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Urlaub Spanien: Comedy-Serie "Benidorm" zeigt Lust am Klischee

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Comedy-Serie "Benidorm"  

Mein Gott, sind die alle hässlich

14.07.2009, 18:03 Uhr | Spiegel Online

Comedy-Serie "Benidorm" (Foto: Timm)Comedy-Serie "Benidorm" (Foto: Timm)

Sonne, Sangria, Swinger-Sex: Die Comedy-Serie "Benidorm" begleitet eine Gruppe britischer Urlauber auf ihrem Trip in eine spanische Pauschaltouristen-Hölle - und betreibt knallharten Klassen-Voyeurismus mit viel Lust am Klischee.

Wie haben Sie die Briten im Urlaub erlebt? Fänden Sie eine solche Serie über Ballermann-Urlauber gut? Sagen Sie uns Ihre Meinung, und nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Artikels.

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Faszinierende Pauschaltouristen

Hat denn nicht jeder schon einmal so eine Horde von Pauschaltouris mit dieser besonderen Mischung aus Ekel und Faszination studiert? Ein paar Stiernackige vielleicht, die im Sangria-Suff kotzend durch spanische Straßen ziehen. Oder unter griechischer Sonne brutzelnde Teenie-Mädchen, deren String-Tangas unter roten Fleischbergen begraben liegen. Oder Senioren, die sich am Buffett eines türkischen All-Inclusive-Resorts ihre Teller derart vollschaufeln, dass man fürchten muss: Gleich bersten unter der Last die Hüftprothesen.


Haufenweise unappetitliche Anblicke

Die Britcom "Benidorm", deren erste Folge am Dienstag auf dem deutschen Sender TIMM gezeigt wurde, bietet haufenweise solch unappetitliche Anblicke. Mallorca ist ja der Symbolort des deutschen Hordenreisens. Und was den Deutschen ihr Malle, ist den Briten eben ihr Benidorm: 1,5 Millionen von ihnen bevölkern jährlich die Strände des wegen seiner Dichte an Hotelhochhäusern auch "Manhattan des Mittelmeers" genannten Örtchens. Das ehemalige Fischerdorf an der spanischen Costa Blanca gilt gar als Geburtsstätte der modernen Massenverschickung, zumindest in Europa; es gibt den Vorschlag, ihm den Unesco-Welterbe-Status zu verleihen. Wo sonst also sollte man eine TV-Serie drehen über die hässlichsten Gesichter des Billigtourismus?


Die Urlauber

Über Oma Madge (Sheila Reid) zum Beispiel, die in ihrem Hightech-Rollstuhl den Pool des Solana-Resorts umkreist, Kippe im Maul oder maliziösen Spruch auf den Lippen - meist beides. Oder das Ehepaar Jacqueline und Donald, zwei hingebungsvolle Swinger älteren Jahrgangs, die besagte Madge eines nachts in ihr Hotelzimmer locken - und mit offensiv inszenierter Gruppen-Erotik ausnahmsweise mal zum Schweigen bringen. Die Serie bevölkern zudem: Geoff Maltby (Johnny Vegas), eine verfetteter Mittdreißiger, der alljährlich mit seiner Mama in derselben Bettenburg urlaubt. Die Familie Garvey: Papi (Steve Pemberton) ein arbeitsscheuer Sozialhilfebetrüger, das Teenager-Töchterchen (Hannah Hobley) erstens adipös und zweitens schwanger. Und so weiter.


Voller Klischees

Klingt nach grotesken Klischees? Stimmt. "Benidorm" ist ein radikaler Gegenentwurf zum "Traumschiff", dem gediegenen Quoten-Cruiser des ZDF. An der britisch besetzten Costa Blanca erholt sich hier, vulgärsoziologisch gesprochen, der Ballermann-Depp aus der "Bild", der RTL2-Gröler mit Sangria-Eimer. Bis auf ein Mittdreißiger-Pärchen im Reproduktionsstreit (Familie ja, nein, wie überhaupt?) und ein schwules Läster-Gespann sind hier Menschen versammelt, deren größtes Urlaubsglück darin besteht, alles inklusive zu kriegen, sprich: gratis! Sangria, Paella, Sangria, Bier, Sangria, Sex und den Tripper danach.


Pauschal-Prolls

"Benidorm" führt eine Gesellschaftsschicht vor, die auf der Insel noch immer "working class" heißt (obwohl das Attribut "working" oft genug längst in die Irre führt). Das schmeckt nach knallhartem Klassenchauvinismus und der ist in so direkter Form ungewöhnlich für Comedy aus Großbritannien; das Genre brillierte dort zuletzt eher mit sorgfältig gewirkten Mittelschichts-Charakteren. Eher Karikaturen als Figuren sind diese Pauschal-Prolls, ohne Wärme gezeichnet, die Pointen sind so subtil wie die Schlagzeilen des Boulevardblatts "Sun", oft genug vulgär - und ebenso witzig.


Sind die Briten wirklich so?

Sind wir wirklich so?, fragte bestürzt das britische Feuilleton und befand: Nein. Und setzte mit wohlmeinendem Dünkel hinzu: Die da unten sind es auch nicht. Doch obwohl die Serie bei den meisten Rezensenten durchfiel, die Briten lieben "Benidorm"; bisher zwei Staffeln wird bald eine dritte folgen. Vielleicht betrachten britische Zuschauer "Benidorm" ja auch einfach als das, was es eigentlich ist: eine Fernsehversion der semi-dokumentarischen Arbeiten Martin Parrs. Der britische Künstler fotografierte lange Zeit nichts anderes als furchtbar verbrannte Landsleute an furchtbar vermüllten Massenstränden - und verdankt seine Karriere eben dieser Lust an der gemeinen Entlarvung. Danach gefragt, ob seine Bilder denn wirklich die Realität zeigen, sagte Parr einmal: "Die Welt wird von Klischees bestimmt." Diese Einsicht ist nicht schön. Aber zumindest im Fall von "Benidorm" sehr lustig.

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