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"Costa Concordia": Ende der Illusion von absoluter Sicherheit

18.01.2012, 16:04 Uhr | Gespräch: Michael Zehender, dpa-tmn

Costa Concordia: Ende der Illusion von absoluter Sicherheit. Dieses Verhalten kann Ihr Leben retten (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dieses Verhalten kann Ihr Leben retten (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die "Costa Concordia" ist havariert - und mit ihr eine Illusion in den Tiefen des Meeres vor Italien versunken. Die Ozeanriesen galten unter Touristen bislang eigentlich als absolut sicher. Doch Experten wissen schon lange: "Kein Schiff ist unsinkbar", sagt Sven Dreeßen, Professor für Maritime Verkehrssicherheit von der Hochschule Wismar, im Gespräch mit dem dpa-Themendienst.

Welches Schiff hätte das überstanden?

Rund 70 Meter lang ist der Riss im Bug der "Costa Concordia". "Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte dies kein Schiff überstanden", so Dreeßen. Also auch keines mit den neuesten Sicherheitsstandards. Das Unglücksschiff war 2004 auf Kiel gelegt worden. Damals galt noch eine alte Berechnungsmethode für die Sicherheit von Schiffen. Konkret bedeutet das: Eine bestimmte Anzahl abgetrennter Schiffsabteilungen darf mit Wasser volllaufen und das Schiff muss trotzdem stabil bleiben.

Sicherheit mit einer Wahrscheinlichkeitsmethode berechnet

Seit 2009 wird die Sicherheit laut Dreeßen mit einer Wahrscheinlichkeitsmethode berechnet. Dieses probabilistische Verfahren basiert auf der Berechnung der Wahrscheinlichkeit, ob ein Schiff nach einem Leckschlagen überlebt. "Auch ein Schiff, das mit dieser neuen Methode berechnet wurde, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit gekentert", ist sich Dreeßen sicher. "Die Illusion der hundertprozentig sicheren Kreuzfahrt ist damit geplatzt." Bereits die Titanic, die nun so oft als Vergleich herhalten muss, war in mehrere Kammern unterteilt. "Diese waren jedoch nicht wie heute wasserdicht voneinander getrennt", erklärt Dreeßen. Seit der Katastrophe vor 100 Jahren hat sich im Schiffsbau vieles verändert, zahlreiche neue Sicherheitsstandards sind hinzugekommen. Und die Entwicklung ist laut Dreeßen noch lange nicht am Ende.

Ufer war sehr nah

Von Glück können die Passagiere in den Augen von Dreeßen reden, dass sich die Katastrophe so nahe vor der Küste ereignete. "Viele Gerettete konnten einfach ans nahe Ufer schwimmen", so Dreeßen. Weitere Strecken in dem kalten Wasser hätten nicht so viele Menschen überlebt. Zumal der Experte eine eklatante Sicherheitslücke auf den Kreuzfahrtschiffen ausgemacht hat: Während auf Frachtschiffen die Quote von Rettungsmitteln bei 300 Prozent liegt - sprich für jeden Passagier gibt es zum Beispiel drei Plätze in Rettungsbooten - liegt die Quote auf Kreuzfahrtschiffen gerade einmal bei 125 Prozent. Je 50 Prozent decken die Rettungsboote auf beiden Schiffseiten ab, 25 weitere Prozent die Flöße. Doch bekommt das Schiff starke Schlagseite, ist unter Umständen eine Seite komplett außer Gefecht gesetzt. "Dann verbleiben nur noch 75 Prozent", verdeutlicht Dreeßen. "Hier wäre ein Umdenken sicherlich mehr als wünschenswert." Trotz aller durch das aktuelle Unglück ausgelösten Sicherheitsdebatten: Kreuzfahrtschiffe sind in Dreeßens Augen die sichersten Verkehrsmittel im Wasser. Legt man jeweils zwei Wochen als Dauer für eine Kreuzfahrt zugrunde, müsste ein Urlauber 164 000 Fahrten unternehmen, um statistisch betrachtet bei einem Schiffsunglück umzukommen.

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