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Urlaub Frankreich: Das "Museumotel" in den Vogesen

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"Museumotel"  

Schlafen im Ei

31.08.2009, 18:11 Uhr

Das Ei-Hotel in den Vogesen. (Foto: Museumotel)Das Ei-Hotel in den Vogesen. (Foto: Museumotel) Unterkunft im Betonei: Im Jahr 1967 schuf der Schweizer Architekt Pascal Haüsermann eine ungewöhnliche Design-Spielerei in den Vogesen. "Ich bekam den Auftrag, also baute ich das Hotel." So nüchtern spricht er heute, 42 Jahre später, über das Projekt: ein kleines Dorf aus bewohnbaren Betoneiern in einem ganz gewöhnlichen französischen Ort. Das zwischenzeitlich verfallene Kleinod ist mittlerweile von einer Gruppe Pop-Art-Fetischisten neu entdeckt worden. Sie hat den Hotelbetrieb wieder aufgenommen.

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"Die Außerirdischen sind da

"

So gewöhnlich der Ort Raon L'Étape schon immer war, so ungewöhnlich empfanden seine Bewohner das, was da auf der kleinen Halbinsel im Jahr 1967 installiert wurde - dort wo bis dato nur eine Hütte gestanden hatte: "Die Außerirdischen sind da", echauffierte man sich über die Ufo-artigen Gebilde, andere begrüßten den neuen Blickfang des Ortes: neun individuell geformte Wohnkugeln mit einer robusten Außenhaut aus Beton. Die hielt zwar den Regen ab, für den Eintritt in die Erdatmosphäre hätte sie nicht getaugt. Nein, extraterrestrische Wesen waren auf dem kleinen Eiland des Ortes nicht angekommen, so fremd die rundlichen Behausungen auch wirkten.

Kritik an der Gesellschaft

"Ich wollte den kollektiven Strukturen der Vorstädte etwas entgegensetzen", sagt Haüsermann, der nach eigenen Angaben weltweit rund 80 dieser spacigen Rundkonstruktionen verwirklichte und seinen Ruhestand heute mit seiner Frau in Indien verbringt. Seine Architektur war Kritik - an den Stadtplanern, an der Gesellschaft. Der Anonymität des Kollektivismus in Massenbausiedlungen wollte er Individualität entgegensetzen, explodierenden Kosten die preisgünstige Alternative. Gerade einmal 12.000 Dollar kostete ein Beton-Bubble, wie das Magazin "Time" im Juni 1967 schrieb. "Warum teure Häuser mit dicken Wänden und Decken bauen, wenn eine dünne Betonhaut genügt?", fragt Haüsermann noch heute.

Fünf Freunde kaufen ein Hotel

20 Jahre lang wurde das "Motel L'Eau Vive" betrieben, doch dann starb der Besitzer. Die Pop-Art-Immobilie fristete ein Schneewittchen-Dasein. Das Flüsschen Plaine umschmiegte die Insel wie eh und je, eine Familie bezog im neuen Jahrtausend vier der Bubbles, zog wieder aus. Und dann kamen die Pop-Art-Fans, die heutigen Betreiber Bruno, Laurent, Laurence, Joël und Isabelle. In der Begeisterung, etwas wirklich Einzigartiges entdeckt zu haben, kauften sie gleich die ganze Insel: 185.000 Euro liehen sie von der Bank, weitere 50.000 flossen in die Restaurierung. Das Eiche-rustikal-Interieur, mit dem sich die Familie einen echten Stilbruch geleistet hatte, musste raus. In der Gewissheit, ihr Ding gefunden zu haben, stiegen drei der fünf Freunde aus ihren Berufen aus: Laurence etwa hängte nach 20 Jahren ihren Supermarktjob an den Nagel, und Joël schmiss seine lukrative Tätigkeit als Elektroingenieur beim Autokonzern PSA hin, um fortan als Hausmeister die Glühbirnen zu wechseln und den Garten zu pflegen.

Flitterwochen im Ei

Seit zwei Jahren empfängt das Dorf der Beton-Bubbles nun wieder Gäste. Die fünf Betreiber tauften es "Museumotel" und schickten fortan ihre Gäste auf eine Zeitreise. Möbel und Accessoires stammen aus den fünfziger bis siebziger Jahren, das meiste wurde auf Flohmärkten gekauft. Und wer die ausgelegten alten Zeitschriften liest, taucht voll ins Space-Age ab: "Paris Match" bringt am 22. Januar 1966 die Ausgabe "Toute la terre vue de l'espace" mit nicht nur damals beeindruckenden Aufnahmen, die US-Astronauten von Mutter Erde schossen. Kein Ei gleicht dem anderen: Im grün gestylten "Chlorophylle"-Bubble lehnen Siebdrucke an der gewölbten Wand. Eine Hommage an den dänischen Designer Verner Panton stellt der "Panton"-Bubble dar, zwei Exemplare seines geschwungenen Stuhls Panton sind im Innern drapiert, auch ein Wandteppich aus seiner Schöpferhand.

Love-Bubble

Der Orange-Bubble ist die Referenz an die einstige Modefarbe; ein anderes Betonei hat die fünfziger Jahre zum Thema. Das herzförmige Doppelbett des Love-Bubble ist perfekt geeignet für Paare in den Flitterwochen. Doch auch alleine lässt es sich sehr gut schlafen in einer der riesigen Eihüllen. Es ist die Geborgenheit einer riesigen Gebärmutter, die einlullt und den Alltag vergessen lässt, während draußen leise die Plaine plätschert. "L'Eau vive" - lebendiges Wasser - wurde das Hotel 1967 getauft. Der Schriftzug hängt noch immer am zweistöckigen Haupt-Bubble. Im Innern verbirgt sich die Rezeption, im zweiten Stock der plastikbestuhlte Frühstücksraum. Während morgens Baguette, Croissant, Butter, Marmelade, O-Saft und eine Schale mit Kaffee oder Kakao gereicht werden, lassen die fünf Freunde abends manchmal Partys steigen. Der große Bubble ist auch ein kleines Kulturzentrum: Konzerte und Ausstellungen werden organisiert. Am liebsten würde Laurence einmal David Bowie, ihr großes Idol, aufspielen sehen. "Space Oddity", sagt sie und grinst wissend.

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