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Wildnis pur in Kanadas "wahrem Norden"

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Kanada  

Wildnis pur in Kanadas "wahrem Norden"

03.07.2008, 14:25 Uhr | dpa-tmn

Kanada ist ein einzigartiges Reiseziel. (Foto: NWT Tourism/dpa/tmn)Kanada ist ein einzigartiges Reiseziel. (Foto: NWT Tourism/dpa/tmn)Bei 66 Grad und 33 Minuten nördlicher Breite durchschneidet der Polarkreis die Northwest Territories und das westlich angrenzende Yukon. Richtig bevölkert ist dieser Teil Kanadas nicht mehr, zumindest nicht von Menschen. Eine Volkszählung ist schnell gemacht: In Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon, leben etwa 23.000 Menschen; im ganzen Territorium, das rund doppelt so groß ist wie Deutschland, sind es kaum mehr als 30.000. "Dazu kommen etwa doppelt so viele Bären", sagt Sheila Dodd, die seit gut 20 Jahren in Yukon lebt.

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Karibus und Mücken

Wandernde Karibu-Herden können leicht aus mehreren Tausend Exemplaren bestehen. Ebenfalls zahlreich vertreten sind Elche und Moschusochsen - und Mücken von ungeheurer Schnelligkeit und Stechwut. "Die sind nur im Sommer da", sagt Sheila trocken. Dann allerdings sind sie in Schwärmen aktiv - Tag und Nacht. Der Sommer ist zum Glück nicht allzu lang: Er dauert nur ein paar Monate, und wie überall hoch im Norden geht dann die Sonne stets nur für kurze Zeit unter.

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Sonne tanken

In Inuvik, der nördlichsten Stadt Kanadas, bleibt es im Juni und Juli sogar rund um die Uhr hell. "Dafür ist es im Dezember komplett dunkel", sagt Gärtnerin Judith. Das Leben passt sich den Gegebenheiten an: Am frühen Morgen sieht man kaum Menschen auf den Straßen. Sie schlafen aus. Denn die Abende nehmen kaum ein Ende - Kanadas Nordlichter tanken Sonne, so viel und so oft sie können. Der Sommer ist auch die Zeit, in der die Ureinwohner vom Stamm der Inuvialuit und der Gwitch'in sammeln, was der Wald und die Ebenen hergeben - noch immer nach den Traditionen der Vorväter. Im Winter, der im Norden Kanadas Temperaturen von mehr als minus 40 Grad bringt, ist das Leben zwar wesentlich härter, aber er macht die Bewegung auf dem Mackenzie-Fluss und dem Polarmeer wesentlich einfacher. Dann ist zugefroren, was im Sommer die Gebiete trennt - die Kanadier richten meterdicke Eisstraßen ein, über die der Verkehr läuft.

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Die Insel im Polarmeer

Eine Insel gibt es im Polarmeer, das die Kanadier "Beaufort Sea" nennen, die etwa ein halbes Jahr lang tatsächlich eine Insel und während der restlichen Monate durch dickes Eis mit dem Festland verbunden ist: Herschel Island. Die Inuvialuit und ihre Vorfahren haben Qikiqtaruk, wie sie die Insel nennen, lange als Ausgangspunkt für Jagden und die Fischerei genutzt. 1826 betrat erstmals ein Europäer die Insel und benannte sie nach dem britischen Chemiker Sir John Herschel. Später kamen Walfänger hierher, die Krankheiten mitbrachten und die Ureinwohner damit nahezu ausrotteten. Heute fliegen im Sommer kleine Wasserflugzeuge Besucher nach Qikiqtaruk. Ganzjährig lebt dort inzwischen allerdings niemand mehr.


Der Dempster Highway

Für Touristen ist der äußerste Nordwesten Kanadas ein beliebtes Ziel - aber auch der Weg dorthin ist für viele ein großes Erlebnis. Von Whitehorse aus sind es rund 1200 Kilometer bis nach Inuvik. Der Klondike Highway, der in der Nähe von Dawson City in den Dempster Highway übergeht, führt durch unglaublich erscheinende Weiten. Die Berge sind hier mindestens so hoch wie die in den Alpen, und nur diese einzige Straße zerschneidet das ursprüngliche Land. Getankt wird, wo es Benzin gibt - also etwa alle 350 Kilometer in Orten wie Dawson City, Eagle Plains und Fort McPherson. Ähnlich sieht es mit dem Kauf von Nahrung und Wasser sowie mit Betten, Duschen und einem Erste-Hilfe-Kasten aus.


Nur lose Kieselsteine

Der "Dempster", wie die Einheimischen ihn abkürzen, ist weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Bis Dawson City bewegt sich die asphaltierte Straße in den Norden auf den Spuren der Goldsucher, die nach Yukon gingen und in ihren Claims noch heute nach Gold suchen. An einer Kreuzung, mitten in der Prärie, beginnt dann der "Dempster". Mit einer Autobahn ist der Highway jedoch nicht zu vergleichen. "Gravel Road", das ist das Wort der Kanadier für diese Straße, auf der lauter lose Kieselsteine liegen. Keine Begrenzungen, keine Leitplanken, keine Spuren - dafür aber gelegentlich ein Schild, wie weit das nächste Haus entfernt ist. Im Sommer, so berichten die Anwohner, sei der Verkehr auf dieser Straße stetig: "Dann kommt einem etwa alle 15 bis 30 Minuten ein Auto entgegen." Alle Fahrer, die auf dem "Dempster" unterwegs sind, grüßen sich. Und sie treffen sich in regelmäßigen Abständen - an den Plumpsklohäuschen alle paar Hundert Kilometer und an den besonders beeindruckenden Ausblicken in der arktischen Landschaft.

Am Polarkreis vorbei

Dan zum Beispiel ist hier auf seiner Harley unterwegs. Er ist schon vor zehn Jahren in Rente gegangen, um sich den Traum von der Freiheit auf dem Motorrad erfüllen zu können. Dan ist auf dem Weg in Richtung Süden. Die Grenze der Northwest Territories zum Yukon hat er passiert, doch dabei ist ihm ein Fehler unterlaufen, der ihm 50 Kilometer zu spät auffällt. "Ich habe die Markierung zum Polarkreis übersehen", erzählt er anderen Bikern in Eagle Plains, einer Kombination aus Hotel, Restaurant, Tankstelle, Hubschrauberlandeplatz, Waschanlage und Laden entlang des Weges. Das ärgert den 60-Jährigen, denn ein Bild von sich, seiner Maschine und dem farbenfrohen Polarkreis-Anzeiger hätte er gerne mit nach Hause genommen.


Ewig gefrorener Boden

Eigentlich fällt es schwer, auf dem Weg etwas zu übersehen - Seen, Flüsse, Berge und Täler sind nur von dieser einen Straße erschlossen und hinterlassen den Besucher überwältigt. Wer Glück hat, trifft entlang des Weges auf Elche, Bären, Biber oder Moschusochsen. Auch Wölfe und Kojoten leben in der arktischen Region, in der der Boden das ganze Jahr hindurch tief gefroren bleibt. In Orten wie Inuvik sind aus diesem Grund alle Häuser auf Stelzen gebaut. So können die Bewohner besser auf Änderungen in der Statik reagieren. Auch die Versorgungsleitungen laufen überirdisch, ebenfalls zum Schutz vor den harschen Klimabedingungen. Einzig die kleine Iglu-Kirche, das weltweit nördlichste katholische Gotteshaus namens "Notre Dame", steht auf eigens für den Bau planiertem Boden - ganz ohne Stelzen.

Kurze Nadelbäume

Im Nordwesten Kanadas wachsen überwiegend Nadelbäume, die für europäische Verhältnisse sehr kurz erscheinen. Das ist kein Wunder, sagen die Kanadier: Die Wurzeln können nicht tief in den Boden vordringen und finden im dauergefrosteten Erdreich auch kaum Nahrung. Dennoch ist die Flora an diesem entlegenen Ende der Welt alles andere als mickrig. Sogar einen botanischen Wetterfrosch haben die Menschen im "wahren Norden" Kanadas, wie Sheila Dodd erläutert: "Wir nennen das Fireweed - eine intensiv pinkfarbene Pflanze, die wie Unkraut am Wegesrand steht." An ihrem langen Stiel wachsen kleine Blüten, die von unten nach oben aufblühen, sobald das Wetter warm und sonnig genug ist. "Das beginnt im Juni, im August spätestens ist die Pracht dann wieder vorbei." Das ist dann das klare Zeichen für die Bewohner des Nordens, die Sonne noch zu genießen, die Winterausrüstung aber schon wieder in greifbare Nähe zu holen. "Denn wenn alle Blüten aufgeblüht sind, ist der Sommer zu Ende."

Hintergrundinformationen zu Kanada unter: Mein Kanada
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