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Gepäckverlust: Koffer weg, was nun?

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Gepäckverlust: Koffer weg, was nun?

29.11.2010, 11:40 Uhr | Fabian von Poser/srt , t-online.de, srt

Gepäckverlust: Koffer weg, was nun?. 2009 gingen weltweit 24 Millionen Koffer verloren  (Foto: Fabian von Poser/srt)

2009 gingen weltweit 24 Millionen Koffer verloren (Foto: Fabian von Poser/srt)

Ulf Weiler aus Rosenheim steht mit seiner Frau Kirsten und den zwei Kindern am Gepäckband des Münchner Flughafens. Seit einer halben Stunde warten die vier auf ihre Koffer. Langsam leert sich das Band und die Menschentraube wird immer kleiner, bis auch die letzten Passagiere die Ankunftshalle verlassen. Schon seit Minuten haben Ulf und Kirsten das beklemmende Gefühl: "Die Koffer sind weg." Dann bleibt das Band stehen - und die Familie aus dem Oberbayerischen steht ohne ihr Urlaubsgepäck da. Jedes Jahr gehen Millionen Koffer an Flughäfen in der ganzen Welt verloren: Wir sagen Ihnen, mit welchen Entschädigungen Sie rechnen können. Bei welchen Airlines die Koffer am häufigsten verloren gehen und wo in der Transportkette die meisten Fehler auftreten erfahren Sie hier. Ist Ihnen schon einmal ein Koffer abhanden gekommen? Stimmen Sie rechts ab!

2009: 25 Millionen Koffer weg

Zwar ist die Zahl der fehlgeleiteten Koffer laut einer Untersuchung des Logistik-Unternehmens SITA, das jedes Jahr den so genannten Baggage Report erstellt, 2009 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 24 Prozent auf etwa 25 Millionen zurückgegangen. Allein in Deutschland passiert es täglich jedoch bis zu 6000 Mal, dass am Flughafen das Gepäckband abgeschaltet wird und verärgerte Passagiere zurückbleiben - ohne Koffer. Das ist eine Quote von etwa 1,5 Prozent. In einem Flieger mit 200 Sitzplätzen kommen so durchschnittlich drei Koffer verspätet oder gar nicht an. Immerhin: 99 Prozent der verlorenen Gepäckstücke werden ihren Eigentümern in den nächsten 48 Stunden wieder ausgehändigt.

So helfen die Airlines

Viele Fluggesellschaften stellen ihren Passagieren bei Kofferverlust zunächst so genannte Overnight-Kits zur Verfügung. Enthalten sind meist Unterwäsche und Toilettenartikel. So gibt es zum Beispiel bei Lufthansa und den Star Alliance-Partnern Sets mit unterschiedlicher Ausstattung für Damen und Herren. Darin enthalten sind ein T-Shirt, Kosmetika wie Zahnpasta und Zahnbürste sowie Deo und Kamm. Air France und KLM bieten den Passagieren ein Overnight Kit mit T-Shirt, Socken und Toilettenartikeln an. Air Berlin hat Overnight-Kits derzeit nur noch am Flughafen Nürnberg. "Weil der Inhalt heute in so gut wie jedem Hotel zur Grundausstattung gehört", wie es heißt. Bleibt der Koffer länger als 24 Stunden verschollen, hat der Passagier laut Montrealer Abkommen das Recht, notwendige Einkäufe zu machen und sich das Geld dafür erstatten zu lassen. Diese müssen jedoch genau belegt werden. Bei Germanwings werden 50 Prozent der Kleidungskosten und bis zu 50 Euro für Kosmetika als so genannte "first needs" erstattet. Lufthansa ersetzt Gebrauchsgegenstände wie Deo, Zahnbürste und Zahnpasta immer zu 100 Prozent. Dauergebrauchsgegenstände wie Schuhe und Kleidung werden im Rahmen der Höchsthaftungsgrenze von 1200 Euro zu 50 Prozent bezahlt, wenn sie der Gast behält, und zu 100 Prozent, wenn er sie später an die Airline zurückgibt. "Es gilt das Prinzip der Plausibilität", sagt Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. "Fliegt der Gast in den Urlaub und kauft sich dort drei Geschäftsanzüge, hinterfragen wir das schon mal etwas genauer." Lufthansa sowie zahlreiche andere Gesellschaften zahlen zudem eine Art Soforthilfe, die meist zwischen 20 und 150 Euro pro Tag beträgt.

So hoch ist die Entschädigung

Seit im Juni 2004 das Warschauer Abkommen von 1929 durch das Montrealer Abkommen ersetzt wurde, haben sich die Passagierrechte deutlich verbessert. Der Schadenersatz fällt seitdem höher aus und richtet sich nicht mehr nach dem Gewicht des Gepäcks. Trotzdem ist er noch eng bemessen. Maximal 1000 Sonderziehungsrechte gibt es pro Koffer. Je nach Tageskurs dieser internationalen Kunstwährung sind das zwischen 1000 und 1200 Euro. Das klingt viel, reicht aber meist nicht aus, um den Inhalt wirklich zu ersetzen. Zudem müssen Urlauber jeden Verlust dokumentieren - am besten per Rechnung.
Wichtig zu wissen: Während kostspielige Geschäftskleidung in der Regel anstandslos bezahlt wird, schließen viele Fluggesellschaften die Haftung für Gegenstände wie Laptops, Schmuck, Geld und zerbrechliche Dinge aus oder versichern diese nur gegen Zahlung eines Zuschlags. Will man sich für den Fall der Fälle nicht auf die Fluggesellschaft verlassen, kann man ab wenigen Euro eine Reisegepäckversicherung abschließen. Verbraucherschützer raten allerdings von einer solchen Versicherung ab. Begründung: Die Haftungsausnahmen sind zahlreich. Dafür lohnt es sich, einen Blick in den Leistungskatalog von Kreditkartenunternehmen zu werfen, ob nicht die eigene Kreditkarte eine Versicherung bei Verspätung oder Transportverlust einschließt. Bei manchen Karten ist das der Fall. Die private Hausratsversicherung springt bei fehlgeleitetem Gepäck übrigens nicht ein.

So beugt man vor

Bereits die Wahl der Flugroute kann Auswirkungen auf das Reisegepäck haben. Knapp bemessene Umsteigezeiten, noch dazu an großen Drehkreuzen wie Frankfurt, London, Paris oder Madrid erhöhen das Verlustrisiko. Grundsätzlich ist frühes Einchecken Trumpf. So bleibt dem Flughafenpersonal genügend Zeit, die Gepäckstücke zum Flugzeug zu bringen. Nicht selten kommt es am Laufband zu unbeabsichtigten Verwechslungen. Um diese zu vermeiden, empfehlen sich ausgefallene Koffermodelle und Farben. Dem Bodenpersonal hilft es außerdem, wenn das Gepäck gut erkennbar gekennzeichnet ist. Deshalb ist es ratsam, jedes Gepäckstück mit Namensschildern mit Heimat- und Hoteladresse zu versehen - auch im Inneren. Darüber hinaus ist es sinnvoll, alte Gepäck-Tags zu entfernen, weil sie das Lesegerät irritieren können. Ein teuer aussehender Koffer lässt auf einen wertvollen Inhalt schließen und wird daher schneller zum Objekt der Begierde.

Ratgeber: Gepäck verloren: So bekommen Sie es zurück

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