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Kreuzfahrten: Piraten-Alarm im Golf von Aden

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Kreuzfahrten  

Piraten-Alarm im Golf von Aden: Riskante Routen für Kreuzfahrtreisen

11.03.2009, 14:30 Uhr | dpa-tmn

"MS Astor" (Foto: afp)"MS Astor" (Foto: afp)

Die Gäste der "MS Astor" sind im November 2008 womöglich nur knapp einem Piratenangriff im Golf von Aden entkommen. Warnschüsse einer deutschen Fregatte vertrieben eine Gruppe mutmaßlicher Freibeuter. Und die als Traumschiff bekannte "MS Deutschland" hat letzte Woche mit Geleitschutz der Bundesmarine die Piratengewässer im Golf von Aden durchquert. Piratenüberfälle auf Schiffe sind in dem Gewässer zwischen Afrika und Arabien an der Tagesordnung. Trotzdem gehen die Fahrten durch das Gebiet weiter, auch mit Kreuzfahrtschiffen. Die Region vor der Küste Somalias ist dabei nicht die einzige, in der es für Hochseeurlauber brenzlig werden kann. Und Piraten sind nicht die einzige Gefahr, die auf Schiffsreisen lauert.


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Warnung vor Reisen in den Golf von Aden

Das Auswärtige Amt in Berlin warnt ausdrücklich vor Reisen in den Golf von Aden: Dort bestehe ein "sehr großes Risiko von Piratenangriffen und Entführungen". Es komme nahezu täglich zu Piratenangriffen - mindestens zweimal auch auf Kreuzfahrtschiffe. Seeräuber treiben aber nicht nur zwischen Somalia und dem Jemen ihr Unwesen. Auch vor Malaysia wurden 2008 in der Straße von Malakka zahlreiche Piratenüberfälle registriert, teilt das Maritimbüro (IMB) der internationalen Handelskammer in Kuala Lumpur mit. Und vor Nigeria muss ebenfalls mit Überfällen auf Schiffe gerechnet werden.


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"Wir machen keine Himmelfahrtsreisen"

Dass Touristenreisen durch den Golf von Aden aus dem Programm genommen werden, sei derzeit aber "kein Thema", sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. Alternativ komme nur eine Umrundung Afrikas infrage - was bis zu 30 Tage länger dauern würde. Die Veranstalter weisen zugleich Vorwürfe zurück, dass sie mit solchen Fahrten das Leben der Passagiere in Gefahr brächten: "Wir machen keine Himmelfahrtsreisen", sagt Michael Schulze von Phoenix Reisen in Bonn. Sobald die Sicherheit gefährdet sei, würden den Gästen Alternativen angeboten. Auch Transocean Tours in Bremen will von einem Überfall auf die "MS Astor" nichts wissen: Piraten? Fehlanzeige. Offiziell ist nur von verdächtigen Schnellbooten die Rede, die auf das Kreuzfahrtschiff zufuhren. Die Gäste hätten von dem Vorfall nichts mitbekommen, weil er sich zu weit entfernt abspielte.

Fast keine Stornierungen

Generell sei die Stimmung unter den Urlaubern längst nicht so aufgeregt wie die öffentliche Diskussion, sagt DRV-Sprecherin Zeuch. Bislang gebe es nur wenige Anfragen wegen Stornierungen. Obwohl in der Region Kriegsschiffe aus aller Welt kreuzen, fahren Passagiere dorthin freiwillig in den Urlaub. Denn viele wollen auf ihre gebuchten Fahrten zu Traumzielen wie den Seychellen oder den Malediven nicht verzichten, sagt Schulze. Und wer dorthin auf direktem Weg fährt, komme an den Piratengebieten nicht vorbei. Das Problem sei außerdem nicht neu, sagt Schulze: "Erfahrene Kreuzfahrturlauber kennen das schon." Auch seien Kreuzfahrtschiffe längst nicht so gefährdet wie Frachter. Sie seien zum einen höher und ließen sich nicht so leicht entern. Und sie führen schneller als viele der alten Tanker im Golf von Aden. So dauere die Durchfahrt durch das Piratengebiet weniger als 30 Stunden, erklärt Zeuch. Auch habe es seit dem Beginn der EU-Mission "Atalanta" Mitte Dezember eine deutliche Verbesserung der Sicherheitslage gegeben, sagt Hansjörg Kunze von Aida Cruises in Rostock. So habe sich die Zusammenstellung von begleiteten Konvois als wirkungsvoll erwiesen.

Geleitschutz für Kreuzfahrtschiffe

In der Tat war der Golf von Aden lange nicht so gut beschützt wie derzeit: Dort patrouillieren neben europäischen Kriegsschiffen auch Marineeinheiten aus China und den USA. Einige Anbieter haben dennoch reagiert: Bei vielen Veranstaltern sei im Gespräch, die Passage ohne Gäste an Bord zu fahren, sagt Zeuch. Auch würden Gäste stets vorab über die Sicherheitswarnungen des Auswärtigen Amtes informiert. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten etwa will keine Passagiere mehr durch den Golf von Aden fahren, solange die Lage unverändert ist. Die Reederei hatte schon im Dezember die Gäste der "MS Columbus" im Jemen aussteigen lassen und nach Dubai geflogen, während das Schiff das Piratengebiet passierte. Als nächstes schickt sie die "MS Europa" Ende April auf dem Weg nach Zypern durch das Gewässer. Auch die "MS Vistamar" von Plantours & Partner hat das Gebiet leer durchfahren, während die Gäste im Sanaa im Jemen untergebracht wurden. Phoenix Reisen will Passagieren zumindest anbieten, sich ausschiffen zu lassen, wenn die "Amadea" Ende März durch den Golf von Aden fährt - nachdem das Schiff zuvor schon die Straße von Malakka besucht hat.

Auch Expeditionsreisen sind gefährlich

Piraten sind aber nicht die einzige Gefahr, die auf Kreuzfahrten droht: Auch Expeditionsreisen können riskant sein. In der Antarktis ist 2007 ein Schiff nach der Kollision mit einem Eisberg sogar gesunken. Beim Untergang der "Explorer" kam nur deshalb niemand ums Leben, weil ein anderes Kreuzfahrtschiff rechtzeitig zu Hilfe kam. Und im Februar 2009 waren die Gäste der "Ocean Nova" gut 30 Stunden lang mit dem Kreuzfahrtschiff gefangen, als es sich im Packeis der Antarktis festgefahren hatte. Erst durch eine dramatische Rettungsaktion bei stürmischer See und Temperaturen um null Grad konnten sie auf ein anderes Schiff in Sicherheit gebracht werden. Wer eine Weltreise machen will, könne eben nicht nur in völlig sichere Gegenden fahren - denn so sei die Welt nun mal nicht, sagt Schulze. So viel Realitätssinn mag ja vernünftig sein - im Urlaub dürfte mancher auf diese Erkenntnis aber wohl lieber verzichten.


Weitere Informationen Stornierungen wegen Piratengefahr sind nicht immer kostenlos. Urlauber können kostenfrei stornieren, wenn eine Reise aufgrund unvorhersehbarer höherer Gewalt erheblich gefährdet wird. Dafür sei eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ein deutliches Indiz, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wenn Gäste zwischendurch ausgeschifft werden und dann gar nicht durch das betroffene Gebiet fahren, sehe es aber anders aus: "Dann ist die Gefahr ja ausgeräumt." Allerdings lasse sich der Reisepreis mindern, wenn die Route sich ändert und die Leistungen geringer ausfallen als vorgesehen. "Wenn also plötzlich statt fünf nur noch drei Landgänge auf dem Programm stehen, ist das zumindest ein Mangel, der sich reklamieren lässt." Internet: www.auswaertiges-amt.de; www.icc-ccs.org.


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