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Diese Teile von Wales sind besonders zauberhaft

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Diese Teile von Wales sind besonders zauberhaft

14.04.2015, 11:57 Uhr | Karsten-Thilo Raab/srt

Diese Teile von Wales sind besonders zauberhaft. Harlech Castle. (Quelle: Karsten-T. Raab)

Harlech Castle. (Quelle: Karsten-T. Raab)

Der Norden von Wales besticht durch prachtvolle Burgen und Gärten, aber auch durch unberührte Natur und schnuckelige Städtchen. Schauen Sie sich Wales auch in unserer Foto-Show an.

"Green, green grass of home", lautet der Refrain in Tom Jones bekannter Hommage an seine Heimat. Wales, das Land der zwölf Millionen Schafe und drei Millionen Einwohner, weiß aber nicht allein mit seiner abwechslungsreichen Landschaft zu faszinieren. 400 Burgen nennt das kleine Land im Westen Großbritanniens sein eigen. Einige der schönsten sind im Norden von Wales zu finden.

Am River Severn, der über weite Teile die Landesgrenze zu England markiert, erhebt sich majestätisch das schmucke Powis Castle. Das rote Schloss aus dem 13. Jahrhundert besticht durch liebevoll angelegte hängende Gärten und Terrassen im italienischen Stil.

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Ein Dorf auf dem Grund eines Sees

Daneben birgt Powis Castle einige wertvolle Schätze: Jagdtrophäen aus dem früheren britischen Empire wie Edelsteine aus dem Besitz von indischen Maharadschas, Tigerklauen und persische Manuskripte. Hinzu kommen flämische Wandteppiche, Deckenmalereien von Verrio und wertvolle Reliquien von Maria Stuart.

Nicht weit von Powis Castle liegt der pittoreske Lake Vyrnwy, ein Stausee, der von einem 6500 Hektar großen Naturschutzgebiet gesäumt wird. Bei aller Schönheit war das Reservoir nicht unumstritten. Um den River Vyrnwy zu stauen mussten Ende des 19. Jahrhunderts alle 450 Bewohner des Dorfes Llanwddyn umgesiedelt werden. 1888 wurde das Tal binnen elf Monaten geflutet. Noch heute können auf dem Grund des Sees bei großer Trockenheit die Reste des alten Dorfes gesehen werden.

Unterhalb des mächtigen Staudamms lädt seit 1997 ein Skulpturen-Weg zu einer Erkundungstour. Mit Materialien aus der Region haben Künstler aus dem In- und Ausland 25 Kunstwerke geschaffen. Der Bogen spannt sich dabei von Holz-Ottern über Stein-Raben bis hin zu einem eisernen Arbeitspferd und der symbolischen Darstellung von Mutter Erde.

Snowdonia Nationalpark: Am höchsten Berg Wales

Durch den Snowdonia Nationalpark führt der Weg an die Küste. Dabei fällt der Blick immer wieder auf Mount Snowdon. Der mit 1085 Metern höchste Berg in Wales versteckt seine Spitze allerdings in der Regel in dichten Wolken. Die eiszeitlich geformten Täler rund um den mächtigen Berg erinnern an Geröllwüsten. Nur Heidekräuter, ein paar robuste Gräser und Steine scheinen hier zu wachsen. Offensichtlich genug, um ganze Heerscharen von Schafen satt zu kriegen. "Snowdon is the last place for spring to reach" (deutsch etwa "Snowdon ist der letzte Ort, den der Frühling erreicht") sagt der Waliser. Nur der Ginster blüht das ganze Jahr.

So auch rund um Harlech Castle, das auf einem spitzen Felsen oberhalb der Tremadog Bay thront und einen fesselnden Blick auf die Bergwelt des Nationalparks freigibt. Wie die Burg aus dem 13. Jahrhundert ist auch die mittelalterliche Festung in Caernarfon von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben worden. Beide Burgen ließ der englische König Edward I. errichten, um seine frisch gewonnene Macht in Wales zu stabilisieren. Mit seinen neun Türmen und stolzen Zinnen rückte das am Ufer des Menai gelegene Caernarfon Castle 1969 in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, als hier Prinz Charles, der älteste Sohn von Queen Elisabeth II., zum "Prinz of Wales" gekürt wurde.

Portmeiron: Exzentriker schafft künstlichen Ort

Eine völlig andere Welt eröffnet sich wenige Kilometer weiter in Portmeirion, wo der exzentrische Visionär Clough William-Ellis (1883-1978) zwischen 1925 und 1972 seine eigene kleine Welt geschaffen hatte: einen verspielten Ort mit bonbonfarbenen Fassaden, Türmchen, Säulengängen, Kirchen, Kuppeln, Statuen und einem liebevoll angelegten Garten.

Vieles ist echt, manches aber einfach nur schöner Schein. Über Portmeirion schwebt ein Hauch der Toskana mit einem Hang zum Disneyland. Zu den vielen, vielen Blickfängen gehören der Bell Tower of Campanile (1927), die Buddha Statue aus Ingrid Bergmanns Film "The Inn of the Sixth Happiness" (1958), der Pantheon (1958), die klassische Colonnade, die William Reeve 1760 für den Arnos Court in Bristol errichtet hatte, ein falscher Leuchtturm und ein viktorianischer Hundefriedhof, der noch immer benutzt wird.

"William-Ellis wollte beweisen, dass er an einem der schönsten Flecken dieser Erde etwas ebenso schönes schaffen konnte, ohne diesen Ort zu zerstören", berichtet Robin Llwelyn, langjähriger Managing Director von Portmeirion Village and Gardens, voller Ehrfurcht über die Entstehung dieses ehrgeizigen Projektes, das ein bisschen an eine Filmkulisse erinnert.

Und in der Tat wurde hier an der Tremadog Bay ab 1966 die britische TV-Kultserie "The Prisoner", die in Deutschland unter dem Titel "Nummer 6" über den Bildschirm flimmerte, gedreht.

Das Dorf ist zugleich ein riesiges Urlaubsquartier. Die Häuser, die nicht als Geschäft oder Restaurant dienen, werden als Hotelzimmer oder Ferienwohnungen genutzt. Außerdem befindet sich in Portmeirion mit Castell Deudraeth ein viktorianisches Schloss, das 1850 vom Abgeordneten David Williams (1799-1869) errichtet wurde und jetzt als Luxushotel und Nobelrestaurant dient.

Prächtige Bodnant Gardens

Einen Besuch wert sind auch die Bodnant Gardens, die zu den prächtigsten in ganz Großbritannien zählen. Das riesige Areal erstreckt sich über Hügelterrassen oberhalb des Vale of Conwy. Heimische und exotische Bäume wachsen nebeneinander gen Himmel, Rosen duften, blaue Hortensien spiegeln sich im stillen Wasser, und dazu bietet sich einmal mehr ein phantastischer Blick auf die Berge von Snowdonia.

Von Bodnant ist es lediglich ein Katzensprung bis zu einer der wohl gemütlichsten Städte in Nord-Wales: Conwy. Neben dem gleichnamigen Castle aus dem 13. Jahrhundert, das ebenfalls zum Weltkulturerbe zählt, wird das mittelalterliche Marktstädtchen von einer 1,2 Kilometer langen Stadtmauer mit insgesamt 21 Türmen dominiert.

Einen Kontrast zu den geschichtsträchtigen Gemäuern bildet ein knallrotes Haus am Hafen, das angeblich schmalste Haus Großbritanniens. Und noch eine weitere Kuriosität ist im Norden von Wales zu finden: Das Pontcysyllte Aquädukt bei Llangollen. Meisterarchitekt Thomas Telford hatte zwischen 1795 und 1805 das monumentale Bauwerk errichtet. Auf einer Höhe von fast 40 Metern überquert die Wasserstraße das Dee Valley. Und besonders die Freizeitkapitäne, die in gemieteten Narrow Boats über den Llangollen Kanal schippern, sollten schwindelfrei sein. Denn von der Wasserkante fällt das Aquädukt ohne Geländer ins Tal ab. Eben nichts für schwache Nerven.

"Das anschaulichste Haus für Klassenunterschiede in Großbritannien"

Lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Erddig unmittelbar vor den Toren von Wrexham. Der Herrensitz ist seit Generationen praktisch unverändert geblieben und wird als "das anschaulichste Haus für Klassenunterschiede in Großbritannien" beschrieben. Neben den Möbeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert sorgt vor allem eine ungewöhnliche Porträtgalerie für Erstaunen. Denn hier ist nicht wie anderswo üblich die Herrschaft zu bewundern. Vielmehr wurde das offenbar überaus geschätzte Personal von Erddig auf ungewöhnliche Art und Weise geehrt. Denn die Gärtner, Köche und Diener wurden in Porträts und Gedichten verewigt.

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