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Unheimliche Attraktion  

Japans schräges Dorf der Puppen

10.12.2014, 13:52 Uhr | Elaine Kurtenbach, AP/Z. Tomsic, t-online.de

Japans schräges Dorf der Puppen. Die lebensgroßen Puppen haben sich längst zu einer Touristenattraktion entwickelt. (Quelle: AP/dpa)

Die lebensgroßen Puppen haben sich längst zu einer Touristenattraktion entwickelt. (Quelle: AP/dpa)

Nagoro liegt in den zerklüfteten Bergen im Süden Japans. Auf den ersten Blick ein ganz normales Dorf. Doch der Schein trügt. Erst beim näheren Hinsehen wird klar, dass es hier mehr Puppen als Menschen gibt. Klingt bizarr, doch dahinter steckt eine simple Erklärung. Eine Japanerin wollte nämlich nicht mehr mit ansehen, wie ihr Dorf immer einsamer wurde. Stattdessen ersetzte sie die Weggezogenen oder Verstorbenen durch lebensgroße Puppen, die sich inzwischen zu einer Touristenattraktion entwickelt haben. Ein paar Eindrücke aus dem Dorf präsentieren wir Ihnen in unserer Foto-Show.

In Nagoro lebten einst Hunderte Familien. Heute sind nur noch 35 Menschen übrig geblieben. Dafür kommen auf jeden von ihnen drei lebensgroße Puppen, die Tsukimi Ayano gefertigt hat - eine für jeden Nachbarn, der wegzog oder starb. "Sie bringen Erinnerungen zurück", sagt Ayano über die Stoffpuppen. Die bevölkern nicht nur ihr Haus, sondern sind im ganzen Dorf zu finden: auf Zäunen, in Bäumen, an der Bushaltestelle und an Verkaufsständen. Einfach überall da, wo ein lebender Mensch vielleicht kurz verweilen würde. "Die alte Dame kam immer auf einen Plausch und einen Tee vorbei", erklärt die Künstlerin. "Der alte Mann trank immer Sake und erzählte Geschichten. Das erinnert mich an die alten Zeiten, als sie noch am Leben waren."

Die lebensgroßen Puppen entwickelten sich zum Touristenmagnet

Mit 65 Jahren ist Ayano eine der Jüngeren im Dorf Nagoro. Sie kehrte nach Jahrzehnten aus Osaka zurück in die alte Heimat, um ihren Vater zu pflegen. Das war vor 13 Jahren. Damals versuchte sich sich am Gemüseanbau. Weil sie befürchtete, dass Krähen ihre Saat auffressen könnten, fertigte sie einige Puppen an, die als Vogelscheuchen dienen sollten. Das Ganze entwickelte sich zu ihrer Leidenschaft. Heute finden sich mehr als 300 dieser Puppen in Nagoro und inzwischen auch in anderen Ortschaften auf Shikoku, einer der vier Hauptinseln Japans. Jede hat ihren ganz eigenen Gesichtszüge. Manche schlafen, anderen umarmen kleine Puppenkinder oder halten eine Hacke in den Händen. Manchmal nimmt Ayano eines von ihren Geschöpfen mit auf die 90-minütige Busfahrt zum nächsten Supermarkt.

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Aber die meisten bleiben zurück und werden inzwischen von Touristen bestaunt, die einen Abstecher über die kurvigen Bergstraßen machen. "Wenn ich diese Vogelscheuchen nicht gemacht hätte, würden die Leute einfach vorbeifahren", sagt Ayano. Auch wenn Besucher nun häufiger vorbeischauen, können sie den Populationsrückgang nicht stoppen: Nagoro verwandelt sich langsam in eine Geisterstadt oder eine Art Freilichtmuseum. Die meisten Häuser und Geschäfte in der einzigen Straße des Dorfes stehen leer. Dazu gehört auch die Grundschule, die vor zwei Jahren schloss. Ayano hat die blitzsauberen Klassenzimmer mit ihren Puppen gefüllt, die nun die Plätze von Lehrern und Schülern einnehmen.

So wie Nagoro geht es vielen Dörfern in Japan. Mehr als 10.000 Ortschaften sind bereits entvölkert; die Häuser und die Infrastruktur verfallen, während sich ganze Landstriche aufgrund der sinkenden Geburtenrate und der raschen Überalterung leeren. Der Prozess läuft immer ähnlich ab: Zuerst gehen Arbeitsplätze verloren, dann schließen die Schulen und irgendwann werden die Stromzähler abmontiert. Weder Ministerpräsident Shinzo Abes Liberaldemokratische Partei noch die Opposition hat bisher ein Rezept gefunden, wie die verlassenen Dörfer wiederbelebt werden können. Einen guten Zwischenweg hat scheinbar Ayano gefunden, indem sie mit ihren lebensgroßen Puppen dem fast ausgestorbenen Dorf neues Leben einhaucht.

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