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Mit dem Hausboot auf Frankreichs unbekanntem Fluss

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Alles Cognac, oder was?  

Hausbooturlaub in Frankreich

09.02.2016, 16:40 Uhr | Brigitte von Imhof/srt

Mit dem Hausboot auf Frankreichs unbekanntem Fluss. Auf der Strecke gibt es viel zu entdecken. (Quelle: Brigitte von Imhof)

Auf der Strecke gibt es viel zu entdecken. (Quelle: Brigitte von Imhof)

Die Charente ist einer der eher unbekannten französischen Flüsse. Umso charmanter erleben Hausboot-Kapitäne die Gegend rings um einen Ort, der so heißt wie sein weltbekannter Weinbrand. Schauen Sie sich Impressionen der Tour auch in unserer Foto-Show an.

Er stellt sich als Wayne vor, käme aus England und wollte einfach mal fragen, was denn da so unverschämt gut aus unserem Fenster duftete. Nun, das war das Coq au vin, das der Hausboot-Kapitän eine gute Stunde zuvor ins Rohr geschoben hat, ein Huhn mit reichlich Knoblauch und Wein versehen. Nun gibt es ein enges Miteinander mit den Engländern in einer Schleusenkammer auf dem Weg von Jarnac in Richtung Atlantik.

Charente heißt der Fluss im Westen Frankreichs, der in den Regionen Limousin und Poitou-Charentes verläuft. Die Charente ist eher unbekannt, verglichen mit prominenten Flüssen wie Rhône, Seine oder Loire. Doch genau dieses Mauerblümchen-Dasein macht die Charente so charmant, so bezaubernd, so kristallklar. Unauffällig schlängelt sie sich durch die Landschaft, breit genug, um den Hausboot-Kapitänen auch bei Gegenverkehr ein entspanntes Navigieren zu ermöglichen. Riesige Trauerweiden hängen weit ins Wasser hinein. Am Ufer grasen mal Kühe, mal Schafe, mal Pferde.

Einer der schönsten Wasserwege Europas

Längst zählt die Charente zu einem der schönsten Wasserwege Europas – nicht ganz so spektakulär wie der Canal du Midi mit seinen Schleusentreppen und mittelalterlichen Brückenbauten, aber nicht minder beeindruckend.

Start ist im Ort Jarnac, gut zwei Zugstunden südlich von Paris gelegen. Und doch scheint man Lichtjahre von der Metropole weg zu sein. Jarnac ist verschlafen, bezieht seinen Ruhm aus der Tatsache, dass Frankreichs Ex-Präsident François Mittérand hier geboren und aufgewachsen ist. Ansonsten bekommt man an jenem Samstag unserer Ankunft den Eindruck, dass alles geschlossen ist. In einem etwas außerhalb gelegenen Supermarkt gibt es schließlich doch Lebensmittel und Getränke für den Start zur einwöchigen Hausboottour.

Hier ist Handarbeit gefragt

Anders als auf manch anderen Hausboot-Flüssen, wo die Schleusen vollautomatisch funktionieren, ist hier Handarbeit gefragt. Bei den ersten Schleusen herrscht viel fröhliches Chaos. Irgendwie wissen die Crewmitglieder noch nicht so recht, was wann in welcher Reihenfolge zu tun ist. Schleusentor aufkurbeln, einfahren in die Schleuse, Boot festmachen, Schleusentor hinten zukurbeln, Schleusentor vorne aufkurbeln, oder war’s umgekehrt? Egal, alle stellen sich gleich ungeschickt an und irgendwann sind die Boote – meist haben drei Boote in der Schleusenkammer Platz – reingeschlichtet, danach wird ebenso dilettantisch wieder abgelegt.

Die Charente war einst ein wichtiger Transportweg für den berühmten französischen Weinbrand, der nach seinem Herkunftsort Cognac genannt wurde. Entsprechend groß ist die Vorfreude, als wir in der Stadt mit ihren knapp 18.000 Einwohnern anlegen. Remy-Martin, Hennessy und Martell und andere wohlklingende Hersteller haben hier ihren Hauptsitz. Ein Besuch in einer der Destillerien ist willkommene Pflicht. Die Führung bei Martell übernimmt eine charmante Chinesin namens Liu. Sicher kein Zufall, immerhin gehen 85 Prozent der Cognac-Produktion nach Asien, allen voran nach China. Die Franzosen selbst, meint Liu schulterzuckend, seien keine großen Cognactrinker, die liebten ihren Wein. Auf 90 Prozent der Rebflächen in der Charente-Region wird die Rebsorte Ugni Blanc angebaut, auch bekannt als Trebbiano.

300-jähriges Bestehen

Das Haus Martell hat erst kürzlich sein 300-jähriges Bestehen gefeiert. Mit aufs Hausboot wandern nicht nur etliche Flaschen Cognac, sondern auch Köstlichkeiten aus Bäckerei und Metzgerei. Frische Baguettes braucht man sowieso immer, Käse, Salami und deftige Terrinen ebenso. Zum Naschen dürfen es ein paar quietschbunte, pappsüße Macrons sein. Schließlich will man für spontane Besuche von den Nachbar-Hausbooten gerüstet sein, die zur Cocktailstunde gerne mit einer Flasche Wein vorbeischneien. Längst haben sich nette Bekanntschaften entwickelt, man fachsimpelt, versorgt sich mit Ausgehtipps, berät sich über die nächste Etappe, verabredet sich – so schön ist das Leben auf dem Fluss. Die Fahrgeschwindigkeit von maximal sechs Stundenkilometern wirkt sich auch wohltuend auf das eigene Betriebstempo aus. Take it easy.

Saintes ist ein zauberhaftes Städtchen mit erstaunlich schicken Boutiquen und Restaurants. Saintes wurde im Jahr 20 v. Chr. von den Römern gegründet, was durch eindrucksvolle Bauten bezeugt ist, etwa den Germanicusbogen am rechten Charente-Ufer oder das Amphitheater. Sehenswert sind auch die mittelalterliche Kirche Sainte-Eutrope und die ehemalige Kathedrale Saint Pierre. Bei der Rückkehr aufs Hausboot warten schon zwei Schwäne auf eine milde Brotkrümelgabe. 

Der Einfluss der Gezeiten

In Saint-Savinien spürt man bereits den Einfluss der Gezeiten. Zur Mündung der Charente in den Atlantik wäre es nun nicht mehr weit. Doch wir machen hier in Saint-Savinien kehrt, um nicht in Zeitnot zu geraten. Schließlich wollen wir noch einige der hochgelobten Restaurants besuchen. "La Terrasse" in Saintes etwa, mit seinen Lammspezialitäten, oder das "Coq d’Or" in Cognac, wo man sich in eine Pariser Brasserie Anfang der 1900er Jahre versetzt fühlt. Ente oder Austern - die Auswahl ist groß. Am Ufer thronen schlossartige Residenzen. Gepflegte und gut bestellte Blumen- und Gemüsegärten lassen darauf schließen, dass da jemand wohnt. 

Als wir an unserem Start-Zielhafen Jarnac einlaufen, haben die Engländer bereits angelegt und im Vorbeifahren die Einladung zum Cocktail zugerufen. Es wird geprostet, geschlemmt, gesungen, gelacht. Und zuletzt werden wir um das Rezept für den Coq au vin angebettelt – mit dem alles begann.

Weitere Informationen:

Anreise: Mit der Bahn (TGV) nach Paris, weiter nach Angoulême und Jarnac. Mit den Flugzeug nach Bordeaux (125 Kilometer von Jarnac entfernt). Transfers können vom Hausboot-Vermieter organisiert werden.

Hausboot-Revier: Die Charente folgt ihrem geschlängelten Verlauf über 361 Kilometer vom Département Haute-Vienne  bis zum Atlantik. Nur die 147 Kilometer von Angoulême bis ans Meer sind schiffbar.

Hausboote: es gibt Hausboote unterschiedlicher Größen und Ausstattung, von zwei bis zehn Personen. Wochenmiete von 1175 bis 3983 Euro. Es ist kein Bootführerschein erforderlich, Gäste erhalten eine technische Einführung zu Beginn der Reise.

Buchung: Le Boat, c/o Crown Blue Line GmbH, Theodor-Heuss-Str. 53-63, Eingang B, 61118 Bad Vilbel, Tel. 06101/5579175 

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