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Lofoten: Zackige Felsen und viel Ruhe

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Lofoten: Zackige Felsen und viel Ruhe

19.06.2012, 12:10 Uhr | Kerstin Seitz, dpa-tmn

Lofoten: Zackige Felsen und viel Ruhe. Naturparadies Lofoten. (Quelle: imago)

Naturparadies Lofoten. (Quelle: imago)

Mia stammt aus Troms¢ und lebt erst seit kurzem hier. "Ich habe auf den Lofoten mein Paradies gefunden", sagt die junge Norwegerin. Mias Paradies - das sind 80 Inseln, 100 bis 200 Kilometer nördlich des Polarkreises im Nordatlantik vor Norwegen: die Lofoten. Als schroffe Felsengruppe ragt der Archipel von Narvik aus 190 Kilometer nach Westen in den Nordatlantik. Filigrane Brücken und atemberaubende Tunnel verbinden die Inseln seit 2007 mit dem Festland. Schauen Sie sich die Lofoten auch in unserer Foto-Show an.

Drei Monate Sommersaison

Nur drei Monate im Jahr ist auf den Lofoten Sommersaison. Ab Ende Mai fallen die Touristen aus aller Herren Länder von Kreuzfahrtschiffen, den Hurtigruten-Liniendampfern oder mit Reisebussen vornehmlich in die Orte auf der Südseite der Inselgruppe ein. Die Inselhauptstadt Svolvær mit ihren 4200 Einwohnern sowie die Fischerdörfer Henningsvær, Nusfjord, Reine und Hamn¢ya sind viel besuchte Plätze. Doch nur einige Kilometer weiter herrscht Ruhe, die Natur entfaltet ihre ganze Schönheit. Das manchmal azurblaue Meer und die Sandstrände vor den Dörfern Vik und Utakleiv sind umrahmt von einer beeindruckenden Bergkulisse.

Erste Julihälfte besonders beliebt

"Die meisten unserer ausländischen Gäste kommen aus Deutschland", erzählt Jan Rune Yanni Vikan, Tourismuschef der Lofoten in Svolvær. Besonders beliebt sind die Wochen der Mitternachtssonne in der ersten Julihälfte, wenn die Sonne nicht untergeht. Mit dem Wohnmobil, dem eigenen Auto und neuerdings auch mit dem Flugzeug reisen Urlauber in das Inselreich. Angeln, Radeln, Bergwandern, Surfen und die ursprüngliche Natur genießen - das können Sommerurlauber auf den Lofoten. "Man muss kein Sportangler sein, um einen Ausflug mit einem der Fischerboote zu machen. Es macht Spaß, sich den eigenen Fisch für das Abendessen aus dem Meer zu holen", sagt Vikan.

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Angeltour auf dem Meer

Mittags um zwei tuckert B¢rge Iversen von Ballstad aus mit seinem Fischerboot aufs Meer hinaus. An Bord sind ein rundes Dutzend Gäste - Sportangler und Freizeitfischer. Keine halbe Stunde ist der Fischer unterwegs, dann stoppt er die Maschine. "An den Klippen unter uns steht der Fisch", sagt Iversen nach einem prüfenden Blick auf die farbigen Bildschirme im Ruderhaus. "Unsere Fischfinder", erklärt er lachend. Und dann dauert es tatsächlich nur noch zehn Minuten, bis der erste Seelachs an einer Angelleine zappelt. Mehrere Kisten Seelachs, Schellfisch und Heilbutt sind die Ausbeute am Ende der dreistündigen Angeltour.

Stockfisch als Delikatesse

Für die Gäste wird Iversen den Fang an Land filetieren. So ist für alle das Abendessen gesichert. Die Ausfahrten mit Urlaubern sind B¢rge Iversens Sommerjob. Von Mitte Januar bis Mitte April kreuzt er wie zahlreiche Fischer zum Kabeljaufang im Norden des Archipels. Der geschlechtsreife Dorsch - auch Skrei genannt - wird nach alter Tradition auf Holzgestellen als Stockfisch getrocknet. T¢rrfisk - trockener Fisch - von den Lofoten gilt als Delikatesse in Italien, Brasilien und in Portugal. Alles vom Stockfisch wird exportiert - die Fischköpfe bis nach Nigeria.

Hier enden alle Straßen

Von Svolvær auf der Insel Vagan aus leitet die Europastraße 10 als Hauptverkehrsader über kühne Brücken und durch Tunnel auf die Nachbarinseln Vestvag¢ya, Flakstad¢ya und Moskenes¢ya. An die 150 Kilometer sind es bis zum Ziel in Å, wo alle Straßen enden. Es ist eine Tagesreise, denn unterwegs bieten sich zahllose Fotostopps an. Grünes Bauernland breitet sich in der weiten Talsenke auf Vestvag¢ya im Schutz der Bergketten aus. Vestvag¢ya ist eine der größten landwirtschaftlichen Gemeinden in ganz Norwegen. Vom hoch gelegenen Rastplatz bei Indre aus eröffnet sich ein Panorama mit dem viel besuchten Wikingermuseum in Borg und scharf gezackten Berggipfeln ringsum.

Bis zu einem Meter Schnee

"Hier im Lauvdalen auf Vestvag¢ya liegen wir ganz günstig", erzählt Knut Åland auf seinem Bauernhof Åland Gard. "Im Sommer ist's bei uns im Tal trocken, der Winter bringt uns manchmal bis zu einem Meter Schnee." Bei diesem Klima pflegt Knut Åland seinen Garten mit 20 verschiedenen Kräuterarten. Kräuter, Bauernhofkäse und hausgemachte Marmeladen verkauft der Farmer in einem kleinen Hofladen. Tochter Heidi hält darüber hinaus von Juni bis Mitte August das einzige Hofcafé der Lofoten geöffnet.

Straße führt 55 Meter unter den Meeresspiegel

Weiter geht die Fahrt auf der Europastraße 10 durch den 1,8 Kilometer langen Nappstraumentunnel auf die Nachbarinsel Flakstad¢ya. Mit acht Prozent Gefälle und Steigung führt die Route bis in 55 Meter Tiefe unter den Meeresspiegel. Kurvig windet sich die schmale Straße von der E 10 nach Nusfjord hinunter. Rote Fischerhäuser kleben in der engen Meeresbucht wie Vogelnester an blanken Felswänden. Wer Nusfjord besuchen will, muss jedoch Eintritt - etwa fünf Euro pro Person - bezahlen: Das malerische Dorf mit seiner mehr als 100 Jahre währenden Geschichte ist in Privatbesitz.

Bummel als Zeitreise

Im 19. Jahrhundert überschrieb der norwegische König die Fischerhütten einem gewissen Hans Grön Dahl, der es zu einem der bedeutendsten Fischerei- und Handelsplätze der Lofoten ausbaute. So gab es in Nusfjord bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur die Post, Bäckerei, Kaufmannsladen, Trankocherei und ein Gefängnis, sondern ab 1905 auch ein eigenes Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung. Beim Bummel durch den Ort fühlen sich die Besucher in alte Zeiten zurückversetzt: Im Landhandel-Kaufmannsladen aus dem Jahr 1907 sind die originalen Verkaufstheken, Vitrinen und Emaillewerbeschilder noch zu sehen. Die Rorbuer-Hütten der Fischer wurden nach dem Rückgang der Lofotenfischerei zu Ferienquartieren.

Zwei Etagen voller Stockfisch

Hamn¢ya, Reine und S¢rvagen liegen wie aufgereiht entlang der E 10 auf Moskenes¢ya, der westlichsten Lofoteninsel, die mit dem Auto erreichbar ist. Kameras klicken am Hafen von Hamn¢ya, umrahmt von den über 800 Meter aufragenden Zackenfelsen der Lofotenwand, wie der mächtige Gebirgszug im Süden des Archipels auch genannt wird. Geologen schätzen dessen Alter auf 3,5 Milliarden Jahre. Nicht wie im Alphabet als erster Buchstabe am Anfang, sondern ganz am Ende der Europastraße 10 liegt der winzige Flecken Å. Ein paar Fischerhütten, das Norwegische Fischerdorfmuseum und das Lofoten T¢rrfiskmuseum lohnen die weite Anfahrt. "Wir sind das einzige Stockfischmuseum des Welt", sagt Museumsleiter Steinar Larsen. Auf zwei Etagen dreht sich alles nur um Stockfisch. Er wird heute noch nur von etwas mehr als 150 Lofotenfischern gefangen, erfahren die Besucher beim Rundgang durch die Sammlung.

Trollfjord beliebtes Ziel

Beliebtes Ziel vieler Lofoten-Urlauber ist der Abstecher in den Trollfjord. Der zwei Kilometer lange Meeresarm verengt sich an seiner schmalsten Stelle auf nur 100 Meter. Schnelle, stark motorisierte Schlauchboote starten täglich ab Svolvær zu zweistündigen Ausflügen. Doch spektakulärer ist die Passage mit einem der großen Hurtigruten-Linienschiffe. Im Sommer legen die Dampfer zur Mittagszeit in Stokmarknes auf der benachbarten Insel Hadsel¢ya ab, nehmen südwärts Kurs in den Raftsund und biegen auf der Teilstrecke nach Svolvær ein in den engen Trollfjord.

1000 Meter hohe Felsenwände

Zum Greifen nahe erscheinen die rund 1000 Meter hoch aufragenden Felsenwände. Meter um Meter schiebt sich der 20 Meter breite Schiffskoloss in langsamer Fahrt vorwärts, immer tiefer hinein in die Meeresenge. Am Ende des Fjords, der auch hier gerade auf 800 Meter Breite kommt, dreht der Dampfer auf der Stelle - ein schwieriges Manöver, das der Schiffsführung höchste Konzentration abverlangt.

Weitere Informationen

Reiseziel: Die Lofoten sind 80 Inseln, 100 bis 200 Kilometer nördlich des Polarkreises im Nordatlantik vor Norwegen. Dort leben etwa 24 000 Menschen. Hauptort ist Svolvær mit 4300 Einwohnern.

Anreise: Mit dem Flugzeug von Deutschland mit Umsteigen in Oslo und in Bod¢ in rund vier Stunden zu den Flughäfen Svolvær und Leknes. Von dort mit Leihwagen oder Taxi bis an den Urlaubsort. Die Tagespreise schon für einen kleinen Leihwagen liegen allerdings bei mehr als 100 Euro. Mit dem Zug geht es in 18 Stunden von Oslo über Fauske bis Bod¢. Von dort mit Fähren weiter nach Moskenes (3,5 Stunden), Vær¢y und R¢st. Mit dem Auto führt eine Strecke von Oslo auf der E 6 über Trondheim, Steinkjer, Mosj¢en, Mo i Rana, Fauske bis zum Fähranleger Bognes, Fähre von dort nach L¢dingen und weiter über die E 10 auf die Lofoten. Als Alternativroute bietet sich die Teilstrecke durch Ostnorwegen über Elverum und R¢ros bis Trondheim an (E 6 und R 3). Die Hurtigruten-Linienschiffe laufen jeden Abend auf Nord- und Südkurs die Lofoten-Hauptstadt Svolvær und Stamsund an. Ab Kiel nach Oslo gibt es eine Direktverbindung mit den Fähren von Color Line.

Reisezeit: Hochsaison ist vom 28. Mai bis zum 14. Juli, wenn die Sonne nicht untergeht. Die Sommersaison neigt sich dem Ende zu mit dem Ende der norwegischen Sommer-Schulferien am 22. August. Im Winter bleibt der Himmel über Svolvær vom 5. Dezember bis zum 7. Januar dunkel. Das wogende Polarlicht (Aurora Polaris) ist dann am besten zu sehen.

Unterkünfte: Die Übernachtungspreise in den Hotels schwanken. Ratsam ist eine Onlinebuchung. Besonders beliebt sind die ehemaligen Hütten der Dorschfischer direkt am Wasser, die oft zu komfortablen Ferienhäusern ausgebaut sind. Auf den Lofoten gibt es gut ausgestattete Campingplätze und Stellplätze für Wohnmobile.

Sprache: Auf den Lofoten wird Norwegisch gesprochen, die Verständigung auf Englisch ist in der Regel kein Problem.

Informationen: Norwegisches Fremdenverkehrsamt/Innovation Norway, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg (Tel.: 040/22 94 15 0, E-Mail: hamburg@innovationnorway.no, www.innovationnorway.no/de); Destination Lofoten AS, Postfach 210, N 8301 Svolvær (E-Mail: lofoten@lofoten.info, www.lofoten.info).



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