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Ponza: Italiens letzte geheime Insel

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Italiens letzte geheime Insel

18.03.2011, 11:37 Uhr | Spiegel Online

Ponza: Italiens letzte geheime Insel. Ponza. (Foto: dpa)

Ponza. (Foto: dpa)

Weiße Buchten, türkisfarbenes Wasser, duftende Macchia - Ponza, größte Insel des Pontinischen Archipels, gehört zu den Lieblingszielen der Römer und ist außerhalb Italiens wenig bekannt. Verschont vom internationalen Massentourismus, wird hier noch Italienisch gesprochen, im Gegensatz zur berühmten Schwester Capri. Schauen Sie sich den Geheimtipp auch in unserer Foto-Show an.

Ponza - das "Capri Roms"

Wegen ihrer Schönheit, dem betörenden Blumenduft und den herrlichen Aussichten wird die Insel Ponza auch "das Capri Roms" genannt. Bei der Einfahrt in den Hafen leuchten die Tuffsteinklippen in den unterschiedlichsten Farben, die Häuser in sanften Ocker-, Blau- und Rosatönen verheißen ein südlich-sonniges Ferienparadies. Ponza ist ein italienisches Kleinod der besonderen Art - und blieb bisher vom Massentourismus weitgehend verschont. Das ist vielleicht der größte Unterschied zur berühmten Schwester Capri: Auf Ponza wird noch ganz überwiegend Italienisch gesprochen.

Unbekanntes Paradies

Das nur acht Kilometer lange Eiland liegt südlich von Rom mitten im offenen Meer und ist umringt von den noch kleineren Inseln Ventotene, Zanone, Palmarola und Santo Stefano. Kaum jemand außerhalb Italiens weiß, dass nicht nur Kampanien und Apulien, sondern auch die Region Latium mit türkisfarbenem Wasser gesegnet ist. Ponza besticht durch weiße Buchten, wohl duftende Mittelmeer-Macchia, traditionelle Fisch- und Getreidegerichte und durch Einfachheit.

Explosionen von Ginster

Wenn alljährlich Ende August die zahlreichen Luxusyachten ihre Anker lichten, spürt man das besonders deutlich. Was bleibt, sind bunte Fischerboote, gemütliche Fisch-Restaurants, Stille und grandiose Naturspektakel. "Zwischen Bougainville und Explosionen von Ginster verliere ich mich in der Schönheit dieser Sonnenuntergänge und finde auf der Erde mein Paradies", beschrieb der italienische Lyriker und Literaturnobelpreisträger Eugenio Montale einmal den Charme Ponzas. Daneben blühen auf der vulkanischen Insel Oleander, Myrten und Heidekraut.

Auch die Kultur kommt nicht zu kurz

Ponza gehört zu den Lieblingszielen der Römer. Fähren starten von Anzio, Terracina oder Formia aus. Viele betuchtere Großstädter kommen in den Sommermonaten für verlängerte Wochenenden auf die Insel, andere bleiben einen ganzen Monat. Die meisten mieten sich ein Häuschen oder eine Wohnung, denn auf dem Inselwinzling gibt es nur gut ein Dutzend Hotels. In der Hauptsaison im Sommer ist die Insel hauptsächlich von jungen Urlaubern bevölkert. Dann gibt es Amore, Konzerte und Musik am Strand, und nachts wird in der Diskothek "Covo Nord Est" bis zum Morgengrauen durchgetanzt. Die Hauptstraße ist ständig verstopft, Vespas hupen, Lastwagenfahrer stöhnen, während sich Touristenschlangen über die hippe Einkaufsstraße Corso Pisacane schieben. Junge Römer lieben Ponza aber gerade, wenn die Insel voll, laut und frenetisch ist. Sie gilt vor allem im August als gute Alternative zum teuren Trubel auf Sardinien.

Tauchen im Herbst

Erst im September wird alles schlagartig anders. Dann kommen die Taucher und Wanderer, die Naturfreunde und Feinschmecker. Die zahlreichen Strände aus Sand, Kies oder Felsen sind plötzlich menschenleer - und machen ihrem romantischen Namen alle Ehre: "Cala del Core" (Herzbucht), "Chiaia di Luna" (Mondbucht), "Piscine Naturali" (Naturschwimmbäder). Auch die rund 2300 Einwohner des Ortes Ponza atmen auf: Die Insel gehört jetzt wieder ihnen. Wer morgens mit dem Boot zum nur über Wasser erreichbaren Frontone-Strand fährt, hat die hübschen balinesischen Riesen-Kissen zum Sonnen, die schattigen Bars und das kristallklare Wasser fast ganz für sich alleine. Wo im August allabendlich ab 18 Uhr House und Hip Hop aus den Lautsprecherboxen dröhnte und das Ponza-Volk in Pareos und Badelatschen tanzte, lassen plötzlich Lieder von James Taylor und Tiziano Ferro die Sonnenanbeter ins Träumen geraten.

Eine Tour auf den Berg lohnt sich

Schon Homer ließ die Insel ins Reich der Poesie eingehen - in der "Odyssee" lockte die Zauberin Circe Odysseus auf die Insel Eea, wie der griechische Name für Ponza lautet. Die Griechen, die 700 vor Christus nach Ponza kamen, hinterließen auch die Necropoli genannten Totenstätte auf dem Berggipfel oberhalb von Chiaia di Luna und die ersten Aquädukte. Später kamen die Römer, aus deren Zeit der Tunnel stammt, durch den man zu der Mondbucht gelangt. Im Jahr 537 wurde Papst Silverio auf das Eiland verschleppt, wo er kurze Zeit darauf starb. Noch heute gilt San Silverio als Schutzpatron Ponzas und wird dort traditionell am 20. Juni mit einer Prozession und einem großen Feuerwerk geehrt. Den schönsten Ausblick bietet der mit 283 Metern höchste Berg Monte La Guardia, von dem aus bei klarem Wetter die Felsen des Monte Circeo auf dem Festland sichtbar werden. Ratsam ist auch ein Besuch auf Nachbarinseln wie dem Taucherparadies Ventotene und Palmarola, wo Urlauber in glasklarem Wasser in Grotten und Höhlen schwimmen können.

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