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Mallorca: Von einer, die im Flughafen wohnt

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Mallorca  

Wohnort Flughafen Palma, Abflughalle links

14.10.2008, 12:57 Uhr | dpa

Eine 48-jährige Deutsche wohnt im Flughafen "Son San Juan" auf Mallorca (Foto: dpa)Eine 48-jährige Deutsche wohnt im Flughafen "Son San Juan" auf Mallorca (Foto: dpa)Seit Stunden sitzt sie in der Bar "Sa Cala" des riesigen Flughafens von Palma de Mallorca und löst Kreuzworträtsel. Neben ihr türmen sich drei Koffer und Decken auf einem Gepäckwagen, ganz obenauf schläft ausgestreckt ein weißer Kater. Doch die zierliche Frau wartet nicht darauf, dass ihr Flieger irgendwann aufgerufen wird. Für die 48-jährige Deutsche gibt es keinen Flug in die Heimat. Ihr Zuhause ist der Flughafen "Son Sant Juan" - seit Jahren.

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Foto-Serie Mallorca


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Die Frau mit dem Kater

Für die Mitarbeiter des Flughafens, der Reiseunternehmen und der Fluggesellschaften gehört "La mujer del gato" (die Frau mit dem Kater), wie sie genannt wird, längst zu ihrem Alltag. Viele stecken ihr im Vorbeigehen ein paar Lebensmittel oder einige Euros zu, und auch der Kater leidet keine Not. Doch die Frau, deren Leben auf dem Flughafen an den Film Terminal mit Tom Hanks erinnert, ist scheu. Anders als in dem Hollywoodstreifen ist an ihrem Schicksal allerdings nicht die Bürokratie schuld. Wenn es nach der Flughafenverwaltung ginge, sollte sie lieber heute als morgen abreisen, wie eine Sprecherin der Flughafengesellschaft AENA betont.


Großes Medieninteresse

Seit die spanische Zeitung "Diario de Mallorca" und die deutsche Schwesterzeitung "Mallorca Zeitung" über die Frau aus Deutschland berichtet haben, interessieren sich immer mehr Medien für den Fall. "Aber das meiste, was über mich geschrieben wird, stimmt nicht", sagt die schüchterne Frau. So war in spanischen Zeitungen die Rede davon, dass sie seit sechs oder sieben Jahren auf die Rückkehr ihrer großen Liebe warte. "Alles Unsinn." Nicht einmal der Name Biggie, den die Medien ihr gaben, sei richtig, denn sie heiße Brigitte.



Aus Verzweiflung am Flughafen gelandet

Nicht Liebe, sondern eher Verzweiflung haben die Frau, die nach eigenen Worten aus der Pfalz stammt, in ihre ungewöhnliche Lage gebracht. "In Deutschland war ich bis 1989 Zollsachbearbeiterin", erzählt sie. Als sie ihren Job verlor, ging sie nach Mallorca und kellnerte dort zunächst in Cala Ratjada. Nachdem sie auch hier arbeitslos wurde, übernahm sie vorübergehend die Pflege einer alten Frau in Cala d'Or. "Inzwischen werden hier aber nur noch Spanier beschäftigt", klagt sie.



Freiwillige Rückkehr ausgeschlossen

Trotzdem möchte sie nicht nach Deutschland zurückkehren, obwohl ihre 81-jährige Mutter sich das wünscht. Sie möchte ihre Freiheit nicht verlieren, außerdem gefällt ihr die Mentalität der Spanier. "Ich fühl' mich eigentlich gut, wie Mitte 20", sagt die Endvierzigerin. "90 Prozent der Leute sind nett zu mir." Der Rest - das war vor einiger Zeit zum Beispiel die Polizei, die sie vertreiben wollte. Doch der Behörde waren die Hände gebunden. Denn der Flughafen gilt als öffentlicher Ort, wo sich jeder aufhalten darf. "Ich störe niemanden. Ich klaue nicht, ich bettele nicht, ich tue nichts Verbotenes", versichert die Deutsche.


Toiletten als Bad und Terminal als Wohnzimmer

Morgens gegen sieben ist die Nacht für die 48-Jährige und ihre Katze in der Abflughalle meist zu Ende. Bevor auf dem Flughafen, wo pro Tag bis zu 400.000 Passagiere ankommen und abfliegen, die Hektik beginnt, geht Brigitte in einen der Waschräume. "An das kalte Wasser gewöhnt man sich", sagt sie schmunzelnd. Auch für Kater Mumus wird gesorgt. "Er ist wie ein Hund - ich gehe mit ihm kurz nach draußen und dann erledigt er sein Geschäft", erzählt sie. Danach führt der Weg über die verschiedenen Ebenen des Terminals. "Mal ist sie dort, wo das Gepäck abgegeben wird, mal bei der Ankunft, und ab und zu sieht man sie auch vor der Bar am Parkhaus gegenüber", erzählen Mitarbeiter der Flughafen-Servicegesellschaft Acciona.



Die Hoffnung stirbt zuletzt

Und dann schiebt sie ihren schwer beladenen Kofferkarren und die Katze wieder zur Bar Sa Cala. "Ich lese viel Zeitung", sagt die Pfälzerin, die gebildet wirkt und mehrere Sprachen spricht. Vor allem interessiert sie sich für die Stellenanzeigen. "Vielleicht gibt es ja doch eines Tages mal wieder Arbeit", wünscht sich Brigitte und streichelt behutsam den Kater, ihren wichtigsten Begleiter.


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