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"MS Europa 2": Testfahrt für das neue Kreuzfahrtschiff

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Testfahrt für das neue Kreuzfahrtschiff "Europa 2"

06.05.2013, 10:49 Uhr | Antje Blinda, Spiegel Online

"MS Europa 2": Testfahrt für das neue Kreuzfahrtschiff. Die "Europa 2" ist das neueste Kreuzfahrtschiff der Hapag Lloyd Kreuzfahrten (Quelle: Hapag Lloyd Kreuzfahrten)

Die "Europa 2" ist das neueste Kreuzfahrtschiff der Hapag Lloyd Kreuzfahrten (Quelle: Hapag Lloyd Kreuzfahrten)

Der Fünf-Sterne-Kreuzer "Europa 2" ist auf dem Weg zu seiner Taufe in Hamburg. Die Crew an Bord des luxuriösen Neubaus von Hapag-Lloyd arbeitet auf Hochtouren: Es gilt, vermisste Backbleche aufzuspüren, Dampfsaunen zum Dampfen zu bringen und bloß nicht seekrank zu werden. Sehen Sie Eindrücke der "Europa 2" auch in unserer Foto-Show.

Gesamtes Schiff im Testbetrieb

"Sitzen Sie kommod?" Stefano schiebt den Stuhl noch ein wenig näher an den Tisch und legt dem Gast eine weiße Serviette auf den Schoß. Vor dem Gedeck steht eine grasgrüne exotische Blüte, in Form und Farbe passend zum überdimensionalen Kronleuchter darüber. Ringsherum wachen Stewards aufmerksam, dass das Wasser in den grasgrünen Gläsern und das Focaccia-Brot auf dem Teller nicht ausgehen. Hinter hohen Fenstern ziehen Frachter und die Küste Englands vorbei. Es ist Mittagszeit im Serenissima auf Deck acht der "Europa 2", und das Restaurant nur locker besetzt. Wie das gesamte Schiff befindet sich das Serenissima in einer Art Testbetrieb - noch schlürft der Pool auf Deck acht auf ohrenbetäubende Weise, ein Dutzend Techniker stehen im Flur auf Deck neun etwas ratlos vor einem Loch in einer Wandpaneele. Und die Schiffsplanken werden zum dritten Mal am Tag energisch geschrubbt. Erst vor einer Woche wurde der Neubau von der Werft STX an Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in St. Nazaire übergeben, und in einer Woche tauft die Hamburger Reederei ihr neues Flaggschiff in der Hansestadt.

Anspruchsvolle Gäste erwartet

Dann wird es ernst. Denn dann kommen zur Jungfernfahrt die ersten Kunden an Bord - und die sind anspruchsvoll. Immerhin haben sie die Schwester der "Europa" gebucht, des "besten Kreuzfahrtschiffes der Welt", wie der Berlitz-Kreuzfahrtführer Jahr für Jahr urteilt. Die Reederei hat Lampenfieber, denn Luxus will sie auf ihrem 516 Gäste fassenden Neuling anders als bisher buchstabieren: legerer, moderner. Und für eine in Deutschland neue Kreuzfahrt-Zielgruppe, den betuchteren Plus-45-Jährigen, die im Schnitt 600 Euro pro Tag und Person bezahlen wollen. Auf der "Europa 2" gibt es für sie kein Kapitänsdinner, denn Luxus ist für viele Berufstätige das Gegenteil: die Freiheit von Krawatten- und Smalltalk-Zwang.

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Große Räume und Suiten

Luxus sei Raum, sagen dazu die Designer und entwarfen Suiten ab 28 Quadratmeter und ein Deck für Empfang, Theater und Restaurants mit der für ein Schiff ungewöhnlich großen Höhe von 3,50 Meter. Luxus sei ein Schiff, das sich gut lenken lässt, sagt der Kapitän und ist begeistert, wie "gutmütig die 'Europa 2' die vier bis fünf Meter hohen Wellen auf einer Probefahrt hinnahm". Luxus sei, sagt die Pressesprecherin, dass das Schiff viele der kleineren Häfen weltweit anlaufen kann wie etwa Portofino. Luxus sei, sagt die Hoteldirektorin, wenn man sich um nichts kümmern muss - die Crew macht es schon.

Crew muss sich noch finden

Die Crew allerdings, zusammengewürfelt aus Neulingen und erfahrenen Seeleuten der Hapag-Lloyd-Flotte, muss sich vor ihrem Stopp in der Hansestadt erst mal finden. Seit Mitte April auf der Werft, schrubben und sortieren die mehr als 370 Menschen an Bord und werden immer wieder bei Sicherheitsübungen gedrillt - zum Teil geplagt von Seekrankheit, noch bevor das Schiff das Hafenbecken von St. Nazaire verlassen hatte. Die Mannschaft muss lernen, wie ein Uhrwerk zusammenzuarbeiten, sagt Stefan Wilke, einer der beiden Küchenchefs der Startphase. In sein Reich gelangen Stewards wie Stefano mit einem Fußtritt, gegen einen Schalter neben einer Tür, der sich auch mit Tabletts in der Hand bedienen lässt. Dahinter geht es auf einer Rolltreppe abwärts. Töpfe scheppern, Maschinen brummen, bis zu 66 Köche und Küchenhilfen wirbeln hier - die gelassene Ruhe der Gänge auf Deck acht scheint weit weg. Die stählerne Welt der Großkombüse funktioniert im Kreisverkehr. Im Uhrzeigersinn laufen die Schiffskellner die Stationen mit Salat und Käse, für Fleisch, Fisch und Gemüse ab und beladen ihre Tabletts.

So manches ist noch nicht am rechten Fleck

Nicht nur mit Menüs entwerfen, Konflikte besänftigen und Ruhepausen verordnen ist Wilke zurzeit beschäftigt, sondern auch mit Suchen: Eine ganze Palette schon vermisster Ofenbleche fand er in der Bibliothek. Immerhin 150 Lkw-Ladungen an Ausrüstung wurden nach der Übergabe ins Schiff geladen, so manches ist bisher noch nicht am richtigen Ort: Schnitzeljagd auf einem Luxusschiff. Hier unten zieht es wie Hechtsuppe. "Die Klimaanlage ist brutal", sagt der 33-jährige Wilke, dem seine weiße Kochjacke mit Emblem über dem Bauch spannt. "Ich wollte nur Fleisch würzen, da wehte es mir doch glatt das Salz weg." Wie so vieles an Bord ist dies noch eine Frage der Justierung.

TV im Spiegel, Badewanne mit Blubber

Einige Decks höher liegt in der Suite 656 Heiko Haitsch auf den Knien im Dampfbad. "Hören Sie es rascheln?", fragt der blonde Butler mit dem weichen Gesicht und der atemlosen Freundlichkeit. Ja, es tut sich was im Auslass kurz über dem Boden. Es duftet nach Menthol, bald sollte es dampfen. Vom Badezimmer aus blickt man durch eine Fensterscheibe auf Bett- und Sofalandschaft, auf die Veranda - und gerade auf den Ärmelkanal. Der 46-Jährige versucht, den Gästen seiner acht Spa-Suiten die Hightech-Anlagen nahezubringen. Dabei gilt es, auch den Whirlpool mit Blubber und Wellen, Lichtschalter mit 14 verschiedenen Funktionen, Wlan, TV im Spiegel und die Espressomaschine zu verstehen. Und wo in den unzähligen, von außen nicht zu erkennenden Schubladen war der Fön, wo der Abfalleimer? Zwar wäre hier eher das Verständnis der Smartphone-Generation gefragt. Auch mit den Tücken internationaler Hotels vertraute Reisende könnten es schaffen - alle anderen brauchen Heiko. Vor allem wohl das bisherige 70-plus-Stammpublikum der "Europa", das zu hundert Prozent die Gäste der Jungfernfahrt stellt.

Seeanemone an der Decke

Einfacher ist es da, sich in den sieben Restaurants, im Herrenzimmer oder im Spa-Bereich in Polster und auf Liegen fallen und bedienen zu lassen. Mutig, außerordentlich harmonisch und eher nach dem Geschmack vieler ab 45-Jähriger gestaltet sind etwa das "Weltmeere" und der Jazzclub. Da hängt ein gigantischer Leuchter an der Decke, wie eine tiefrote Seeanemone, die ihre Tentakel zu den tafelnden Gästen ausstreckt. Wie Strahlen legen sich Lichtbögen an der Decke um eine Bühne, auf der am Abend die Band "Blue Express" Füße im Takt wippen lässt.

Auch der Kapitän mag sein Schiff

Und wenn im zweistöckigen Theater am Bug die Show "Air" beginnt, sehen die gebannten Zuschauer nicht nur eine Truppe Artisten, die sich um Stangen, Seile und Tücher schlingen. Sondern auch eine LED-Wand, auf der Wolken vorbeiziehen und die Künstler in Schwarzweiß in Nahaufnahme zu sehen sind. "Luftig, schöne Farben", auch dem nüchternen Kapitän Jan Akkermann, der auf der Brücke noch über den Luftakrobaten thront, gefällt sein Schiff. Viel wichtiger ist ihm im Augenblick jedoch eins: "Als St. Nazaire am Horizont verschwand, war das der schönste Moment bisher!", sagt der hochgewachsene, etwas spröde Niedersachse und lächelt glücklich. Endlich der eigene Herr sein, endlich Kurs auf Hamburg nehmen. Und auf die Taufe.

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