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Größtes Bergwerkmuseum bricht Rekorde

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Frankreich  

Größtes Bergwerkmuseum bricht Rekorde

20.08.2009, 14:39 Uhr | dpa

Frankreich: Bergwerkmuseum in Lewarde (Foto: dpa) Frankreich: Bergwerkmuseum in Lewarde (Foto: dpa)

Dass Filmstar Gérard Depardieu als Kumpel Maheu in die Förderschächte stieg, ist schon mehr als 15 Jahre her. Doch der Kinoerfolg "Germinal" von Claude Berri ist unvergessen und wirkt nach im größten Bergwerkmuseum Frankreichs: Vor wenigen Wochen empfing das 25 Jahre bestehende Museum in dem Ort Lewarde bei Lille seinen dreimillionsten Besucher. Seit Berris Verfilmung 1993 des Romans "Germinal" von Emile Zola (1840-1902) über einen blutigen Bergarbeiterstreik im 19. Jahrhundert verzeichnet das Museum jedes Jahr neue Besucherrekorde. Mit etwa 140.000 Eintritten pro Jahr gehört das Arreal mit der ehemaligen Grube Delloye zu den meistbesuchten Museen Nordfrankreichs. Machen Sie sich einen Eindruck in unserer Foto-Serie.

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Bekannt durch den Film "Germinal"

Viele kommen nach Lewarde, weil sie "Germinal" gesehen haben. "Sie sind neugierig und wollen wissen, wie es wirklich unter Tage aussieht", erklärt Museumssprecherin Karine Sprimont. "Wenn 2012 die Louvre-Zweigstelle in dem knapp 20 Kilometer entfernten Lens eröffnet werden soll, dürften dadurch laut Marktanalysen jährlich mehr als 20.000 Besucher zusätzlich zu uns kommen. Das bedeutet, dass wir wieder anbauen müssen", sagt Museumsdirektor André Dubuc.

Tausende Objekte sind ausgestellt

Das 8000 Quadratmeter große Museum ist eines der wenigen in Europa, das die Fördertürme, Stollen, Duschräume und Lampenkammer des ehemaligen Bergwerks bewahren konnte, und dessen Sammlung mehr als 13.000 Objekte zählt. Gegenstände, die aus Lewarde und dem Umland stammen, denn die Geschichte des Bergbaus in der Region reicht zurück ins 18. Jahrhundert. Mit mehr als zwei Milliarden Tonnen Kohle gehörte das nordfranzösische Kohlerevier zu den bedeutendsten Frankreichs. Die Stollen in Lewarde stammen nicht aus dem Jahr 1860, der Zeit, in dem der Roman Zolas spielt. Die Delloye-Grube wurde 1931 in Betrieb genommen, 1971 waren die Kohlevorkommen in Lewarde dann vollständig abgebaut.

Große Erweiterung

Der Film von Berri wurde zwar nicht hier gedreht, doch dienten die umfangreichen Archive als wichtige Informationsquelle. "Berri wollte hier filmen, aber wir konnten unsere Grube nicht einfach mehrere Wochen lang schließen", erklärt der Museumsleiter. Doch auch ohne Dreharbeiten in seiner Grube trat der "Germinal"-Effekt ein. Wegen Platzmangels musste das Bergwerkmuseum vor sieben Jahren erweitert werden. Für rund drei Millionen Euro wurde ein 4000 Quadratmeter großes Gebäude errichtet, in dem sich heute die Verwaltung, ein Café und der Empfangsbereich befinden. Seine Glasstruktur ist gelungen: Sie fügt sich harmonisch in die roten Ziegelsteingebäude ein und gibt den Blick frei auf die beiden imposanten Fördertürme. "Dadurch konnten wir alle verwaltungstechnischen Bereiche in einem Gebäude vereinen und Platz machen für unsere Sonderschauen", erläutert der Direktor.

Drei Jahrhunderte Bergwerkgeschichte

Die Reise unter Tage dauert mehrere Stunden. Sie fängt mit dem "salle des pendus" an, dem "Saal der Gehängten", der so heißt, weil dort die "gueules noires", die Minen-Kumpel, ihre Kleider abgaben. Diese wurden an einer Art Metzgerhaken an die Decke gehängt und gegen Arbeitskittel eingetauscht. Anschließend holten die Kumpel ihre Grubenlampen in der Lampisterie ab. Auch heute noch stehen dort hunderte, ganz unterschiedliche Modelle aus drei Jahrhunderten Bergbaugeschichte. Mit gelbem Helm auf dem Kopf und unter Anleitung der letzten Minenarbeiter Frankreichs - das letzte Bergwerk wurde 2004 in Lothringen geschlossen -, geht die Reise weiter. Sie führt in die 450 Meter tief gelegenen Stollen - aus Sicherheitsgründen eine Rekonstruktion -, wo der Besucher in die harte Welt der Kumpel eintaucht: Presslufthammer, Kohlenstaub und Gefahr einstürzender Stollen. Bei der größten Katastrophe in einem europäischen Bergwerk am 10. März 1906 in dem in der Nähe gelegenen Billy-Montigny kamen 1099 Bergleute ums Leben.

Die eigene Sprache der Bergleute

"Bei den meisten hat sich der Beruf sozusagen vererbt. Auch ich komme aus einer Bergarbeiterfamilie", sagte Frank, der 2004 seine Grubenjacke an den Nagel gehängt hat und seitdem die oft abenteuerlustigen Besucher durch die Stollen und Tunnel führt. "Das war schone ein ganz eigene Welt. Unter uns herrschte eine Solidarität, die sich nirgendwo mehr so ausgeprägt findet. Wir hatten ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl und auch eine ganz eigene Kultur", erklärt der Ex-Kumpel. Sie haben eine eigene Sprache entwickelt und eine eigene Musik, die von verschiedenen fremdländischen Einflüssen geprägt ist. Die ersten Arbeitskräfte in Lewarde kamen aus Belgien, ihnen folgten die Polen und in den 1950er/1960er Jahren die Nordafrikaner. Wer wissen will, wie dieser kulturelle Melting-Pot zusammenlebte, kann im Anschluss an die Reise durch die Unterwelt noch durch die vier Sonderausstellungen schlendern.

Weitere Informationen: www.chm-lewarde.com

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