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Airlines und ihre medizinischen Notfall-Ausrüstungen

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Flugreisen  

Wie sind Airlines für den Notfall über den Wolken gerüstet?

30.08.2010, 11:00 Uhr | Susanne Reininger

Airlines und ihre medizinischen Notfall-Ausrüstungen . Gut gerüstet für den Notfall über den Wolken mit dem Doctor's Kit. (Foto: Lufthansa AG)

Gut gerüstet für den Notfall über den Wolken mit dem Doctor's Kit. (Foto: Lufthansa AG)

"Hier spricht Ihr Kapitän. Wenn sich unter den Passagieren ein Arzt befindet, bitten wir ihn, sich umgehend beim Kabinenpersonal zu melden!" Mit einer solchen Durchsage ist jederzeit zu rechnen. Denn mit stetig wachsendem Passagieraufkommen nimmt die Zahl von Fluggästen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko zu. Diese Erfahrung machte auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf einem Flug nach Lissabon. Wie sind Airlines und Crews für medizinische Notfälle an Bord gerüstet?

Erste-Hilfe-Koffer reicht im ernsten Notfall nicht

Gleich vorweg: Der SPD-Politiker und Medizinprofessor hatte einen recht schlechten Start in die Sommerferien. Auf seinem Flug mit der Billig-Airline Easyjet erlitt ein Passagier einen schweren epileptischen Anfall. Lauterbach versuchte mit einem anderen Arzt, Erste Hilfe zu leisten. Doch "unglaublicherweise gab es an Bord keine Ausrüstung, um einen solchen Notfall behandeln zu können", berichtete Lauterbach dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Weder ein Gerät zur Blutdruckmessung, noch zur Beatmung oder Zuckermessung sei an Bord gewesen. "Das ist unverantwortlich", so der Mediziner, "und gehört bei anderen Fluggesellschaften zur Standardausrüstung." Vorgeschrieben ist bei europäischen Flügen, die über 60 Minuten dauern, aber lediglich ein einfacher Erste-Hilfe-Koffer.

Wichtiges "Doctor's Kit" ist nicht Pflicht

Als erste Fluggesellschaft in Deutschland hat Air Berlin schon Ende 2002 ihre gesamte Flotte mit Defibrilatoren ausgestattet. Auch andere Airlines, darunter Britisch Airways und Lufthansa, haben freiwillig ihre Ausrüstung erweitert. So vorbereitet kann auch Passagieren mit akuten und lebensbedrohlichen Beschwerden wie beispielsweise bei Atemnot oder einer Herzattacke geholfen werden. "Die medizinische Ausstattung der Lufthansa Flotte besteht aus einem 'Flugbegleiter-Kit', mehreren 'First Aid Kits' und einem 'Doctor’s Kit' je Flieger", betont Michael Lamberty, Sprecher der Lufthansa. Das Flugbegleiter-Kit enthalte unter anderen Pflaster, Schmerzmittel, Nasentropfen und Nikotinpflaster. "Die First Aid Kits sind entsprechend internationaler Vorgaben im Flugzeug verteilt und enthalten vor allem Verbandsmittel, wie man es von einem Verbandskasten gewöhnt sei, so Lamberty. Im Doctor‘s Kit finden sich alle Hilfsmittel und Medikamente, die für die ärztliche Soforthilfe benötigt werden, unter anderen ein Blutdruckmessgerät, ein Beatmungsgerät und ein Messgerät für Blutzucker. Zusätzlich sind noch ein Defibrilator und Sauerstoff an Bord.

Meist kommt es "nur" zu Schwindel und Kollaps

Bei medizinischen Notfällen in der Luft handelt es sich nach einer Erhebung der Lufthansa meist um Beschwerden wie Schwindel, Kollaps, Atemnot, Brustschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, aber auch um Lähmungserscheinungen oder Koliken. Bei der Flotte der Deutschen Lufthansa AG wurde im Jahr 2009 etwa ein medizinischer Zwischenfall pro 20.000 Flugreisende registriert, wobei sich rund 70 Prozent aller Notfälle auf Interkontinentalflügen ereigneten. In mehr als 80 Prozent aller Fälle waren ein Arzt oder andere medizinische Fachkräfte wie Rettungssanitäter oder Krankenpfleger an Bord. In Kooperation mit der Berliner Charité wird es in kritischen Fällen künftig auch möglich sein, "EKG-Vitalparameter direkt über Breitbandinternetverbindung in die Klinik zu schicken und sich umgehend von Fachärzten am Boden anleiten zu lassen", berichtet der LH-Sprecher.

Crew muss regelmäßig Kurse machen

Die medizinische Ausstattung an Bord von Linien- oder Charterflugzeugen orientiert sich an den Empfehlungen verschiedener Luftfahrtverbände, darunter die IATA und ICAO. Für die Umsetzung und entsprechende Überprüfung der Ausrüstung sind die nationalen Behörden, in Deutschland das Luftfahrt-Bundesamt zuständig. In Europa halten sich 33 Staaten außerdem an die europäische Richtlinie EU-OPS. Sie schreibt vor, dass alle Flugbegleiter und Piloten in Erster Hilfe geschult sein und ihre Kenntnisse regelmäßig auffrischen müssen. Aber was nutzt eine regelmäßig Auffrischung, wenn eine Airline auf wichtiges medizinisches Gerät wie das "Doctor’s Kit" aus Kostengründen verzichtet? Eine Londoner Sprecherin von Easyjet konstatierte, dass die rechtlich vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Koffer auf allen Easyjet-Flügen an Bord seien und dem Epilepsie-Patienten nach einem Zwischenstopp ja optimal geholfen worden sei. Tatsache ist, dass Lauterbachs Maschine in Paris notlanden musste und der Patient ins Krankenhaus eingeliefert wurde. "Das hätte auch ganz anders ausgehen können", entgegnete Lauterbach. "Man kann Easyjet nur solchen Passagieren empfehlen, die sich ihrer eigenen Gesundheit vollkommen sicher sind."

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