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Urlaub Schottland: Rundfahrt durch die Highlands

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Schottland  

Eine Rundfahrt durch die schottischen Highlands

23.06.2009, 11:58 Uhr | dpa-tmn

Schottland: Glencoe in den Highlands (Foto: Imago)Schottland: Glencoe in den Highlands (Foto: Imago)

Angeblich ist Geiz typisch für Schottland. Aber bei einer Rundfahrt durch die Highlands ist davon nichts zu merken. Zumindest geizt Schottlands Nordosten nicht mit kleinen und großen Sehenswürdigkeiten. Touristen lernen hier: Typisch schottisch sind Whisky und Wolle, Schafe und Schlösser, Geister und Menschen, für die das alles Alltag ist. Sehen Sie selbst in unserer Foto-Serie.


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Schottlands schrillstes Schloss

Fyvie Castle ist so ein Schloss, das allen Klischees mehr als gerecht wird: Die Eingangshalle ist einige Meter hoch, Ritterrüstungen stehen herum. An der hinteren Wand flackert ein künstliches Kaminfeuer, an einer anderen hängen gekreuzte Schwerter, aber auch ein Hirschgeweih und ein Elchkopf. Gut, das alles ist noch im Rahmen dessen, was in schottischen Schlössern so üblich ist. Der ausgestopfte Eisbär, der sich scheinbar grinsend über einen ebenfalls ausgestopften Seehund beugt, wirkt hier in Turriff nordwestlich von Aberdeen etwas exotisch. Fyvie Castle wäre die ideale Kulisse für einen Film über Schottlands schrillste Schlösser. Der Alligator, der mächtige Elefantenstoßzahn und die Schildkröte, auf die Schlossbesucher zu Beginn zulaufen, belegen genau wie die Krokodilhaut aus dem Sudan, dass einer der früheren Schlossherren ein leidenschaftlicher Jäger und Sammler war. Das Schloss ist aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert - nicht nur wegen seiner mehr als 100 Zimmer: In Flyvie Castle spukt die Grüne Lady, und das schon seit Jahrhunderten.

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Drei Tage für den Schloss-Hausputz

Andrew Collins führt die Gäste durch das Treppenhaus. "Es stammt von 1599 und ist das breiteste in Schottland", erzählt er und schreitet forsch voran. "Es ist so breit, dass früher einige Besucher mit dem Pferd nach oben geritten sind." Man glaubt es sofort: Breit genug wäre es tatsächlich. "Das Schloss ist 800 Jahre alt", sagt Collins, "es war im Mittelalter mal der Jagdsitz des schottischen Königs." Der Großteil der Einrichtung ist aus späterer Zeit. Im Dining Room hängt eine beachtliche Sammlung mit Porträts von Familienmitgliedern früherer Schlossbesitzer. Es gibt jede Menge flämische Wandteppiche, chinesisches Porzellan und einen Achtung gebietenden Kristallleuchter. "Er besteht aus Hunderten von Einzelteilen", sagt Collins und verdreht die Augen: "Wenn er im Winter geputzt werden muss, dauert das drei Tage." Im Herrenzimmer dagegen hängt ein Büffelkopf an der Wand und eine Sammlung von Gewehren. Der Billardtisch darunter ist zwei Tonnen schwer.

Schlossalltag: "Rauchen, Trinken, Spielen"

"Hier frönten die Männer ihren Lastern", erzählt der Schlossführer: "Rauchen, Trinken, Spielen". Zu sehen ist auch das Zimmer, in dem im 16. Jahrhundert der Schlossherr seine Gattin für immer einsperrte, weil sie vier Töchter, aber keinen Sohn bekommen hatte. Sie starb verzweifelt und geht nun noch immer um: "In dem grünen Kleid, das sie damals getragen hat", sagt Collins. Der Schlossherr heißt heute Robert Lavie und ist nicht adelig. Er verwaltet Fyvie Castle im Auftrag des National Trust, jener britischen Institution, die dafür sorgt, dass viele historische Gebäude Besuchern zugänglich sind und bleiben. "Die Grüne Lady habe ich noch nie gesehen, aber den Rosenduft ihres Parfüms habe ich schon gerochen", beteuert er. "Sie war auch ein paar Mal in meiner Wohnung, hat Sachen verstellt und einmal sogar die Wasserhähne aufgedreht."

Single Malt - die Königin unter den Whisky

Lavies Chancen auf Geistererscheinungen sind vergleichsweise gut: Er wohnt seit zehn Jahren unterm Schlossdach. In seinem gemütlichen Wohnzimmer liegen auf einem Tischchen eine Reihe von Coffetable-Books über schottische Volkslieder und Tartan-Muster. Auf einem Schränkchen steht ein Foto, das ihn neben Prince Charles zeigt. "Ein supernetter Typ. Er war erst im Oktober hier, und es hat ihm richtig gut gefallen." Lavie und Prince Charles teilen mehrere Interessen. Dazu zählt schottischer Whisky - Single Malt Whisky, um genauer zu sein. Single Malt ist die Königsklasse der hochwertigen Spirituosen aus dem Norden der britischen Insel - eine Materie, mit der man sich nach Lavies fester Überzeugung am besten ganz praktisch vertraut macht. Er gießt einen Balvenie ein. "12 Jahre alt", sagt er genießerisch, "6 Jahre im Eichen- und 6 Jahre im Sherryfass, leicht und voller Süße." Lavie gibt aus einer filigranen versilberten Kanne einen Schluck Wasser in den Whisky, bevor er das erste Mal daran nippt. Seine Gäste tun es ihm gleich. "Das Wasser", sagt er, "bringt die Aromen erst richtig zur Geltung."

Alles Wolle, oder was?

Ein Stück westlich von Turriff liegt das Highland-Städtchen Elgin. Mit Fyvie Castle hat es gemeinsam, dass Prince Charles erst kürzlich da war: 2008 hat er ein Besucherzentrum bei Johnstons eröffnet. Johnstons, Ende des 18. Jahrhunderts gegründet, ist eine Institution in Schottland und die erste Adresse für alles, was sich aus Wolle herstellen lässt. Craig Ware, einer der Gästeführer, zeigt auf das weiße Cashmere aus der Mongolei und die neuseeländische Schafswolle, die hier verarbeitet werden. "Das hier ist Kamelhaar", sagt er und lässt ein flauschiges Bisschen davon herumgehen, "wunderbar weich". Johnstons lässt sich auch hinter die Kulissen gucken: Besucher dürfen die Abteilung in Augenschein nehmen, wo die Wolle gesponnen wird, die Halle, in der die Webstühle stehen und auch die riesigen Waschmaschinen, die das Öl aus der Wolle waschen - mit schottischem Quellwasser. Im kleinen Elgin, sonst vor allem berühmt für die mächtigen Ruinen seiner mittelalterlichen Kathedrale, wird auch im Auftrag der großen Marken produziert: von Lacoste über Ralph Lauren bis hin zu Burberry. Vor allem Schals und Decken kommen von hier.

Küche mit Whisky-Spezialitäten

Südlich von Elgin liegt Speyside, eine Region in den Highlands mit besonders vielen Whisky-Destillerien. In Grantown on Spey ist Graham Harvey zu Hause, ein Whisky-Connaisseur der besonderen Art. Denn er trinkt die Tropfen nicht nur gerne, er nutzt ihre Aromen noch lieber für andere Zwecke: Harvey ist Chefkoch im "Craggan Mill". Das Restaurant in einer alten Mühle aus dem 18. Jahrhundert ist bekannt für seine Küche mit Whisky-Spezialitäten - alles Harveys Kreationen. "Es schmeckt einfach toll", sagt er. "Man muss nur den Mut haben, viel auszuprobieren." Den hat er, und so bekommen Gäste Haggis-Suppe mit einem Hauch von 15 Jahre altem Glenfarclas serviert oder geräucherten Fisch mit einer Whisky-Tabasco-Soße. Harvey, der über seine Küchenkünste ein Buch geschrieben hat, erzählt gerne, welchen Highland-Malt er zu Hirschrücken empfiehlt und welchen zum Dessert, und so vergeht die Zeit in der "Craggan Mill" meist wie im Flug.

"Schottlands schnuckeligste Destillerie"

Schon nicht mehr in Speyside liegt Edradour, die durchaus Chancen auf den Titel "Schottlands schnuckeligste Destillerie" hätte. In jedem Fall ist sie die kleinste. Sie liegt in Perthshire in der Nähe des Ortes Pitlochry. Die weißen Gebäude, die unter anderem die Brennblasen beherbergen, sind schon von der Straße aus zu sehen. Ein Bach plätschert davor unter einer schmalen Brücke hindurch. Auf dem Hof steht Besitzer Andrew Symington. "Wir sind die letzte Farm-Destillerie Schottlands", erzählt er, "entstanden aus einem Bauernhof, auf dem die überschüssige Gerste für die Whiskyherstellung genutzt wurde." Die Destillerie besitzt ihre Brennlizenz seit 1847.

Vom warmes Weißbier zum Whisky

"Heute arbeiten hier drei Brenner und ich selbst", sagt Symington. "Anderswo steuern die alles per Computer, wir machen das hier noch per Hand." In der Whisky-Branche arbeitet er seit mehr als 20 Jahren. Vor sieben Jahren stand er zusammen mit seiner aus Deutschland stammenden Partnerin vor der Destillerie. "Wunderschön hier", hat sie gesagt. "Soll ich's dir kaufen?", hat er gefragt. "Ein Jahr später standen wir wieder davor, diesmal mit dem Schlüssel in der Hand." Die Destillerie kann besichtigt werden, vom Raum, wo die Gerste in riesigen "Big Bags" gelagert wird, bis zu den Maischbottichen und den "Stills" für das Destillieren. Symington zeigt auf einen Holzbottich mit einer trüben Flüssigkeit. "Sie hat acht Prozent Alkohol und kommt morgen in die Brennblasen." Geschickt füllt er eine Glasflasche und lässt die Besucher probieren - sie schmeckt wie warmes Weißbier. Nach dem Destillieren wird sie klar sein und 70 Prozent Alkohol haben.

Feste feiern wie ein Schlossherr

Das würde beim Trinken nicht viel Freude machen. Deswegen lässt Symington seinen Malt ausgiebig reifen. "Wir benutzen Sherry-, Port-, Burgunder-, Madeira- und Masala-Fässer", erklärt er. Je nachdem, wie lange der Whisky gelagert wird und in welchem Fass, entstehen ganz unterschiedliche Variationen des Edradour Malt. Im Besucherzentrum stehen sie Flasche an Flasche im Regal, eine eindrucksvolle Bandbreite, wie um zu beweisen, was geschmacklich alles möglich ist. In seinem aus allen Nähten platzenden Warehouse hat Symington 700 Fässer liegen. Eins davon gehört seinem Sohn Andrew Gerhard. Noch fährt der Kleine mit dem Bobbycar über den Hof. "Aber wenn er 21 wird, bekommt er das Fass zum Geburtstag", sagt der Edradour-Chef. Daraus lassen sich 700 Flaschen abfüllen - von einem dann sehr alten, sehr ungewöhnlichen Tropfen. Damit könnte man nicht nur Geburtstag feiern, sondern ein Fest wie ein Schlossherr. Andrew Gerhard Symington weiß noch gar nicht, wie gut er es hat.


Weitere Informationen

Reiseziel: Die Highlands liegen im Norden Schottlands. Bekannteste Stadt der Region ist Inverness. Speyside liegt östlich davon.
Anreise: Nach Edinburgh fliegen Lufthansa (zweimal täglich ab/bis Frankfurt/Main mit Zubringerflügen von mehreren deutschen Städten) sowie Germanwings und Ryanair (ab verschiedenen deutschen Flughäfen). Nach Glasgow geht es mit Ryanair von Hahn im Hunsrück aus. Alternativ bestehen Umsteigeverbindungen über London oder Manchester mit British Airways. Von Edinburgh und Glasgow aus lässt sich der Nordosten Schottlands mit dem Mietwagen erreichen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise per Fähre, zum Beispiel mit der Reederei Norfolkline, die dreimal pro Woche die Häfen Zeebrugge in Belgien und Rosyth in Schottland verbindet. Die Fähre ist jeweils 20 Stunden unterwegs.
Beste Reisezeit: Anfang Juni bis Ende September.
Währung: Schottland hat eine eigene Nationalbank. Die Wechselkurse sind identisch mit denen in England. Für 1 Euro gibt es 0,8845 Pfund (Stand Juni 2009).
Sprache: Englisch, Schottisch-Gälisch.
Internet: www.visitbritain.de, www.visitscotland.com/de.

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