am Abend. Schon als Kleinkinder gehen die Finnen mindestens einmal wöchentlich in die Sauna, und diese Tradition lernt jeder Urlauber schnell lieben. Im Saunahaus, das auf einer winzigen Halbinsel im See steht, wollen zwei Öfen mit Birken- und Kiefernholzscheiten gefüttert werden: Einer wärmt die Saunasteine und damit die Luft, der andere einen Tank voller Seewasser für die Wäsche. Ist der Raum auf 80 Grad geheizt, geht es los. Saunaregeln wie in einem deutschen Fitnessclub darf man in Finnland getrost vergessen - erlaubt ist, was gefällt. Schweiß aufs Holz - na und? Wird alles nachher weggeschrubbt. Aufguss nur zur vollen Stunde? Warum das denn? Hier schaufelt man den löyly - so nennen die Finnen den Aufguss - minütlich auf die heißen Steine. Und nicht nur auf die: Auch der Saunagänger darf sich kühles Seewasser über den Kopf schütten. Und wenn er zur Abkühlung auf der Saunabank ein Bier öffnet, stört auch das niemanden. Selbst die saunamakkara, eine fettig-knackige Wurst für zwischendurch, gart - in Alufolie gewickelt - auf den heißen Steinen. Die einzige Saunaregel, mit der die Finnen es streng nehmen, ist die Geschlechtertrennung: Außer im engsten Familienkreis schwitzen Männer und Frauen separat.

Wellness-Experiment nach Finnentradition

Nach ein paar Schwimmzügen im See geht es in den Ruheraum oder wieder in die Schwitzbude. Dort liegen Ruten aus frischen Birkenzweigen für ein Wellness-Experiment nach Finnentradition bereit: das Auspeitschen. Schwungvoll, doch nicht allzu fest, schlägt man sich auf Rücken, Beine und Brust. Das fördert die Durchblutung.

Durch Sommernächte tanzen

Die Sommernächte im Norden sind manchmal so lau, dass man noch lange auf dem Holzsteg sitzt und zusieht, wie die Sonne die wenigen Wolken pink, orange und karminrot färbt und dann, begleitet vom Tanz der Mücken, gegen Mitternacht hinter dem Waldsaum verschwindet. Auf der anderen Seeseite ist noch Leben: Kinder hüpfen von einem Steg ins Wasser, immer wieder. Könnte man Finnisch, könnte man jedes ihrer Worte verstehen. Dann gehen auch sie, und es herrscht Stille - magische Stille, nur kurz unterbrochen von einem Schwan, der seine Klagerufe über den Kolima-See schickt. Am Nordufer des Sees tanzen die Finnen durch die Sommernächte. In der tanssilava, einer Tanzdiele, sind die Besucher aufgekratzt, beschwingt und zum Teil auch beschwipst. Auf der Bühne im Saal spielt eine Band. Die Sängerin, blondiert und an die 60, singt von Herzschmerz und leidenschaftlichen Küssen im Mondlicht. Herrenwahl, Damenwahl: Die Tanzfläche ist immer voll, die Schritte sitzen. Jeder Finne auf dem Land muss das Tanzen beherrschen, genauso wie das Fische-Räuchern oder den Umgang mit der Motorsäge.

Tango: Finnischer Nationaltanz

Auf der Panoramaterrasse steht neben der Bar die Karaoke-Anlage. Ein Freiwilliger findet sich immer, fast niemand singt schief. Nach jedem Song gibt es Beifall, je später der Abend, desto lauter das Bravo. Finnen gelten als trinkfest. Dieses Klischee bestätigen einige der Besucher. "Der Sommer bei uns ist so schön. Da gönnen wir uns ab und zu einen kleinen Rausch. Es sind ja Ferien", sagt ein Mittvierziger in Trainingsjacke. Im Tanzsaal spielt die Band jetzt finnischen Tango, den finnischen Nationaltanz. Manche Augenpaare sind glasig, die Tanzschritte aber noch akkurat. Endlose Akkordeon-Tonleitern in Moll, triefende Geigensoli, traurige Texte - kurz vor Torschluss um 2:00 Uhr am Morgen liegt die sprichwörtliche finnische Melancholie in der Luft. Als das Tanzlokal schließt, schlendern etliche Gäste hinunter zum Strand, schieben ihre Boote in den See, starten den Außenborder und fahren in ihr Ferienhaus. Im Osten kündigt sich schon der neue Tag an.

Weitere Informationen Finnland ist etwas kleiner als Deutschland und mit 5,3 Millionen Einwohnern dünn besiedelt. Pro Quadratkilometer leben im Schnitt 15 Finnen - 229 sind es in Deutschland. 68 Prozent Finnlands sind von Wald bedeckt, die Seen machen ein Zehntel der Fläche aus.
Anreise: Am besten mit Auto und Schiff. Fähren fahren von Rostock und Lübeck nach Finnland, weitere Verbindungen bestehen von Schweden und Estland aus. Auch die Anreise per Flugzeug nach Helsinki und die Weiterfahrt per Mietwagen ist möglich.
Reisezeit: Anfang Juni bis Mitte Oktober.
Währung: In Finnland wird mit dem Euro bezahlt.
Zeitverschiebung: Zeit in Deutschland plus eine Stunde.
Ferienhäuser: Meist liegen sie in dünn besiedelten Gegenden, fast immer an einem See. Ruderboot und Sauna gehören zur Ausstattung. Gerechnet werden muss mit Mietpreisen ab etwa 300 Euro pro Woche.
Sprachen: Finnisch und Schwedisch. Viele Finnen sprechen gut Englisch.
Internet: www.visitfinland.de


Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal