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Mittelmeer: Millionen Quallen werden zur Dauer-Plage

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Mittelmeer  

Millionen Quallen werden zur Dauer-Plage

07.08.2008, 17:18 Uhr | dpa

Feuerquallen treiben im Mittelmeer (Foto: Imago)Feuerquallen treiben im Mittelmeer (Foto: Imago) Es ist ein Alptraum für Millionen Urlauber am Mittelmeer. Riesige Schwärme von gefährlichen Quallen treiben nahe der ostspanischen Küste, in Frankreich vor allem vor der Côte d'Azur und in Italien beiderseits des Stiefels. Auch vor den spanischen Ferieninseln und bei Sizilien gibt es vor der Küste riesige Quallenbänke. Die ungeheure Invasion der Tiere mit dem Nesselgift, die immer günstigere Bedingungen für ihre Vermehrung vorfinden, lässt Umweltschützer und Meeresforscher nach einem mediterranen Notstandplan, einem wahren "Anti-Quallen-Krieg" rufen.

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Quallen-Alarm zuerst in Frankreich

Dabei geht es zunächst nicht einmal darum, Badende an der Azurküste oder der Adria vor den langen Fangtentakeln zu bewahren, deren Nesseln stechend schmerzen. Die Experten schauen vielmehr auf einen unheilvollen Cocktail aus Überfischung, Umweltsünden und Klimawandel und machen ihn für die Plage verantwortlich, die nicht aufs Mittelmeer begrenzt ist. Quallen-Alarm hatten als erste die Franzosen geschlagen. Schon in der achten Sommersaison hintereinander tauchten große Schwärme rot- leuchtender Feuerquallen im Mittelmeer auf. "Und das ist ein neues Phänomen", erläuterte Jacqueline Goy vom Ozeanographischen Institut in Paris.

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Quallen ziehen sich nicht mehr zurück

Nach der Statistik dürften die Glibbertiere nur alle zwölf Jahre erscheinen und müssten sich nach zwei bis sieben Jahren wieder zurückziehen. Doch sie sind zur Dauer-Plage geworden: Große Medusen-Kolonien treiben vor der Küste der spanischen Ferieninseln, und auch südlich von Sizilien wurden solche Quallen-Bänke gesichtet. Das Schleppnetz eines italienischen Fischerbootes holte vor kurzem nicht weniger als 400 Kilogramm noch kleiner Medusen aus der Tiefe.

Überfischung und Klimawandel als Ursachen

Was aber hat zur Invasion geführt? "Man muss sich nur vor Augen führen, wie stark sich die Populationen großer Fische im Mittelmeer verringert haben", sagt der italienische Zoologe und Meeresbiologe Ferdinando Boero. Wegen der Überfischung in den vergangenen Jahren haben die von Plankton lebenden Quallen kaum noch natürliche Feinde wie Thunfisch, Schwertfisch und Schildkröten. Auch die Erwärmung des Mittelmeeres im Winter von durchschnittlich 13 auf 14 Grad sorgt nun dafür, dass sich die Quallen immer wohler fühlen. Boero hält jedoch den Klimawandel nur "für einen möglichen Teil dieses Problems, wobei also entscheidend bleibt, dass wir das Mittelmeer abgefischt haben."

Maßnahmen allerorts ergriffen

Noch treiben die meisten der Millionen Medusen in sicherer Entfernung vor den Küsten, "doch reicht schon wenig aus, um sie an den Strand zu werfen", so Silvio Greco vom Meeresforschungsinstitut des römischen Umweltministeriums. Neben der durchsichtigen Pelagia noctiluca oder Feuerqualle macht sich die Lungenqualle breit - beide können mit ihrem Gift empfindliche Schmerzen auslösen. Und sie sind auch bereits eine Qual für Urlauber. Während Monaco oder Cannes etwa die Quallen mit Unterwasser-Gitternetzen von der Strandnähe fernhalten wollen, hat Antibes an der Côte d'Azur gleich einen Mehr-Stufen-Plan ausgearbeitet: Patrouillen-Boote holen mit an Staubsauger erinnernden Geräten die Glibbertiere aus dem azurblauen Wasser, während "Anti-Quallen-Brigaden" mit Netzen die Ufer säubern.

Quallen-Population nimmt in der ganzen Welt zu



"Wir werden uns aber an diese demografische Bevölkerungsexplosion bei den Quallen gewöhnen müssen", meint der Meeresbiologe Boero. "Es wird immer mehr davon geben." Zwar scheint die Medusen-Invasion im Mittelmeer am stärksten zu sein, "sie nehmen allerdings allgemein in der ganzen Welt zu." Für Quallen-Fachleute sind Urlauberängste auch nicht ganz so wichtig wie die Frage, was für das kranke Mittelmeer mit der Wasserverschmutzung in Küstennähe getan werden muss. "Auch wenn man gegen den Klimawandel nicht mehr viel tun kann, an zwei Fronten ist Abhilfe möglich", sagt Forschungsleiter Silvio Greco: "Wir können den Fischfang regulieren und gewisse Küstenregionen dazu bringen, Kläranlagen einzusetzen." Er sieht einen wahren Notstand, es müsse schnellstens international gehandelt werden. Doch gerade sein Italien hat keinen Anti-Quallen-Plan. "Dafür ist kein Geld da."

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