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Auf der Flucht vor den Flüchtlingen

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Krise im Mittelmeer  

Reedereien ändern Routen wegen Flüchtlingen

07.03.2016, 12:58 Uhr | Simone F. Lucas/srt

Auf der Flucht vor den Flüchtlingen . Dieses Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen von Marmaris (Türkei). (Quelle: srt/Archiv)

Dieses Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen von Marmaris (Türkei). (Quelle: srt/Archiv)

Das Mittelmeer ist für die Reedereien zur Krisenregion geworden. Sie meiden die Flüchtlingsrouten und unsicheren Gebiete. Die Folge sind Umroutungen.

Am 3. Oktober 2013 sank vor der Insel Lampedusa ein Kutter mit 545 Menschen aus Somalia und Eritrea an Bord. Rund 390 Insassen ertranken. Zweieinhalb Jahre sind seit diesem "Weckruf" vergangen - und das Mittelmeer ist längst zum Friedhof geworden. Inzwischen umfahren viele große Kreuzfahrtschiffe nicht nur die Kriegs- und Krisengebiete im Nahen Osten und im Norden Afrikas; sie meiden auch die üblichen Flüchtlingsrouten. Laut internationalen Vereinbarungen sind auch Kreuzfahrtschiffe dazu verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen. 

"Flüchtlinge sind schlecht für das Kreuzfahrtgeschäft"

Arnold Donald, Geschäftsführer von Carnival Cruises, erklärte vor einem halben Jahr in einem Interview, Flüchtlinge auf dem Mittelmeer seien schlecht für das Kreuzfahrtgeschäft. Bilder mit überfüllten Flüchtlingsbooten und Toten am Strand würden die Kunden abschrecken. Außerdem habe Carnival im Jahr 2015 zweimal Bootsflüchtlinge an Bord nehmen müssen. 

Fast hellsichtig mutet da die Kritik von Tom Holert und Mark Terkessidis im 2006 erschienenen Buch "Fliehkraft" an, es gebe ein "verbreitetes Bedürfnis", am liebsten erst gar nicht über derartige Begegnungen und Zusammenhänge nachzudenken. "Die Räume, in denen sich Migranten bewegen, und die Räume, in denen Touristen reisen, sie sollen, sie dürfen sich nicht verschränken." 

Reedereien meiden die Türkei

In den vergangenen Wochen sagten mehrere Reedereien wegen der unsicheren Lage auch ihre Stopps in der Türkei ab. Bei einem Terroranschlag in Istanbul waren am 12. Januar elf deutsche Touristen getötet worden, die erneuten Attentate in Ankara und in Ostanatolien verunsichern die Reisenden zusätzlich. Aida hat alle Kreuzfahrten im östlichen Mittelmeer von Aida Stella abgesagt und das Schiff in das westliche Mittelmeer verlegt. Auch das Schwesterunternehmen Costa Crociere hat die Anläufe in der Türkei gestrichen: Die Costa Neo Riviera wird zwischen 28. März und 8. November statt Istanbul das griechische Rhodos ansteuern. 

Schiffe sind flexibel und können Gefahrenzonen umfahren Tui Cruises allerdings will an ihren ab April geplanten Mittelmeerpassagen mit Stopps in Istanbul, Marmaris und Kusadasi festhalten. Pressesprecherin Friederike Grönemeyer stellt dazu klar: "Die Sicherheit von Gästen und Besatzungsmitgliedern hat für Tui Cruises jederzeit höchste Priorität." 

Für die türkischen Häfen, die die "Mein-Schiff"-Flotte in den kommenden Monaten anlaufe (zum Beispiel Antalya, Bodrum), sei aber von staatlichen Stellen bislang keine neue Sicherheitslage festgestellt worden. "Daher halten wir derzeit an den geplanten Fahrtrouten fest. Sollte sich die Situation vor Ort verändern, werden wir die Lage neu bewerten, entsprechende Maßnahmen ergreifen und unsere Gäste frühzeitig darüber informieren." 

Schiffe sind flexibel

Dass Umroutungen nicht ganz problemlos sind, darauf weist Kreuzfahrtexperte John Will hin. Schließlich gebe es Urteile dazu, wie viele Prozente vom Reisepreis zu erstatten sind, wenn ein relevantes Highlight wegfällt. Und: "Es ist logistisch ein riesiges Brett, wenn Start- und Zielhafen betroffen sind." Allerdings, gibt Will zu bedenken, seien Schiffe flexibel und könnten Gefahrenzonen umgehen. Die Passagiere hätten den Vorteil, dass die Reederei sie aus Krisenregionen herauslotsen könne und trotzdem den Großteil des Urlaubsversprechens einlöse. 

"Jede Reederei trifft diese Entscheidung für sich selbst und auf der Grundlage der Routenplanung," erklärt Helge Grammersdorf, National Director der Cruise Lines International Association Deutschland (Clia), die sich als Stimme der Kreuzfahrtindustrie sieht. Auch Grammersdorf betont, dass die Sicherheit von Passagieren, Besatzungen und Schiffen die höchste Priorität habe. Die Mitgliedsreedereien von Clia beobachteten und bewerteten die Sicherheitslage auf ihren Reiserouten kontinuierlich und stünden in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt und anderen nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden. Grammersdorf: "Auf Grundlage aller Informationen entscheiden die Reedereien über mögliche Fahrplananpassungen - wenn notwendig auch sehr kurzfristig." 

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