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Donaudelta in Rumänien

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Donaudelta in Rumänien  

Eine Reise in die Vergangenheit

02.09.2015, 14:48 Uhr | Rasso Knoller/srt

Donaudelta in Rumänien. Wer das Delta bereist, ist mitten in der Natur. (Quelle: Rasso Knoller/srt)

Wer das Delta bereist, ist mitten in der Natur. (Quelle: Rasso Knoller/srt)

Das rumänische Donaudelta steht auf der Weltnaturerbeliste der Unesco. Die Reise dorthin führt aber nicht nur in ein Vogelparadies, sondern auch in eine vergessene Welt am Rande Europas. Schauen Sie sich den Ort auch in unserer Foto-Show an.

Ich bin mit dem Kanu im rumänischen Delta von Europas zweitlängstem Fluss unterwegs. Dessen unzählige labyrinthartige Wasserläufe sind ein Paradies für Vögel: Reiher, Rallen, Rohrdommeln - und immer wieder Pelikane. Die sind im Formationsflug auf der Suche nach warmen Aufstiegswinden. Hier leben so viele der mächtigen Wasservögel wie nirgends sonst in Europa. Und ein weiterer Superlativ, das Donaudelta, ist das größte zusammenhängende Schilfrohrgebiet weltweit. Das alles haben auch die Damen und Herren der Unesco gewürdigt, die das Gebiet 1993 in die Weltnaturerbeliste aufnahmen. 

Schwäne, Schilf und Seerosen 

In einem kleinen Dorf am Ufer der Donau, habe ich mein Boot bestiegen. Nach ein paar hundert Metern auf dem breiten Strom biege ich auf einen der Seitenkanäle ab - und damit in eine andere Welt ein. Die Bäume, Weiden vor allem, reichen bis dicht ans Wasser und weit über den Kanal. Sie bilden eine Art schützendes Dach über mir. Später gleitet das Kanu an Schilfwänden vorbei, durch schwimmende Felder von Seerosen und Wasserlilien. Anfangs höre ich in der Ferne noch Motoren eines Boots, eines Autos oder Traktors, bald aber tauche ich in eine Welt der Stille ein - in der außer dem Quaken der Frösche, dem Zwitschern, Schnattern und Zetern der Vögel nur der Wind zu hören ist.

Ich mache Zwischenstation in Letea, einem Ort, der ein bisschen wie ein Freilichtmuseum wirkt, mit bunt gestrichenen, windschiefe Lehmhäuser, eingerahmt von Zäunen, die aussehen als würden sie beim nächsten Windstoß auseinanderfallen. Sie sind perfekte Fotomotive für die wenigen Touristen - aber offenbar nicht für jeden eine lebenswerte Heimat. Viele der Häuser stehen leer. Als ich die staubige Dorfstraße hinuntergehe, kommt mir ein Pferdefuhrwerk entgegen, offenbar ein Bauer, der von seinem Feld zurückkehrt. In der Dorfkneipe gönne ich mir ein Bier. Lauwarm ist es und das letzte, weil im ganzen Dorf der Strom ausgefallen war.

Zerfallene Paläste 

Der Endpunkt meiner Paddeltour ist Sulina. Dort ergießt sich die Donau ins Schwarze Meer. Wer Sulina besucht, kommt zu spät - und zwar um Jahrzehnte. Einst war die Stadt Sitz der Europäischen Donaukommission und ein multikultureller Schmelztiegel. Heute ist Sulina eine Stadt am Ende der Welt, deren stolze Vergangenheit und trostlose Gegenwart man am Zerfall ihrer Prachtbauten ablesen kann. Von den einst mehr als 15.000 Einwohnern sind noch 3500 geblieben.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wohnten in Sulina Deutsche und Engländer, Türken, Russen und Österreicher. In den Spelunken des Ortes versoffen die Seeleute ihre Heuer. Im Theater des Ortes beklatschten die Beamten mit ihren Gemahlinnen die aktuellen Theaterstücke. An der Uferpromenade führten die Damen die neueste Mode aus, und man parlierte über das Weltgeschehen. Nachlesen kann man diesem Teil der Geschichte auf den Grabsteinen und Kreuzen des Friedhofs. Die Namen, die dort eingraviert und aufgemalt sind, würden in ihrer Internationalität jeder Weltstadt zur Ehre gereichen. 

Die größte Sehenswürdigkeit des Ortes ist, neben dem unheimlich langen, unheimlich leeren und unheimlich sandigen Strand, der Leuchtturm von 1870. Seine Lage in der Stadtmitte, drei Kilometer vom Meer entfernt, verdammt ihn heute zur Untätigkeit. Früher warnte er mit seinem Licht die Schiffe an der Donaumündung. Der Fluss aber hat im Laufe von zwei Jahrhunderten so viel Sand herangeschaufelt und vor der Mündung abgelagert, dass der Turm Jahr um Jahr weiter vom Wasser wegrückte. Deswegen versieht er heute seinen Dienst nur noch als Aussichtspunkt und Museum. 

Von den Folgen der Demokratie 

Die Ticketverkäuferin am Leuchtturm ist zu spät dran. Als ich die Nachbarin, die ihr Gemüsebeet bestellt, frage, ob Turm und Museum eventuell geschlossen seien, schüttelt sie nur den Kopf, verzieht das Gesicht zur Leidensmiene und sagt: "Das sind die Folgen der Demokratie." Weil das Licht, das eigentlich die Dunkelheit aus den beiden Ausstellungsräume im Erdgeschoss vertreiben soll, an diesem Morgen nicht funktioniert, bleiben einige Details aus dem Leben von George Georgescu - dargestellt auf Schautafeln - verborgen. Der Dirigent, der 1887 in Sulina geboren wurde, gelangte später zu Weltruhm und leitete unter anderem auch die Berliner Philharmoniker.

Der Dirigentenstab des Musikers liegt einer Reliquie gleich im Mittelpunkt der Ausstellung. Dass Georgescu schon im Kleinkindalter zusammen mit seinen Eltern den Ort seiner Geburt verließ, ficht die Museumsmacher nicht an. Viele bekannte Namen hat Sulina nicht hervorgebracht. Lediglich ein weiterer berühmter Mann hat noch hier gelebt und deswegen hat man ihm im Museum ebenfalls einen Raum gewidmet: Hafenmeister und Schriftsteller Jean Bart kennen aber selbst in Rumänien nur Literaturexperten. 

Rustikaler Charme

Im Hotel "Jean Bart" lag früher die Dienstwohnung des schreibbegabten Beamten. Mit seinen zwei kleinen blumengeschmückten Balkonen könnte es auch in einem französischen Hafenstädtchen stehen. Drinnen versprüht das Hotel aber allenfalls rustikalen Charme. Sind die wenigen richtigen Doppelzimmer ausgebucht, landet man im Schlafsaal im zweiten Stock. Sechs Betten stehen da, die Decken überzogen mit Wäsche, die darauf schließen lässt, dass ansonsten eher jugendliche Gäste hier übernachten.

Flankiert wird das "Jean Bart" auf der einen Seite von sozialistischen Plattenbauten und von Ruinen herrschaftlicher Häuser vom Ende des 19. Jahrhunderts auf der anderen. Der benachbarte Souvenirstand "Sweet Sulina" ist aus Kundenmangel geschlossen. Anders der Laden für Angelzubehör. Dort steht die Tür einladend offen. Im Gemischtwarenladen "Magazin Mixt" werden neben Haushaltsgegenständen auch tapfer Kühlschrankmagneten mit Hafenmotiven und Tassen mit aufgedruckten Segelbooten angeboten. Die leichte Staubschicht, die Regal und Waren bedeckt, verrät, dass auch hier das Geschäft zu wünschen übrig lässt. 

Nur einmal am Tag erwacht die Sulina für fünf Minuten zum Leben, dann, wenn am späten Nachmittag die Fähre aus Tulcea anlegt. Mehr als vier Stunden sind die Reisenden in die nächste Großstadt unterwegs, die mit ihren Supermärkten und Geschäften so etwas wie einen Außenposten der Zivilisation darstellt. Fünf Minuten, solange dauert es, bis alle das Schiff verlassen haben. Dann kehrt wieder Ruhe ein in Sulina. Und der Knollennäsige, der Kleine und der Mann mit der Mütze bestellen die nächste Runde. 

Weitere Informationen: 
Allgemeine Auskünfte: Rumänisches Touristenamt, Reinhardtstr. 47, 10117 Berlin, Tel.030/60264622, www.rumaenien-tourismus.de 

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