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Hausboot-Urlaub: Der eigene Kapitän im Elsass und in Lothringen

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Hausboot-Urlaub  

Als Kapitän an der deutsch-französischen Grenze

18.06.2009, 09:15 Uhr | t-online.de, srt

Durchfahrt durch ein Bergmassiv: Mit dem Hausboot auf dem Rhein-Marne-Kanal unterwegs (Foto: M. Heinz/srt)Durchfahrt durch ein Bergmassiv: Mit dem Hausboot auf dem Rhein-Marne-Kanal unterwegs (Foto: M. Heinz/srt)

An Schleuse Nummer sieben passiert es dann doch: Die Tassen rutschen. Der Horizont kippt. Der Hilfsmatrose am Bug jammert: "Das Tau klemmt!" Und dabei war die Crew schon einen halben Tag lang auf diesem Kanal unterwegs und hatte sechs Schleusen reibungslos absolviert. So ein Hausboot-Urlaub auf den Kanälen im Elsass und Lothringen sorgt für einige Aufregung - auch ohne Bootsführerschein. Machen Sie sich einen Eindruck in unserer Foto-Serie.


Zum Durchklicken Hausboot-Urlaub - 6 Tipps

Schleusen machen Hausboot-Urlaub zum Abenteuer

Dem Schleusenwärter scheint das Malheur nicht unbekannt. Er dreht an der Kurbel, es sprudelt wieder Wasser in die Kammer, das Hausboot steigt, das Tau entspannt sich und gibt die untenliegende Schlaufe frei. Dann liegt das Boot manierlich auf dem Wasserspiegel und sinkt mit diesem in die Tiefe. Der Bug-Maat atmet auf - und mit ihm die gesamte Besatzung. Aber irgendwann wird jede Hausboot-Crew auf dem Saar-Kohlegruben-Kanal zur routinierten Schleuser-Bande. Die Staustufen stehen streckenweise so dicht, dass derselbe Schleusenwärter die Boote beim Treppensteigen über mehrere Etappen begleitet, man schließt Bekanntschaft, fachsimpelt, reicht einen Kaffee über die Reling.

Kanal für Freizeitkapitäne

Saar-Kohlegruben-Kanal klingt wenig idyllisch. Aber es ist nicht ein Frachtschiff zu sehen, denn heutzutage wird die nur noch kurz Saar-Kanal genannte Wasserstraße ausschließlich von Freizeitkapitänen befahren. Die schippern dahin und betrachten die Landschaft. Manchmal bewegen sie sich wie auf einer Hochstraße. In der Tiefe, hinter dem auf einstigen Treidelpfaden angelegten Radweg, dehnen sich Felder. Ab und zu kreuzt man in der Höhe Straßen oder Flüsse. Wer genau hinschaut, was da in die Steine der Mauern oder Schleusenwärterhäuschen gehauen ist, der kann sich vorstellen, wie dieser Kanal in die Landschaft gemauert wurde. Anno 1866 fertig gestellt, verband er das Kohlerevier an der Saar mit dem Rhein-Marne-Kanal. Die Lastkähne nahmen über den Saarkohlekanal kommend auf diesem den Weg bis zum Atlantik.

Flammkuchen im Hafen

Am Abend legt das Boot im lothringischen Mittersheim an. Im Dorf herrscht, von heftigem Glockenläuten abgesehen, Stille. Doch plötzlich tut sich was in der Marina: Ein Lieferwagen bezieht Stellung, seine Klappe öffnet sich und im Inneren beginnt ein Feuer zu lodern. Die Boote schicken Gesandte aus, die eine Viertelstunde später Kartons mit Flammkuchen an Bord schleppen. Der fahrende Bäcker rollte allerdings nicht für das Abendessen der Bootsfahrer an, sondern weil für den nächsten Morgen ein Flohmarkt anberaumt war.

Persönliches Verhältnis zum Schleusenwärter

Der Trubel beginnt in aller Frühe - an der Kaimauer und damit sozusagen im Vorgarten der Hausboote. Also bleibt den Reisenden nichts übrig, als ebenfalls über den Markt zu bummeln. Dort treffen sie den Schleusenwärter und verabreden sich mit ihm für 9.30 Uhr an Schleuse Nr. 13. Dann geht es die ganze Strecke durch den Saar-Kanal retour. Immer schön gemächlich. 20 Kilometer treppauf dauern sechs Stunden, einschließlich der ausgiebigen Mittagspause des Schleusenwärters.

Hausboot-Urlaub: Sich einfach treiben lassen

Am südlichen Ende erreicht der Saar-Kanal seinen Wasser-"Gipfel" und trifft auf den Rhein-Marne-Kanal, auf dem es unter anderem Richtung Straßburg geht. Der Bau dieser Lebensader, auf der vor allem Getreide, Sandstein, Holz und Bier transportiert wurden, begann 1844 und dauerte rund zehn Jahre. Heutzutage bestimmen auch hier die Freizeitkapitäne das Bild. Die meisten von denen lassen sich treiben, genießen die Landschaft, legen an, wo immer es ihnen gefällt. Selbst wenn man eine Reise planen könnte: Eine gewisse Planlosigkeit ist doch der eigentliche Reiz von Hausbootferien. Schauen, was am Ufer passiert. Eine Burg auf dem Gipfel erspähen und spontan hinaufkraxeln. Einen Kirchturm entdecken und das Gotteshaus besuchen. An Land gehen und Blumen pflücken oder Croissants kaufen. Wenn man auf den historischen Treidelpfaden sogar von Spaziergängern überholt wird, wird offensichtlich, wie gemächlich der Kahn eigentlich dahin gondelt. Vorankommen ist relativ.

Spannende Durchquerung des Tunnels von Arzviller

Doch manchmal wird man aus dem Sinnieren gerissen. Kurz vor dem großen Schlund der Tunnel von Arzviller beginnen die Hobbykapitäne hektisch nach dem Schalter für den Scheinwerfer zu suchen. Dann geht es hinein in das Gewölbe, das sich mal gemauert, mal in den rohen Fels geschlagen durch den Berg bohrt. Eine runde halbe Stunde lang tuckern die Kähne immer geradeaus, rechts und links nur einen knappen Meter Platz. Bald nach dem Tunnelausgang wartet das Schiffshebewerk von Arzviller. Vorsichtig fahren die Boote in die Riesen-Wanne des Schiffsfahrstuhls. Die Luke hinter ihnen wird geschlossen und abwärts geht es, eine Schräge hinab. Auf diese Weise umgehen die Schiffe seit 1969 die 17 eng aufeinander folgenden Schleusen, die den Schiffern einst fast einen ganzen Tag kosteten.

Zwischenstopp mitten im Ort

Gelegentlich kann man jedoch auch mitten in Ortschaften anlegen. In Saverne zum Beispiel, mit Blick auf das prachtvollen Schloss der Fürstbischöfe von Straßburg, einen kurzen Fußweg entfernt von der Grand' Rue, von alten Häuschen, von gemütlichen Gaststätten und einer Bäckerei voller Köstlichkeiten. In solchen Häfen bleiben in den Kombüsen Herd und Backofen schon mal kalt, bummeln die Besatzungen in die kleinen Restaurants und kehren fröhlich gestimmt zurück.

Weitere Informationen:

Fragen Sie vor der Buchung, ob es Einführungsveranstaltungen und Informationsmaterialien in deutscher Sprache gibt. Ein Seminar zur Navigation, beim Hausbooturlaub auf Mecklenburger Seen durchaus nützlich, ist auf Frankreichs Kanälen nicht nötig.

Preise: Für ein einfaches, kleines Zweipersonenboot zahlt man in der Nebensaison (bis Mitte April und ab Mitte Oktober) für eine Woche ab 868 Euro bei Kuhnle-Tours . Sonderangebote gibt es zum Teil schon für viertägige Touren ab 535 Euro. Große Luxus-Liner (bis 12 Personen, 4 Nasszellen) kosten in der Hochsaison 4190 Euro pro Woche.

Einkalkulieren sollte man auch die Treibstoffkosten. Für eine einwöchige Tour mit 27 Betriebsstunden fallen etwa 185 Euro an. Mit in die Rechnung müssen auch die Anlegegebühren in den Marinas, die meist knapp 10 Euro betragen.

Anbieteradressen (Auswahl):

Kuhnle-Tours GmbH, Hafendorf Müritz, 17248 Rechlin, Telefon 039823/266-0, Fax: 039823/266-10, Internet: www.kuhnle-tours.de, E-Mail: info@kuhnle-tours.de

Charter Agentur WR-Reisen, Indersdorfer Straße 36a, D-85244 Röhrmoos OT Großinzemoos, E-Mail: anfrage@wasserundland.de, Internet: www.wasserundland.de

Ferien auf dem Wasser - Agentur für Hausbootvermietung, Aschenreutestr. 1, 78591 Durchhausen, E-Mail: info@ferien-auf-dem-wasser.de, Internet: www.ferien-auf-dem-wasser.de

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