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Kreuzfahrtschiffe: Warum sie immer größer werden

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Trend auf See  

Darum werden Kreuzfahrtschiffe immer größer

10.11.2016, 10:59 Uhr | dpa

Kreuzfahrtschiffe: Warum sie immer größer werden. Die Norwegian Escape in Hamburg. Mehr als 4000 Passagiere fasst das Schiff. (Quelle: dpa)

Die Norwegian Escape in Hamburg. Mehr als 4000 Passagiere fasst das Schiff. (Quelle: dpa)

Auf die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt passen bis zu 5500 Passagiere plus Besatzung. Selbst auf die Schiffe, die eine Größenstufe darunter liegen, passt die Bezeichnung der "schwimmenden Kleinstadt". Und der Trend zeigt weiterhin nach oben.

362 Meter misst die "Harmony of the Seas", 2747 Kabinen. Um alle Attraktionen an Deck auszuprobieren, reicht eine Woche kaum aus. Seit dem Sommer ist sie das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Andere Reedereien rüsten ihre Flotten ebenfalls kräftig auf. Der Trend: Die Schiffe werden immer größer.

Mehr Gäste bedeutet höheren Gewinn

Vor allem wirtschaftliche Gründe stecken dahinter. Man braucht eben nur einen Kapitän - egal ob für 6000 oder 500 Passagiere. Economy of Scale lautet der entsprechende ökonomische Fachbegriff. Ein weiterer wichtiger Grund: Auf großen Schiffen kann man durch die Vielzahl an Angeboten mehrere Zielgruppen gleichzeitig ansprechen.

Das Ende der Fahnenstange ist mit der "Harmony of the Seas" aber offenbar noch nicht erreicht. Royal Caribbean selbst hat weitere Schwesterschiffe bestellt. Und andere Reedereien ziehen nach: Im vergangenen Jahr hat Costa Crociere angekündigt, 2019 und 2020 zwei Schiffe in Dienst zu stellen, die bei der Passagierzahl der "Harmony of the Seas" Konkurrenz machen werden - 2605 Kabinen sind hier geplant. Auch MSC stößt mit den Schiffen der World-Class-Generation in eine neue Dimension vor. Mehr als 2700 Kabinen soll es hier geben.

Technisch gibt es kaum Beschränkungen

Aus technischer Sicht existiert keine Maximalgröße von Kreuzfahrtschiffen. Doch natürlich sind die physikalischen Gesetze zu beachten. Wenn man ein deutlich längeres Schiff bauen will, muss man es auch breiter machen. Aber auch der Tiefgang wird größer, um die Stabilität zu gewährleisten.

Bei der Passagierzahl gibt es laut Peter Hackmann, Sprecher der Meyer Werft in Papenburg, auch von baulicher Seite keine Grenze. "Wenn statt 1000 etwa 3000 Passagiere auf ein Schiff sollen, muss dementsprechend auch sicherheitstechnisch aufgerüstet werden, zum Beispiel mehr Fluchtwege und eben mehr Rettungsmittel", erklärt der Experte. "Große Schiffe sind nicht schwieriger zu evakuieren als kleine." Bei größeren Schiffen gebe es mehr wasserdichte Abteilungen und Feuerzonen, was die Sicherheit gegenüber kleinen Schiffen sogar eher erhöhe.

Meyer Werft: Die Ems gibt die Maximalgröße vor

Für die Meyer Werft in Papenburg selbst gibt es dagegen eine natürliche Begrenzung: die Ems. Über die müssen alle neuen Schiffe zur Nordsee überführt werden. Bei einer Breite von rund 45 Metern ist da derzeit Schluss. Andere Werften, zum Beispiel auch der zweite Meyer-Standort in Turku, haben solche Probleme nicht.

Vor allem die Häfen stellen die Riesenpötte vor Herausforderungen. Immer größer müssen die Terminals und Kais werden, immer besser die Infrastruktur, um die Passagiere zum Beispiel vom Bahnhof zum Schiff oder vom Schiff zu den Ausflügen zu bringen und ausreichend Parkraum für Kreuzfahrer mit eigenem Pkw zur Verfügung zu stellen.

Hamburg: 2016 kommen 76 Schiffe mit mehr als 5000 Passagieren

Beispiel Hamburg: In diesem Jahr werden dort 76 Schiffe zum Gästewechsel festmachen, die mehr als 5000 Passagiere fassen. 61 Schiffe davon sind länger als 300 Meter. "Da verzeichnen wir in den vergangenen Jahren einen massiven Zuwachs", so Sacha Rougier, Geschäftsführerin von Cruise Gate Hamburg. "Vor einigen Jahren waren es nur ganz wenig Schiffe mit diesen Abmessungen, und auch die Anzahl der Gästewechsel auf diesem Niveau hat kontinuierlich zugenommen."

Drei Terminals gibt es in der Hansestadt, die nach den Worten von Rougier die ganze Palette von Schiffen abdecken. Während in Altona und in der Hafencity vor allem kleinere und mittelgroße Kreuzfahrtschiffe anlegen, können am 2015 eröffneten Cruise Center in Steinwerder auch die ganz großen Schiffe festmachen.

Kleinere Schiffe sind auch teurer

Während es auf der einen Seite immer größere Schiffe gibt, existiert auch die Gegenbewegung zu kleinen Schiffen - die aber oft auch teurer sind. "In diesem Bereich gibt es einen Nachholbedarf", sagt Grammerstorf. "Es wurde längere Zeit in immer größere Schiffe investiert, und dabei hat man die kleineren Schiffe etwas vergessen."

Doch gerade diese haben auch weiterhin ihre Fans: jene Urlauber, die vor allem an den Destinationen interessiert sind und eher das klassische Seefahrt-Gefühl erleben wollen. "Größe an sich ist kein Argument für einen Gast. Die Frage ist, was der Passagier will", sagt Grammerstorf. Und da gibt es eben auch die Klientel, für die nicht das Schiff mit seinen Attraktionen im Mittelpunkt steht.

Bald Schiffe mit mehr als 400 Meter Länge

Wo geht die Reise in den kommenden Jahren hin? "Ob es noch deutlich größer wird, weiß ich nicht", sagt Grammerstorf. Es werde eine Grenze der Akzeptanz geben. "Die kennen wir derzeit aber noch nicht." Gus Andersson, Kapitän auf der "Harmony of the Seas", ist überzeugt: "In zehn Jahren wird es sicher Schiffe geben, die länger als 400 Meter sind."

Er sieht dabei weniger das Problem beim Schiff als vielmehr in den Häfen: Schon jetzt können die Ozeanriesen längst nicht in jeder Stadt anlegen. Doch eigentlich sei die Größe auch gar nicht der Hauptfokus, sagt Michael Bayley, Chef von Royal Caribbean. "Wir wollen den Gästen vor allem besondere Erlebnisse bieten."

So berechnet sich die Größe der Kreuzfahrtschiffe

Verschiedene Kennzahlen kann man für die Größe von Kreuzfahrtschiffen zugrunde legen. Da ist natürlich zum einen die Passagierzahl. Aber auch die Länge, die Höhe oder die Breite lassen sich heranziehen. Weitere Kennzahlen können die Tonnage oder die Bruttoraumzahl sein. Je nachdem, worauf man schaut, ergibt sich eine andere Reihenfolge bei der Frage, welche Kreuzfahrtschiffe die weltweit größten sind.

Nur bei den drei größten Kreuzfahrtschiffen der Welt gibt es keine Zweifel: Die "Harmony of the Seas" liegt vor der "Allure of the Seas" und der "Oasis of the Seas". Die drei Kreuzer von Royal Caribbean überragen bei allen Kennzahlen die Konkurrenz.

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