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Kreuzfahrt: Streit um Zwangstrinkgelder

13.08.2013, 11:55 Uhr | Hans-Werner Rodrian, srt

Kreuzfahrt: Streit um Zwangstrinkgelder. Guter Service an Bord sollte belohnt werden - aber wie? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Guter Service an Bord sollte belohnt werden - aber wie? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Gericht hat eine Reederei dazu verurteilt, obligatorische Trinkgelder in den ausgeschriebenen Reisepreis zu inkludieren. Wir haben zusammen gestellt, welche Summen und Varianten üblich sind. Sind Sie gegen oder für ein fixes Trinkgeld auf Kreuzfahrten? Stimmen Sie rechts ab!

Ungefragt Trinkgeld von Kreditkarte abgebucht

Für guten Service gibt man gern ein gutes Trinkgeld. Das gilt auch auf Kreuzfahrten. Doch auf hoher See vertrauen manche Reedereien offenbar nicht der freiwilligen Großzügigkeit ihrer Passagiere. So helfen sie nach und buchen täglich ungefragt von der Kreditkarte feste Summen für die Trinkgeldkasse des Personals ab. Das sorgt nicht nur bei den Gästen für Unmut. Auch die Verbraucherschützer laufen dagegen Sturm. Nun hat erstmals ein Gericht diese Vorgehensweise untersagt.

Manchmal ist das Trinkgeld ausdrücklich inbegriffen

Eigentlich sollten Trinkgelder ja etwas Freiwilliges sein. Doch in der amerikanisch geprägten Kreuzfahrtbranche waren sie das nie. Wie der US-Kellner an Land im Restaurant oder Hotel auf seine 15 bis 20 Prozent Trinkgeld angewiesen ist, weil er nur ein lächerliches Fixgehalt bezieht, so ist es auch bei den Stewards auf dem Wasser. Nur ganz wenige Reedereien wie Tui Cruises und Crystal Cruises inkludieren im Rahmen ihrer All-inclusive-Konzepte ausdrücklich auch das Trinkgeld. Beim deutschen Marktführer Aida ist das Trinkgeld laut AGB ebenfalls inbegriffen. Am Ende der Fahrt stehen dann aber doch Sammelboxen für den "Tipp" bereit.

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Zwischen 7 und 13,50 Dollar pro Reisetag

Die meisten Reedereien schreiben dagegen mehr oder weniger deutlich in ihre Reiseunterlagen, dass und wie viel der Urlauber an Trinkgeld zu geben hat. Bei Cunard Line auf der "Queen Mary" und der "Queen Victoria" sind es zwischen 11,50 und 13,50 Dollar pro Reisetag. Bei Transocean auf der MS Astor werden sieben bis zehn Euro pro Passagier und Tag empfohlen. Für Deilmanns MS Deutschland sind zehn Euro pro Person und Tag zu veranschlagen. Star Clippers nennt einen Richtwert von acht Euro pro Tag und Gast, der ganz klassisch per Kuvert am Ende der Reise übergeben werden kann.

Automatische Trinkgeldbelastung

Diese althergebrachte, distinguierte Art ist freilich nicht mehr überall selbstverständlich. Und so buchen andere Gesellschaften das Trinkgeld gleich automatisch vom Bordkonto und damit von der Kreditkarte des Passagiers ab. FTI hält auf der "FTI Berlin" fünf Euro pro Tag für angemessen und belastet das Konto auch gleich mit dieser Summe. Celebrity bucht in der Option "Select Dining" zwölf Dollar täglich ab, Disney Cruises zieht die gleiche Summe auf allen Kreuzfahrten ein. Seit März dieses Jahres ist auch Royal Caribbean Cruise Lines zur automatischen Trinkgeldbelastung übergegangen und bucht täglich zwischen zwölf und 14,25 Dollar ab. Alle genannten Reedereien versichern, dass das Geld in voller Höhe dem Personal zugute kommt. Zumindest offiziell steht es den Passagieren auch frei, den Betrag nach unten abzuändern, wenn sie mit dem Service nicht zufrieden waren.

Trinkgeld wird nun "Servicepauschale" genannt

Das ist bei der neuesten Variante nicht mehr so leicht der Fall: Einige Schwergewichte der Branche haben das klassische Trinkgeld in "Servicepauschalen" oder "Service-Entgelt" umbenannt. NCL berechnet eine "Servicepauschale" von zwölf Dollar pro Tag, Costa belastet das Bordkonto mit täglich acht Euro "Serviceentgelt", MSC berechnet unter dem gleichen Namen sieben Euro pro Tag und Gast. Sowohl MSC als auch Costa haben die Aussage, dass diese Gebühren dem Personal zugute kommen, mittlerweile aus ihren AGB gestrichen. Stattdessen formuliert etwa MSC: "Die Erhebung des Service Entgelts für Hoteldienstleistungen dient der Erhaltung des hohen Qualitätsstandards der an Bord gebotenen Serviceleistungen."

848 statt 799 Euro sind es inklusive Serviceentgelt

Diese Veränderung hat offenbar die Verbraucherschützer auf den Plan gerufen. Der Verband Sozialer Wettbewerb klagte vor dem Landgericht München gegen eine Reiseausschreibung mit der "MSC Poesia", bei der die Reise "Der Zauber des Nordens" für 799 Euro angeboten wurde. Erst ganz am Ende der Anzeige wurde mit einer Sternchen-Fußnote auf das zusätzliche Serviceentgelt hingewiesen: Pro Person und "beanstandungsfrei an Bord verbrachter Nacht" seien zusätzlich sieben Euro zu bezahlen. Somit hätte die Reise in Wirklichkeit mindestens 848 Euro gekostet.

Gericht: Kunde hat Recht auf Geiz

Das hielt nicht nur der Wettbewerbsverband für eine Umgehung der Endpreisvorschrift. Auch das Gericht hielt der Reederei vor, dass ihr Serviceentgelt nichts mehr mit einem freiwillig gegebenen Trinkgeld zu tun habe. Kunden müssten auch geizig sein dürfen, so der Vorsitzende Richter, und das Recht haben, trotz perfekter Reiseleistung kein Trinkgeld zu geben. Das Serviceentgelt sei dagegen bei Zufriedenheit Pflicht. Wenn der Kunde nur im Fall einer Beanstandung das Serviceentgelt wieder zurück bekomme, dann stelle das bereits eine Art "pauschalierter Minderung" des Reisepreises dar, stellten die Richter fest und untersagten diese Praxis. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. MSC hat angekündigt, "bis zur letztinstanzlichen Prüfung an der bisherigen Preisausschreibung ... festzuhalten".

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