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FKK: Deutsche Touristen für Polen zu freizügig

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EU-Osterweiterung  

Deutsche für Polen zu freizügig

23.04.2009, 14:51 Uhr | t-online.de, dapd

Polen mögen es eher diskret am Strand (Foto: Imago)Polen mögen es eher diskret am Strand (Foto: Imago)

Die EU-Osterweiterung hat den deutsch-polnischen Tourismus spürbar beflügelt. "Der richtige Schub kam allerdings erst 2007, als Polen Partner im Schengen-Abkommen wurde und so der Grenzverkehr freizügig in beide Richtungen fließen konnte", erklärt der Sprecher des Landestourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf. Doch nicht immer verläuft das Miteinander reibungslos - so sind die Deutschen den Polen manchmal etwas zu freizügig. Und viele Deutsche düsen über die Grenze ins "Dorf der Friseure" - und schädigen so die Wirtschaft im eigenen Land.


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Zahl der Übernachtungen verdreifacht

Woitendorf belegt den positiven Trend mit konkreten Zahlen: Waren es 2004 lediglich 17.639 Übernachtungen, die von Polen in Mecklenburg-Vorpommern gebucht wurden, stieg diese Zahl bis zum Vorjahr auf 54.804 und verdreifachte sich damit. Hinzu kommt der boomende Tagestourismus nach beiden Seiten. Es gehe dabei längst nicht immer um reine Feriengäste, weiß Woitendorf. So lässt das polnische Preisgefüge bei den Deutschen unter anderem den Einkaufs-, Zahnarzt-, Tank- oder Friseurtourismus ins Nachbarland blühen.

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Abartige Freikörperkultur

Allerdings beschert das touristische Zusammenrücken nicht nur Sonnenschein. Polnische Lokalpolitiker aus Swinemünde mit dem nationalkonservativen Stadtrat Edward Zajac als Vorreiter wandten sich nach der Grenzöffnung 2007 vehement gegen das auf deutscher Seite freizügig praktizierte Nacktbaden. Die Freikörperkultur (FKK) sei "abartig", ereiferte er sich. Von polnischer Seite wurde die Forderung laut, den FKK-Strand bei Ahlbeck zu schließen. Das Thema ist aber mittlerweile weitgehend vom Tisch, wie Kurdirektor Dietmar Gutsche versichert.

Tafeln für prüde Polen

Mit zweisprachigen Tafeln werden jetzt prüde Polen auf deutscher Seite vor dem beginnenden FKK-Strand gewarnt, während deutsche Strandwanderer auf polnischer Seite darauf aufmerksam gemacht werden, dass dort das Nacktbaden nicht gestattet ist. "Inzwischen haben wir die Erfahrung gemacht, dass zunehmend Polen gerade wegen der FKK-Möglichkeit auf unsere Seite wechseln und sich dort wohlfühlen", sagt Gutsche. Dass der deutsch-polnische Küstenstreifen insgesamt immer besser zusammenwächst, zeigt sich insbesondere an dem ersten grenzüberschreitenden Bahnprojekt. So fährt seit September vergangenen Jahres die Usedomer Bäderbahn (UBB) bis in die polnische Hafenstadt Swinemünde. "Was lange währt, wird gut", kommentierte UBB-Chef Jörgen Boße, als nach mehr als einem Jahrzehnt endlich der Streckenabschnitt von Ahlbeck-Grenze nach Swinemünde-Zentrum in Betrieb genommen werden konnte.

Das Dorf der Friseure

Es gibt weitere negative Auswirkungen des Zusammenrückens. Diese bekommen die Friseure in der brandenburgischen Grenzregion zu spüren. Das polnische Grenzdorf Osinow bietet nämlich eine ganz besondere Spezialität: Auf 200 Einwohner kommen dort 40 Friseursalons. Da liegt es auf der Hand, dass die Einwohner aus der Umgebung eher schnell mal über die Grenze düsen, um sich die Haare schneiden zu lassen, als gutes Geld für deutsches Handwerk auszugeben. Und ein Dorf, in dem es mehr Friseursalons als Einfamilienhäuser gibt, ist schon einen Besuch wert - denn das ist weltweit einmalig.

Tagesausflüge voll im Trend

Während jedoch diese genannten Sonderformen des Reiseverkehrs in einer Grauzone verbleiben, zeigen sich eindrucksvolle und nachvollziehbare Entwicklungen im herkömmlichen Urlaubstourismus. "Polen wird als Herkunftsland für Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern immer wichtiger und steht nach den Dänen und Schweden, Holland und Österreich bereits an fünfter Stelle", betont der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel. Deutsch-polnische Kulturveranstaltungen wie etwa das Usedomer Musikfestival, Kunstmärkte, Jugendtreffs, Sportvergleiche und Modenschauen oder auch Sprach-Workshops, Politdiskussionen und Partnerschaften zwischen Städten und Dörfern prägen zunehmend das Leben in der Grenzregion beider Länder. Mit dem Wegfall der Grenzkontrollen erobern nicht nur Bus-, Bahn- und Schiffsreisende in Scharen das Nachbarland, sondern auch Wanderer, Radler, Sportbootfahrer und Reiter nutzen zunehmend die neuen Möglichkeiten, wie Anja Valentien vom regionalen Tourismusverband Vorpommern zu berichten weiß. "Es gibt eine ganze Reihe von der EU geförderte Projekte mit den polnischen Partnern", fügt sie hinzu. Ein aktuelles Vorhaben betrifft die "Pommersche Flusslandschaften", wo eine grenzüberschreitende Kanu-Rad-Kombinationsroute vom deutschen Recknitz-Fluss bei Marlow bis zum Lauf der polnischen Parseta bei Kolberg vermarktet wird. Darüber hinaus orientiert das touristische "Netzwerk Odermündung" auf vielfältige Erlebnisbereiche rund um das Stettiner Haff.

Das Zusammenrücken geht weiter

Auch am beliebten Radwanderweg Berlin - Usedom, der 2007 bis ins polnische Stettin verlängert wurde, ist das Zusammenrücken ersichtlich. Diesem Ziel dient auch das "balticportal.pl", das als erster und zurzeit einziger zweisprachiger Internetauftritt in der deutschen-polnische Küstenregion aktuelle und wichtige Informationen über die touristischen Angebote in der Region bietet. Ein weniger spektakuläres Projekt ist eher unbemerkt bereits vor der EU-Osterweiterung auf polnischen Seite verwirklicht worden: Eine großzügig von der EU geförderte moderne Abwasseranlage entsorgt auf hohem Standard bereits seit den 90er Jahren grenzüberschreitend die Abwässer der Urlauber im Raum Swinemünde sowie in den drei deutschen Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin.

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