Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Kreuzfahrten >

Die Meyer Werft ist die Geburtsstätte der Kreuzfahrtschiffe

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Papenburg  

Geburtsstätte der Ozeanriesen

15.10.2016, 13:31 Uhr | Christian Boergen/srt

Die Meyer Werft ist die Geburtsstätte der Kreuzfahrtschiffe. In der Meyer Werft werden riesige Schiffe gebaut. (Quelle: C. Boergen)

In der Meyer Werft werden riesige Schiffe gebaut. (Quelle: C. Boergen)

Stets ist es ein Spektakel, wenn Kreuzfahrtriesen von der Papenburger Meyer Werft ins offene Meer fahren. Begleitet von Fernsehkameras und Zuschauern auf Liegestühlen, schieben sich die Stahlkolosse zentimeterweise durch die aufgestaute Ems über Emden in die Nordsee. Schauen Sie sich Impressionen auch in unserer Foto-Show an.

Gerade ist die "Genting Dream" an Dream Cruises in Hongkong gegangen, im Frühjahr 2017 folgt die "Norwegian Joy", im Herbst die "World Dream". Jahr für Jahr strömen etwa 250.000 Interessenten ins Besucherzentrum der 40 Kilometer von der Küste entfernten Werft. Bei jedem Stapellauf ist hier Hochsaison. 

Liegt ein neues Schiff vor der Meyer Werft im Hafen, gibt es sogar Wartezeiten, berichtet Christoph Assies zum Auftakt einer Führung, die hier im Halbstundentakt stattfinden. Karten sind nur nach Voranmeldung bei Papenburg Marketing erhältlich, inklusive kostenlosem Bustransfer aus dem Stadtzentrum. Dafür stehen nun alle staunend vor den Panoramafenstern des 2015 modernisierten Besucherzentrums der Werft. Dahinter wachsen die 20 Decks der "Norwegian Joy" in die Höhe. Allerdings bauen die Papenburger den Kreuzfahrtriesen für die Norwegian Cruise Line in Schwimmteilen von je 120 Metern Länge, die erst später zusammengeschweißt werden, informiert Assies. 

Das geschieht im Blockbauverfahren, bei dem kleine Teile vorgefertigt und zu immer größeren Einheiten zusammengesetzt werden. Der Werftführer weist auf die betonierte Blockbaufläche links vom Trockendock, wo vorproduzierte Teile und Aufbauten der "Norwegian Joy" auf die gigantischen Kräne unter der Decke warten. "Mit 800 Tonnen hat der Kaiseradler die größte Tragkraft", weiß Assies. Der stählerne Whirlpool mit den sechs Stufen würde den Giganten wohl unterfordern, die Heckpartie mit dem Flaggenmast der "Joy" scheint eher sein Fall zu sein. "Acht bis zehn Sektionen ergeben einen Block, 75 Blöcke ein Schiff", erinnert die Erläuterung an das Spielen mit Legosteinen. 

Beeindruckende Dimensionen

Auch die Dimensionen der Halle, die Assies als "größtes überdachtes Baudock der Welt" vorstellt, beeindrucken: Sie ist 75 Meter hoch, 125 Meter breit und wurde 2008 auf 504 Meter verlängert. Ein Breitwandfilm erinnert im Besucherzentrum an Wilm Rolf Meyer, den Enkel eines Schiffszimmermanns, der 1795 die Papenburger Werft gründete und 60 Holzschiffe baute. Meyer ist als einzige von damals 23 Papenburger Werften bis heute in Betrieb. 

Ab 1870 begann das innovative Unternehmen, Schiffe aus Metall zusammenzusetzen. Im Auftrag der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts lieferte Familie Meyer 1913 die "Graf Goetzen" in Einzelteilen nach Ostafrika, wo der Passagierdampfer montiert wurde. Dort befährt das aus dem Film "African Queen" bekannte Schiff als "Liemba" immer noch den Tanganjikasee, obwohl es 1917 vor den heranrückenden Briten versenkt wurde. Im Zweiten Weltkrieg ereilte die "Elbe I" bei der Bombardierung der Meyer Werft ein ähnliches Schicksal. Die Papenburger bargen das versenkte Feuerschiff jedoch und lieferten es 1948 aus. Als Cuxhavener Museumsschiff ist es weiter fahrtauglich. 

Der Durchbruch eines Familienunternehmens

Der internationale Durchbruch gelang dem Familienunternehmen 1955 mit dem Kombischiff "Mauritius", das neben Passagieren auch Vieh und Stückgüter transportieren konnte. Als erstes Kreuzfahrtschiff wurde die inzwischen als "Thomson Dream" bekannte "Homeric" 1986 noch seitlich zu Wasser gelassen. In blaues Licht getaucht, präsentiert das Besucherzentrum eine ganze Kreuzfahrtflotte im Maßstab 1:100. Darunter sind die "Aida Luna" für 2050, die Norwegian Getaway für 3963 und Royal Carribbeans "Quantum of the Seas" für 4905 Passagiere - alle made in Papenburg. 

Eine Weltkarte zeigt live die Positionen sämtlicher bei Meyer gebauten Schiffe. Leicht verkleinerte Kabinen geben Einblick in die unterschiedlichen Philosophien der Reedereien. Das Konzept des Besucherzentrums stamme vom Bremer Erlebniskontor, das auch für BMW, den FC Bayern und den VfL Wolfsburg tätig war, ergänzt Assies. Das Modell der Kühleinheit eines Maschinenraums habe das Bremer Bühnenhaus ebenso gebaut, wie TV-Kulissen für "Tatort"-Krimis. Wandtafeln vermitteln, dass 3140 Arbeitskräfte direkt für die Meyer Werft tätig sind, mittelbar sogar 21.000. Seit 1997 gehört die Rostocker Neptun-Werft zum Konzern. In Finnland wurde STX komplett übernommen und in Meyer Turku Oy umbenannt. Dort arbeiten 1350 Menschen, unter anderem für Tui Cruises. 

Derweil präsentiert der Werftführer das Fenster zur Baudock-Halle 1, wo von 2007 bis 2013 sieben Aida-Schiffe, darunter Diva, Blu und Stella, montiert wurden. Gegenwärtig werden nur Bauteile in der 1987 errichteten, 382 Meter langen, 40 Meter breiten und 60 Meter hohen Halle zusammengefügt. Ab 2019 sollen hier Schiffe der britischen Saga Cruises für 1000 Passagiere entstehen. 

Umweltaspekte sind Assies besonders wichtig

Bereits seit Jahren installiert Meyer Entschwefelungsanlagen, sogenannte Scrubber. Der Wulstbug der "Norwegian Joy" fördert den Auftrieb und reduziert die Bugwelle, was zehn Prozent Treibstoffersparnis bringt. Als erste Werft baue Meyer für die Aida-Mutter Carnival Cruises sogar Kreuzfahrtschiffe mit reinem Flüssiggasantrieb. Die Besichtigungstour endet mit dem emotionalen Film "Sinfonie der Meere", dessen Zuschauer auf nachempfundenen Deichen das Ausdocken und eine Emsüberführung miterleben. Haben sie den geräumigen Andenkenladen am Ausgang passiert, stehen sie vor der Baustelle des neuen Technologie- und Forschungszentrums, mit dem die Meyer Werft ihre führende Rolle behaupten will. 

Weitere Informationen: 

  • Papenburg Marketing, Ölmühlenweg 21, 26871 Papenburg, Tel. 04961/8396-0 (April bis Oktober 9 bis 17, sonntags 9 bis 14 Uhr, November bis März sonntags nicht), www.papenburg-tourismus.de; Tourist-Information im Zeitspeicher; Pauschalpaket "Besuch bei den Ozeanriesen" mit 2 ÜF, Drei-Gang-Menü am Anreisetag, Meyer-Werft-Besichtigung und Zeitspeicher ab 95 Euro pro Pers. 
  • Emsland Touristik, Ordeniederung 2, 49716 Meppen, Tel. 05931/442266 (montags bis freitags 8.30 bis 17 Uhr), www.emsland.com
  • Meyer Werft, Industriegebiet Süd, 26871 Papenburg, www.meyerwerft.de; Besuche nur nach Voranmeldung; Auskünfte und Eintrittskarten bei Papenburg Marketing, auch auf der Museumsbrigg "Friederike von Papenburg" im Hauptkanal. Zwei Stunden Führungen 12,90 Euro für Erwachsene, 7,50 Euro je Kind von 6 bis 18 Jahren, jüngere 1 Euro, keine Haustiere. 
  • Anreise: Papenburg liegt an den Bahnstrecken Stuttgart-Frankfurt-Köln-Hamm-Münster-Rheine sowie Norddeich-Leer, das aus Richtung Osten über Hannover-Bremen-Oldenburg erreicht wird. Per Auto von Süden und Osten Richtung Ruhrgebiet, am Autobahnkreuz Bottrop auf die A31 nach Papenburg. Von Hamburg/Bremen über das Autobahndreieck Bremer Kreuz auf die A 28 über Oldenburg und Leer auf der A 31 nach Papenburg. 

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Reisethemen von A bis Z

Anzeige
shopping-portal