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Island: Roadtrip für wetterfeste Abenteurer

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Island im Frühling  

Roadtrip für wetterfeste Abenteurer

06.03.2015, 13:48 Uhr | Norbert Eisele-Hein/srt

Island: Roadtrip für wetterfeste Abenteurer. Der Goðafoss-Wasserfall ist einer der bekanntesten Islands. (Quelle: N. Eisele-Hei)

Der Goðafoss-Wasserfall ist einer der bekanntesten Islands. (Quelle: N. Eisele-Hei)

Jetzt kehrt die Sonne zurück und taucht grandiose Landschaften in ein magisches Licht - wir präsentieren Ihnen eine skurrile Rundreise zum Polarkreis. Schauen Sie sich Impressionen aus Island auch in unserer Foto-Show an.

"Jetzt nach Island? Hast du sie noch alle? Da frierst du dir nur den Hintern ab und außerdem ist es doch dauernd finster." Oh je, all die Vorurteile scheinen sich auf den ersten Kilometern zu bestätigen. Bei der Landung in Keflavik war der Himmel wenigstens noch bleigrau. Doch jetzt lastet auf der nahen Hauptstadt Reykjavik eine schwarze Wolke. Schon peitschen apokalyptische Böen über die Autobahn. Massiver Eisregen klatscht lautstark auf die Frontscheibe. Doch urplötzlich löst sich der Spuk auf. Schwarz weicht lila, die Wolken verflüchtigen sich und hinterlassen intensives Blau.

Das wird kein Rimini-Urlaub

Mit eingezogenen Schultern und hochgeschlagenem Kragen arbeite ich mich gegen einen fiesen Wind hoch zur berühmten Hallgrims-Kirche. Vor der Kirche thront Leifur Eriksson auf einem stilisierten Schiffsbug. Hand am Schwert, den Blick in die Ferne gerichtet, so segelte der Entdecker schon um das Jahr 1000 nach Nordamerika. Er hatte keine Ahnung was kommen würde - und auch mir ist jetzt schon klar, dass das hier kein Rimini-Urlaub wird. Von der Kirche führt die Skolavördustigur bergab in ein Dreieck aus schicken und schrägen Cafés, Kneipen und Designershops.

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Einer geht noch

Schon am frühen Abend klackern die ersten Highheels über das Kopfsteinpflaster. Der Damenwelt scheint die Temperatur egal zu sein. Kurze Röckchen und Abendgarderobe - von wegen Daunenjacken und Moonboots. Heute ist Freitag und da steppt in Reykjavik der Bär. Bereits angeschlagen laufe ich zurück zur Bar des "Hotel Marina". Der Dress-Code ist gehoben. Der DJ hat die Beats im Griff. Ein Absacker geht noch. Schon hakt sich eine Schöne unter. "Wo bist du her, komm setz dich zu uns". Direkt werden die Gläser gefüllt. Nicht schlecht. Von wegen frostiger Außenposten am Polarkreis. Die Preise für Alkohol schrammen zwar an der Schmerzgrenze, aber die Mädels lassen ordentlich die Korken knallen. Die Finanzkrise scheint überwunden zu sein. 

Das heiße Wasser der "Blauen Lagune"

Leicht verkatert dümple ich tags darauf im wohltuenden Heißwasser der "Blauen Lagune". Inmitten von schwarzen Lavabergen und dunkelgrünen Moosteppichen sorgt der hellblaue See des noblen Designerbads für einen bizarren Kontrast. Auf der Ringroad Nummer 1, der Hauptverkehrsader Islands, fahre ich weiter entlang der Südküste. Nach der Hauptstadt eröffnet sich schlagartig die Wildnis Islands. Nach kilometerlangem Nichts bei diffuser Polarnacht-Funzel strahlen die Scheinwerfer unvermittelt auf gelbe Körbchen in DD. Kurz vor Hella hat ein zünftiger Farmer mit seiner Trophäensammlung aus Büstenhaltern die Zaunpfosten seiner Pferdeweiden dekoriert. 

Nächster Stopp - Seljalandsfoss. Foss heißt auf Isländisch Wasserfall und der bei Seljaland ist ein echter Knüller. Eine bizarre Kulisse, der kalte Sprühnebel hat jeden einzelnen Grashalm ringsherum schockgefrostet. Ein gefährlich, gefrorener Steig führt hinter den breiten Wasserschleier. Dort treffe ich auf Naoko und Yoko aus Japan. Händchen haltend tasten sich die beiden vorwärts. "Wir liegen jede Nacht wach und beobachten die Nordlichter", erzählen sie heftig zähneklappernd. "Das steigert die Fruchtbarkeit und sorgt für besonders süße Babies", kichern sie. Zum Abschied nötigen sie mich zu einem Gruppenbild. 

Allein wie im Horrorfilm

Meine Nächte in den Farmhotels laufen komplett anders ab. In den riesigen Bauernhöfen mit zig Zimmern bin ich fast immer mutterseelenallein. Die Farmer drücken mir den Schlüssel in die Hand, knipsen die Sauna an, zeigen mir, wo Kaffee und Müsli für das Frühstück steht und brausen davon in ihr Winterdomizil. Was, wenn die Saunatür nicht mehr aufgeht, ich auf der Seife ausrutsche? Alleine auf riesigen Gutshöfen denkt man leider nicht an Tim und Struppi, sondern greift gerne in die Horrorschublade: Anthony Perkins in Hitchcocks "Psycho" als Frau verkleidet hinter dem Duschvorhang oder Jack Nicholson in Kubricks "Shining".

Zum Glück sind die Mietwagen auf Island im Winter mit Spikesreifen ausgerüstet. Damit fahre ich selbst auf spiegelglatten Eispisten wie angenagelt. Die Wolkenschleier hängen tief. Die Landschaft wirkt wild und verwunschen. Wahrlich kein Wunder, dass laut Umfragen immer noch 80 Prozent aller Isländer an Trolle und Elfen glauben. Es gibt sogar eine Ministeriumsbeauftragte, die schon mal den Bau einer Straße stoppt, wenn sich Trolle dabei gestört fühlen könnten. Schräg - nur, warum wundert mich das nicht? 

Unwirklich wirkende Natur

Nach Nupstadur wirkt die Szenerie fast schon unwirklich. Linker Hand rückt der Vatnajökull, der größte Gletscher Europas, immer näher. Bei Jökulsarlon walzt eine Skyline aus haushohen Eisklötzen direkt auf die Ringroad zu. An dieser Location gibt sich Hollywood die Klinke in die Hand. Auch Pierce Brosnan alias "James Bond" driftete hier für "Stirb an einem anderen Tag" schon über das Eis. Nach tagelanger Dunkelheit kämpft sich endlich mal die Sonne durch. Strahlt golden durch Gartenhaus große Eiswürfel, die von der aufkommenden Flut gerade an den schwarzen Lavastrand gespült wurden. Als kleiner, zerbrechlicher Mensch fühlst du dich hier wie ein Stück Eis in einem überdimensionalen Bourbon on the rocks. Eine berauschende Perspektive. Meine bucket list ist um einen fetten Haken reicher. Leider dreht die Sonne schon wieder ab. Der aufkommende Fallwind scheint im Stande, Bartstoppeln zu entwurzeln. Tja, das isländische Wetterglück um diese Jahreszeit ist kurz und erfordert Thermo-Unterwäsche. Dafür feiern die Glückshormone regelmäßig ein überschwängliches Wikinger-Gelage. Und feiern können die Wikinger, egal bei welchem Wetter. 

Weitere Informationen: 
Isländisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurter Str. 181, 63263 Neu-Isenburg, Tel. 06102/254 484, www.visiticeland.com, versendet kostenlos Broschüren und Kartenmaterial. Die Ringroad Nummer 1 umrundet ganz Island und ist mittlerweile fast durchgehend asphaltiert. Im Winter sind Mietwagen mit Spikesreifen ausgerüstet. 
Klima: Die Wetterlage auf Island kann stündlich wechseln, aber ab Mitte März strahlt die Sonne schon wieder etliche Stunden und bezaubert mit magischen Lichtverhältnissen. Aufgrund der Warmwasserströmung im Süden hält sich die Schneemenge an der Küste meist in Grenzen. 
Ortszeit: Mitteleuropäische Zeit (MEZ) -1 Stunde, während der europäischen Sommerzeit beträgt der Zeitunterschied -2 Stunden. 
Währung ist die isländische Krone (ISK), ein Euro entspricht 164,23 ISK. Geld erst auf Island tauschen (wesentlich günstiger). EC- und Kreditkarte werden überall akzeptiert. Die Isländer zahlen sogar Kleinstbeträge mit Plastik. 

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