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Eis und heiß  

Im Reich der blauen Riesen in Grönland

23.04.2014, 16:24 Uhr | Bernd F. Meier, dpa-tmn

Im Reich der blauen Riesen in Grönland. Frostiges Naturschauspiel: In den Fjorden treiben Eisberge und Trümmer von den kalbenden Gletschern der Umgebung. (Quelle: Air Greenland)

Frostiges Naturschauspiel: In den Fjorden treiben Eisberge und Trümmer von den kalbenden Gletschern der Umgebung. (Quelle: Air Greenland)

Die meisten Grönland-Urlauber besuchen die Diskobucht. Doch auch Südgrönland hat einiges zu bieten: Vor allem Naturliebhaber und Wanderer kommen auf ihre Kosten. Geschichtsfans finden Spuren der Wikinger und US Air Force. Ein paar Eindrücke aus Grönland präsentieren wir Ihnen auch in unserer Foto-Show.

Mit Tempo 30 pflügt das kleine Taxiboot von Qaqortoq aus durch das Wasser. Konzentriert umkurvt Anguteerak H¢egh-Olsen kleine Eisschollen und dahindümpelnde Eisberge. Blaue, kalte Riesen sind es, getrieben von Wellen, Wind und Wasserströmungen. Einige ragen turmhoch auf, andere haben die Form von Supertankern. Das Ziel der Besucher an Bord des Taxibootes ist die Schafsfarm Ipiutaq, wo die Französin Agathe Devisme lebt. Urlauber kommen in den grünen Flecken am Eriksfjord, um fernab von Stress und Lärm auszuspannen. Seit 2007 heißen die Farmer Gäste willkommen. "Wir sind die einzige Schafsfarm in Südgrönland mit einem Gästehaus", erzählt Agathe Devisme beim Rundgang über das sechs Hektar große Wiesenland auf halber Strecke zwischen Narsaq und Narsarsuaq.

Urlaub fernab der Zivilisation

Vor etwas mehr als zehn Jahren kam die Architektin aus der Region Paris zum ersten Mal nach Grönland - und blieb. Denn im landwirtschaftlichen Versuchs- und Schulzentrum Upernaviarsuk lernte sie ihren Mann kennen, den Inuit Kalista Poulsen. Das Paar übernahm 2005 die leerstehende Schaffarm Ipiutaq und leistete dort echte Pionierarbeit. "Im ersten Winter hatten wir noch keinen Strom, wir haben bei Kerzenlicht gelebt", erinnert sich die Farmersfrau. Was auf den ersten Blick romantisch sein mag, war für die Beiden harte Arbeit: Monatelanges Schuften, um den Bauernhof wieder zu neuem Leben zu erwecken.

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Inzwischen halten die Farmer 300 Schafe, die während des Sommers in der Bergwildnis leben. Neben ihrem eigenen Heim wurde ein Ferienhaus für acht Urlauber ausgebaut, als gemütliche Bleibe für Wanderer und Angler. "Die Gäste gehen im nahen Iluasee fischen, der ist reich an Saibling", sagt Gastgeberin Devisme. Wanderer durchstreifen bei Tagestouren den Gebirgszug Narsaqhalvh¢en, dessen felsige Gipfel um die 700 Meter aufragen. Auf der Schaffarm am Eriksfjord versorgen sich die Urlauber tagsüber selbst. Agathe Devisme hat zuvor alles Notwendige aus dem 20 Kilometer entfernten Narsaq besorgt. Und am Abend? Da bietet die sympathische Farmersfrau feine französisch-grönländische Fusionsküche, wie sie es nennt. Auf der Karte stehen beispielsweise Rentier mit wildem Sauerampfer oder auch französische Bouillabaisse mit grönländischem Saibling.

Perfekt für Wanderungen, Kajaktouren und Ausflüge

Im Vergleich zur Ruhe von Ipiutaq herrscht im 60 Kilometer entfernten Qaqortoq quirliges Stadtleben. Es gibt Supermärkte, ein Hotel, das Seemannsheim, die Jugendherberge, den Fisch- und Gemüsemarkt, einen Hubschrauberlandeplatz, zehn Kilometer Straßen und viele farbige Häuser. Am steilen Berghang über dem Hafen sind sie aufgestellt wie die Zuschauerränge eines antiken Theaters. Qaqortoq ist Startplatz für Wanderungen, Kajaktouren und Ausflüge. Jeden Freitag legt ein Boot ab zur Tour ins 70 Kilometer entfernte Uunartoq - ein heißer Ort im subarktischen Klima. Mit 38 Grad Celsius blubbert das Wasser der geothermischen Quelle geheimnisvoll aus dem Untergrund. Während im Fjord die Eisberge majestätisch vorübergleiten, tauchen so manche Urlauber minutenlang in die warmen Fluten des kreisrunden Sees ein.

Individualtouristen haben das grüne Land um Qaqortoq als Reiseziel entdeckt. Pauschalurlauber besuchen zumeist den 1000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Ilulissat-Eisfjord mit dem Sermeq Kujalleq an der Diskobucht. Der seit 2004 zum Unesco-Weltnaturerbe zählende Gletscher gilt als einer der Aktivsten der Erde: Im Sommer lösen sich riesige Eisberge von der sieben Kilometer breiten Gletscherwand, manche messen Hunderte Meter. Südgrönland punktet hingegen mit uralter und neuerer Geschichte - von den Wikingern bis zur amerikanischen Luftwaffe.

Auf den Spuren der US Air Force

Wer auf dem Flughafen Narsarsuaq landet, kann auch heute noch die Spuren des ehemaligen Luftwaffenstützpunktes Blue West 1 der US Air Force erkennen. Manche der Bauten am Eriksfjord aus der Zeit zwischen 1941 und 1958 ähneln noch Kasernengebäuden. Das Museum zeigt die Geschichte der Basis auf, auf der während der Berliner Luftbrücke 1948/1949 Flugzeuge mit Hilfsgütern aus den USA zwischenlandeten.

Von Narsarsuaq aus geht es mit dem Schnellboot in wenigen Minuten auf eine Zeitreise zu den Wikingern. Jenseits des Fjordes siedelte der Überlieferung nach der Seefahrer und Entdecker Erik der Rote um das Jahr 985 von Island kommend. Mauerreste zwischen den Schafweiden der heutigen Siedlung Qassiarsuk zeugen von der großen Geschichte. Um das Jahr 1000 soll hier die erste christliche Kirche Grönlands erbaut worden sein, ihr Nachbau steht auf steilem Abhang über dem Fjord.

Weitere Informationen

Anreise nach Südgrönland: Mit dem Flugzeug von Deutschland über Kopenhagen zu den internationalen Flughäfen Kangerlussuaq oder Narsasuaq. Von Narsasuaq mit dem Hubschrauber bis Qaqortoq.
Reisezeit: Juni bis Ende September. Hochsaison Juli/August. In den Sommermonaten ist es rund um die Uhr hell. Die Temperaturen schwanken zwischen 8 und 20 Grad Celsius. Wetterfeste Bekleidung mit Anorak, Mütze und Handschuhe gehört ins Reisegepäck.
Sprache: Inuit, die Zweitsprache ist Dänisch, dahinter rangiert Englisch.
Währung: Dänische Krone. Meist kann man Kreditkarten bezahlen, in den größeren Orten gibt es Geldautomaten.
Noch mehr Infos: Visit Greenland, Strandgade 91, 2. sal, DK 1010 Kopenhagen (Tel.: 0045/32 83 38 80, E-Mail: info@greenland.com, www.greenland.com). Qaqortoq Tourist Service, Vatikanbakken 68, GR 3920 Qaqortoq (Tel.: 00299/6424 44, E-Mail: info@qaqtourist.gl, www.sagalands.com).

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