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Auf den Spuren von Lenin in Lettland

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Nord-Lettland  

Auf Lenins Spuren in Lettland

28.08.2015, 15:16 Uhr | Bärbel Schwertfeger/srt

Auf den Spuren von Lenin in Lettland. Cesis Lenin in der Holzkiste im Schlosspark. (Quelle: B. Schwertfeger/srt)

Cesis Lenin in der Holzkiste im Schlosspark. (Quelle: B. Schwertfeger/srt)

Der Gauja Nationalpark in Lettland bietet nicht nur grandiose Naturlandschaften, sondern auch skurrile Relikte aus der langen Zeit der sowjetischen Besatzung. Schauen Sie sich diese Überbleibsel auch in unserer Foto-Show an.

Die Straße führt durch einsame Wälder, bevor sie vor einem grauen Gebäudekomplex endet. Im Innern kahle Gänge, Männer mit leeren Gesichtern und Krücken. Das Ligatne Rehabilitationszentrum wirkt wie aus der Zeit gefallen. Dass sich heute Besucher hierher verirren, liegt an seinem Geheimnis unter der Erde. In neun Metern Tiefe wurde hier von 1970 bis 1982 Lettlands geheimster Bunker gebaut. 75 Kilometer nördlich der Hauptstadt Riga im Gauja Nationalpark und in der Nähe von Ligatne, einst die Arbeitersiedlung einer großen Papierfabrik, sollte die Elite der politischen und staatlichen Nomenklatura (Verzeichnis aller Führungspositionen) des Landes Zuflucht bei einem feindlichen Atomangriff finden. Eine fünf Meter dicke Betondecke sollte die 250 wichtigsten Männer schützen. Frauen und Familien gehörten nicht dazu. 

Alle Fäden liefen hier zusammen

Vor dem Eingang in die schmalen Gänge mit ihren 96 Zimmern prangt ein Zitat von Lenin an der Wand: "Schütze die Verteidigung deines Staates wie deinen Augapfel", übersetzt Oskar, der die Besucher durch das 2000 Quadratmeter große unterirdische Verließ führt. Es gibt Räume mit Original-Abhörgeräten, Fernschreibern und roten Telefonen ohne Tasten, mit denen man nur Anrufe entgegen nehmen konnte. In einem Zimmer hängen Flaggen neben einer Leninbüste, ein anderes zeigt Landkarten mit Angriffsrouten und Fluchtwegen sowie Tafeln, auf denen die Zahl der in den Städten verfügbaren Gasmasken notiert ist. "Hier saßen fünf Mitarbeiter neun Jahre lang 24 Stunden am Tag und starten auf die roten Lämpchen", erzählt Oskar im ehemaligen Kontrollraum. Denn sobald irgendetwas in Lettland passierte - ein Feuer, ein Unglück - musste das erste Signal hierher gesendet werden. "Aber offiziell ist in der Sowjetunion nie was passiert", versichert Oskar augenzwinkernd. Drei Monate sollten die Auserwählten im Notfall hier Überleben können. 

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So skurril der Bunker heute wirkt, die sowjetische Besatzung Lettlands hat bis heute ihre Spuren hinterlassen. Im Juni 1940 okkupierten die Sowjets das Land zum ersten Mal, von 1941 bis 1944 folgte die Schreckensherrschaft der Nazis. Sie wurde abgelöst von der zweiten sowjetischen Besatzung bis zur Unabhängigkeit Lettlands im Jahr 1991. Die Bevölkerung litt unter Massendeportationen nach Sibirien, Folter und der Russifizierung des Landes. 

Lenin-Statue liegt in einer Kiste

In Cesis hat man die Geschichte auf eigene Weise aufgearbeitet: Die monumentale Lenin-Statue wurde vom Sockel gestürzt und in eine große Holzkiste verfrachtet. Heute liegt der russische Revolutionär mit geballter Faust in seinem Verschlag im Schlosspark neben der Ritterburg, deren Ursprünge bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts zurückgehen. Bis zum 16. Jahrhundert war hier der Sitz des Deutschen Ordens, viele Jahre geleitet von dem berühmten Ordensmeister Wolter von Plettenberg. Jahrhunderte lang galt die Burg als uneinnehmbar. Als sie 1577 von den Truppen Ivans des Schrecklichen bedroht wurde, sprengten sich die Bewohner in die Luft. 

Mit seinen verwinkelten Gassen, den liebevoll restaurierten Backsteinhäusern und der gotischen Johanneskirche gehört Cesis zu den schönsten mittelalterlichen Städten Lettlands. Seine einstige Bedeutung verdankte sie ihrer Lage an der Gauja. Denn der mit 452 Kilometer längste Fluss Lettlands war einst ein wichtiger Handelsweg, an dessen Ufern sich die Siedlungen und Burgen reihten. Heute ist der 1973 eröffnete Gauja Nationalpark mit seinem tief in rötlichen Sandstein eingegrabenen Flussbett, seinen Klippen, Höhlen und seiner unberührten Natur ein beliebtes Ziel bei Wanderern, Kanufahrern und Reitern. 

Leckere Hausmannskost in gemütlichem Ambiente

Nicht weit davon entfernt liegt das bei Naturfreunden beliebte Landhotel Karlamuiza. Im 18. Jahrhundert kaufte Carl Eberhard von Sievers das Gut Karlsruhe, baute es aus und errichtete einen großen Landschaftspark. Nach 1905 wurde das Landgut mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Erst vor ein paar Jahren eröffnete die Lettin Baiba Stepina im ehemaligen Gesindehaus ein gemütliches Hotel. Vor dem Haus nisten die Störche, im kleinen Weiher quaken die Frösche und abends wird lettische Hausmannskost serviert. Ihre Gäste schätzen die ländliche Idylle, die Ruhe und die zentrale Lage, nur wenige Kilometer von Cesis und Sigulda entfernt. 

Die 40 Kilometer von Riga entfernte Kleinstadt ist das Tor zum Gauja Nationalpark und der Ort mit der größten Burgendichte im näheren Umfeld. Dazu gehören die Burgruine des Schwertbrüderordens und das neue Schloss, die rekonstruierte Bischofsburg Turaida mit ihrem runden Backsteinturm und die im Wald versteckt liegenden Ruinen der Domkapitelsburg. Auf dem anderen Ufer thront hoch über der Gauja das im klassizistischen Stil erbaute Schloss Krimulda, in dem heute ein Hotel und ein Rehabilitationszentrum untergebracht ist. Den besten Blick über das Flusstal hat man von der Gondelbahn, die beide Ufer verbindet. Gebaut wurde die einzige Seilbahn des Baltikums 1969 mit Hilfe des damaligen sowjetischen Bruderstaates Georgien. 

Weitere Informationen: 

Sowjetbunker: Gruppenführungen (mindestens zehn Personen) auf Englisch gibt es am Samstag und Sonntag. Kosten: 11,50 Euro. Kleinere Gruppen zahlen insgesamt 95 Euro. Reservierung notwendig. www.bunkurs.lv/en/ 
Informationen: Fremdenverkehrsamt Lettland, Brivibas iela 55, 1519, Riga, Tel. 00371 67229945, www.latvia.travel oder www.entergauja.com (bei beiden Seiten gibt es auch eine deutsche Version). 

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