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La Maddalena: Die Seychellen des Mittelmeers

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La Maddalena: Die Seychellen des Mittelmeers

20.04.2011, 10:38 Uhr | Christian Haas/srt

La Maddalena: Die Seychellen des Mittelmeers. La Maddalena. (Foto: srt)

La Maddalena. (Foto: srt)

Die Costa Smeralda mit ihrem, beim internationalen Jetset beliebten Zentrum Porto Cervo, dürfte jedem Italienkenner ein Begriff sein. Eine deutlich geringere Bekanntheit genießt hingegen die Inselgruppe La Maddalena, die zwar gerade einmal ein paar Kilometer weiter nordwestlich liegt, aber dennoch eine andere Welt darstellt. Bewundern Sie das kleine Paradies auch in unserer Foto-Show.

Rummel versus Ruhe

Hier die Smaragde, dort das smaragdgrüne Meer. In Porto Cervo die Edeldiskotheken und Gelage liebenden Berlusconis und Briatores dieser Welt, in den Maddalenen die Wind und Wasser liebenden Abenteurer. Hier der Rummel, dort die Ruhe. Was allein daran liegt, dass die meisten Maddalena-Eilande zu schroff und zu winzig sind, um überhaupt bewohnt zu werden. Gerade einmal sieben kommen dafür in Frage; auf ihnen leben rund 11000 Einwohner - vor allem auf der Insel Maddalena, deren gleichnamige Hauptstadt von korsischen Schafhirten gegründet wurde und wo noch heute ein spezieller Dialekt aus Korsisch und Gallurisch gesprochen wird. Dazu mischte sich bis vor kurzem das breite Amerikanisch etlicher US-Soldaten, die dort bis 2008 einen Militärstützpunkt unterhielten. Auch wenn mit dem Abzug das Wirtschaftsgefüge der Hauptinsel Maddalena arg durcheinander geriet, eröffnet diese Entwicklung andererseits neue Möglichkeiten. Nicht zuletzt für Touristen. Zwar erfuhren einige Inselchen ein Upgrade zur höchsten Schutzzone des 1994 gegründeten Nationalparks La-Maddalena-Archipel, doch andere ehemals gesperrte Gebiete können nun öffentlich genutzt werden. Und die allermeisten Strände dürfen betreten, in den allermeisten Buchten der Anker geworfen werden.

Einfach mal aufs Segelboot

Der Trip mit dem Segelboot ist ohnehin die beste Art, die Maddalenen kennenzulernen. Zwar verkehren zwischen dem sardischen Festland und der Hauptinsel regelmäßig Fähren in den Hauptort, von wo sich auch einige kleinere Hotels und ein paar größere Anlagen ansteuern lassen. Doch die schönsten Plätze sind nur per Boot erreichbar. Gut zu wissen: Wer nicht selbst segeln kann oder einen segelnden Freund oder Kollegen kennt, der kann sich einen Skipper mieten, der dann die selbst zusammengestellte Bootsgruppe nach Lust und Laune umherchauffiert. Damit man weiß, wohin sich das Segeln lohnt, verschafft man sich am besten einen Überblick über das Revier. Etwa vom Gipfel des 122 Meter hohen Capo d'Orso, dem Bärenkopf, der seinen Namen der ganz speziellen rötlich-glatten Steinformation verdankt. Sagenhaft große Steine bestimmen auch im Maddalena-Archipel das Bild - auf der Isola Spargi ebenso wie auf San Stefano. Die rundgeschliffenen Granitblöcke inspirieren manche Schiffsteilnehmer gar zu der Behauptung, es handle sich hier um die "Seychellen des Mittelmeers". Gewagter Vergleich, aber die Ähnlichkeit zu den Riesensteinen von La Digue und Praslin ist nicht von der Hand zu weisen. Hier wie dort wirken die Felsen mitunter wie Herden versteinerter Walrösser am Ufer, die je nach Quarzkristalleinschluss in den verschiedensten Farben schillern.

Kleiner Geheimtipp

Zum Glück hat sich die Schönheit der Granitbuchten der Insel San Stefano noch nicht herumgesprochen. Wenn man nicht gerade im Juli oder August unterwegs ist, sollte es selbst am späteren Nachmittag möglich sein, ein Ankerplätzchen zu finden. Wenig los ist auch an Land. Das Gebäude am Kai: verfallen. Dahinter eine gepflasterte Terrasse: überwuchert. Mitten im Gebüsch: ein alter, entgleister Zugwaggon. Florierende Infrastruktur darf man nicht erwarten, aber florierende Landschaft.

Nicht jeder Reiseführer weiß alles

Eine ähnliche Stimmung herrscht in der Cala Garibaldi auf der Insel Caprera, die von der Bootscrew zuerst gar nicht angelaufen werden will, weil im "Küstenhandbuch Italien" ein "Club-Feriendorf" angekündigt wird, "das, je nach persönlichem Geschmack, mehr oder weniger störend wirkt." Doch diese Info ist veraltet. Die dunkelgrauen kleinen Rundhütten des Clubs sind gänzlich unbewohnt, das ganze Gelände verwaist. Geländer rosten vor sich hin, von den Wänden des Strandhauses bröckelt der Putz. Nur ein paar Strandwanderminuten weiter locken Sandbuchten, unverbautes Terrain und feinste Granitformationen. Würde man mit nachfolgendem Tipp nicht eine kontraproduktive Entwicklung auslösen, ließe sich nur jedem raten, rasch in diese Traumbucht zu segeln, denn in den kommenden Jahren will der französische Eigentümer in eine luxuriöse Generalüberholung investieren. Dann ist Schluss mit der paradiesischen Einsamkeit.

Getränkeliste? Fehlanzeige!

Bis es soweit ist, geht es auch noch in dem nahen "Agriturismo Garibaldi" beschaulich zu. "Vino, caffè, acqua" - so sieht die Getränkeliste aus, welche die weibliche Bedienung mündlich vorträgt; eine schriftliche Karte existiert gar nicht. Wieso auch, es gibt genau diese drei Getränke sowie ein Menü, das sich auch gangweise bestellen lässt. Auch sonst wirkt alles einfach, traditionell, authentisch: das Ziegengemeckere, die Holzbänke, die rot-weißen Plastiktischdecken, die Antipasti samt Casu Axedo, einem ungesalzenen, milden Schafskäse, der im Gegensatz zum sardischen Exotik-Klassiker Casu Marzu keine lebenden Maden beinhaltet. Was nicht beklagt werden will. Ebenso wenig die Rechnung. Die sieht so aus: Die Chefin des Hauses schiebt der Gruppe einen gefalteten Zettel zu, auf dem einfach nur die Zahl "54" gekritzelt steht - der fällige Betrag für Wasser, eine Flasche Wein und Antipasti für vier Personen. Kein Schnäppchen, aber akzeptabel.

Nationalidol, Lehrer oder Freimauer?

Vielleicht ist da ja neben dem Insel- auch noch ein Sehenswürdigkeitenzuschlag inbegriffen, schließlich liegt keine zehn Gehminuten entfernt eine Stätte von nationaler Bedeutung: der sehenswerte Alterssitz von Giuseppe Garibaldi, der in den Reiseführern wahlweise als Lehrer, umstrittenes Nationalidol, Hauptgestalt des italienischen Risorgimento im 19. Jahrhundert oder Freimaurer beschrieben wird. Und als leidenschaftlicher Segler. Garibaldi erkor nicht zuletzt aus diesem Grund Caprera zu seinem Alterssitz.

Ein Paradies für Segler

"Generell", so sieht es auch Skipper Torsten "ist das Gebiet segeltechnisch nicht besonders schwer. Nur auf zwei Dinge muss man wirklich achten: die Fallwinde im Lee der Inseln sowie die massenhaft auftretenden Untiefen." Die Cala Girogio Marino, die von den drei Inseln Razzoli, Budelli und Santa Maria eingerahmt wird, ist dafür ein Beispiel. Der Name der hier abgehenden "Passo Secca di Morto" - der "Selbstmörderpassage" - verrät schon die Brisanz der steinigen, flachen Passage. Doch wer sich von Westen her nähert und sowohl Karte als auch Meerboden gut im Blick hat, der kann sich problemlos in das idyllische Inseldreieck wagen und dort den Anker schmeißen. Und genießt dann eine 1a-Kulisse aus mehreren Inselchen, feinen Sandabschnitten und dem weiten Horizont. Dann heißt es: ab ins türkis schimmernde, ungemein saubere Wasser, danach zum Trocknen aufs Vorderdeck in die Sonne und wenn diese langsam untergeht, ab mit dem Sundowner in der Hand auf die Sitzgruppe des Achterdecks. Nein, also ehrlich, so viel attraktiver können die echten Seychellen gar nicht sein.

Weitere Informationen:
Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Tel. 069/237434, www.enit-italia.de, Sardegna Turismo,www.sardegnaturismo.it/de,
Parco Nazionale dell'Arcipelago di La Maddalena, www.lamaddalenapark.it
Anreise: Air Berlin, Lufthansa und Easyjet fliegen Olbia von verschiedenen deutschen Airports an. Intersky bedient die Strecke Friedrichshafen-Olbia. Wer mehr Zeit mitbringt, nimmt die Fähre von Genua, Livorno oder noch südlicheren Städten nach Olbia.
Charter: Kiriacoulis, einer der größten Vercharterer im Mittelmeerraum, unterhält eine Basis in Portisco nördlich von Olbia. Vorteil: Die Bootspreise sind dort günstiger als in den anderen Marinas der Region, etwa Porto Cervo oder Porto Rondo. Doch der Vergleich mit weiteren Charterunternehmen kann sich lohnen, da es immer wieder Spezialangebote gibt.

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