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Vals in Graubünden: Schweizer planen höchstes Hotel der Welt

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Vals in Graubünden  

Schweizer planen höchstes Hotel der Welt

31.03.2015, 11:29 Uhr | Spiegel Online

Vals in Graubünden: Schweizer planen höchstes Hotel der Welt. So soll das Hotel aussehen. (Quelle: 7132 Hotel)

So soll das Hotel aussehen. (Quelle: 7132 Hotel)

Dubai-Feeling in Graubünden: In Vals soll mit 381 Metern das höchste Hotelgebäude der Welt entstehen. Wie eine transparente Nadel würde es die berühmte Therme von Peter Zumthor überragen.

Das Graubündener Bergdorf Vals ist 1996 zum Pilgerort von Architekturfans avanciert: Peter Zumthor, der berühmte Schweizer Architekt, hatte in eher zurückhaltender Anmutung die Therme Vals erbaut. Für das im Inneren spektakuläre Thermalbad wird inzwischen ein Eintritt von bis zu 80 Franken (76 Euro) verlangt.

Ganz und gar nicht zurückhaltend sind die Entwürfe, die der Immobilienunternehmer Remo Stoffel und das Büro Morphosis des US-Architekten Thom Mayne für ein neues Hotel am Platz vorgestellt haben. 381 Meter hoch soll es werden, nur 18 Meter breit und 31 Meter lang - und sich wie eine transparente Nadel hoch in den Himmel recken. Mit seiner geplanten Eröffnung 2019 würde es das höchste Hotelgebäude der Welt werden - 26 Meter höher als der jetzige Rekordhalter, das JW Marriott Marquis Hotel in Dubai.

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Hotel soll an Giacometti-Skulptur erinnern

Im vergangenen Jahr haben Maynes Entwürfe die Ausschreibung gewonnen, an der acht weltweit führende Büros teilnahmen. Initiiert hatte sie das Unternehmen 7132 Ltd., das Stoffel und dem örtlichen Steinbruchbesitzer Pius Truffer gehört und das in Vals die Therme und das Hotel 7132 betreibt. 7132 lautet die Postleitzahl von Vals.

Der neue Hotelkomplex soll aus drei Komponenten bestehen: dem 82-stöckigen Turm mit 107 Suiten, einer Skybar und einem Restaurant, verblendet mit einer spiegelnden Oberfläche. Dazu kommen eine Auskragung, die Café, Spa und Bar enthält, und ein Podium, das die Gebäude verbindet. "Die spiegelnde Fassade und das schlanke Profil verschmelzen mit der Landschaft", schreibt Morphosis auf der Webseite. Das minimalistische Objekt soll die Gäste mit der Natur verbinden.

Als Hommage an die Skulptur "Femme de Venise" von Alberto Giacometti - die, typisch für den Schweizer, sehr dünn und lang ist - soll das Hotel Femme de Vals heißen. In unmittelbarer Nähe des Mayne-Baus befindet sich die Therme Vals von Zumthor und ab 2017 auch eine 35.000 Quadratmeter große Parkanlage, die unter dem Namen Valser Path von dem japanischen Architekten Tadao Ando konzipiert wurde. Damit sind die Bauwerke von drei mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichneten Architekten in einem Tal versammelt.

Inspiration durch Dubaier Scheich

Remo Stoffel, der mit einer Firma Immobiliendienste in Dubai anbietet, hat sich vom Superlativwahn des Emirats anstecken lassen. Zu Beginn der Entwicklung hätten viele daran gezweifelt, dass die Visionen von Scheich Mohammed jemals umgesetzt werden könnten, sagt Stoffel laut der Webseite "eturbonews.com". Jetzt empfange Dubai rund zwölf Millionen Besucher im Jahr. "Dies hat mich zu meiner eigenen Vision inspiriert, 7123 Ltd. zu gründen und dieses atemberaubende Design zu beauftragen, welches in den nächsten vier Jahren in meinem Heimatort Vals gebaut wird", sagt Stoffel.

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Als Zielgruppe hat 7132 Ltd. die Superreichen im Blick: Eine Nacht wird wohl mehrere tausend Franken kosten. Vals solle Ausgangspunkt und Zwischenhalt für Geschäftsreisende werden, die andere Orte in Europa aufsuchten, sagte Stoffel bei der Vorstellung des Projekts in Zürich laut der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Das Hotel solle ihnen Erholung mit der Familie bieten. Das Reisemittel der Wahl dieser Klientel: der Helikopter. Dafür soll ein Heliport in einer nahen Schlucht gebaut werden.

Kritiker stehen in den Startlöchern

Ein derartiger Megabau ruft auch Kritiker auf den Plan. Zweifel bestehen laut "NZZ" an der Finanzierung. 300 Millionen will Stoffel mit seiner Immobilienfirma Priora aus eigenen Mitteln ohne Bankenfinanzierung aufbringen - Experten schätzen, dass mindestens 400 Millionen Franken für den Bau von Turm und Park nötig sein werden.

Auch der Gigantismus stört laut "NZZ" manchen: Der geplante Wolkenkratzer verstelle das Valser V-Tal, heißt es demnach. Er sei eine "Vergewaltigung" des Dorfes. Mit Alpentourismus und Nachhaltigkeit habe das nichts zu tun, der Turm trage zur Verstädterung der Alpen bei. Verglichen mit den Valser Bergen sei die Höhe des Gebäudes eigentlich gar nichts, sagte Stoffel, der in Vals aufgewachsen ist und heute in Chur lebt.

Die Valser selbst scheinen abwartend zu reagieren. Die Gemeinde hat lange nach einem Investor für das bestehende Hotel und die Therme gesucht und 2012 mit Stoffel einen Einheimischen gefunden. Auf eine Modernisierung waren die Dorfbewohner vorbereitet - die Höhe des Turms war ihnen bis zur Vorstellung der Pläne neu.

Das (vor)letzte Wort werden - wie in der Schweiz üblich - sowieso die Valser haben: Ende des Jahres werden sie über den Bau des nadelförmigen Hotels entscheiden, wenn sie eine sogenannte Zonenplanrevision absegnen. Diese müsste dann noch der Kanton Graubünden bewilligen.

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