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Griechenland-Krise: Ratgeber für Griechenland-Urlauber

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Griechenland  

Ratgeber für Griechenland-Urlauber

06.05.2010, 15:47 Uhr | dpa, AFP, dpa-tmn

Griechenland-Krise: Ratgeber für Griechenland-Urlauber. Griechenland: Proteste machen auch Urlaubern Sorgen (Foto: dpa)

Griechenland: Proteste machen auch Urlaubern Sorgen (Foto: dpa)

Sonne, Meer und die Lässigkeit des Südens - das erhoffen sich Millionen Deutsche jedes Jahr vom Urlaub in Griechenland. Doch die Schuldenkrise, gewalttätige Demonstrationen und Streiks der Fluglotsen könnten den Traumurlaub zum Alptraum werden lassen. Wir sagen Ihnen, welche Rechte Urlauber jetzt haben.

Geld zurück für Urlauber

Touristen mit dem Ziel Athen dürfen nach Ansicht eines Experten derzeit ihren Reisevertrag kostenlos kündigen und vom Generalstreik betroffene Pauschalurlauber dürfen von ihrem Veranstalter Geld zurückfordern. Wenn zum Beispiel Kellner oder Busfahrer gestreikt haben und Fährverbindungen ausgefallen sind, sei das ein Grund für eine Reisepreisminderung, erklärte der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wegen der "bürgerkriegsähnlichen Zustände" in der griechischen Hauptstadt am Mittwoch bestehe für solche Urlauber momentan ein außerordentliches Kündigungsrecht, so Degott weiter. Dies gelte allerdings nur für Touren, die über Reiseveranstalter gebucht wurden, ausschließlich in den Großraum Athen führen und in Kürze beginnen. Sobald sich die Lage wieder beruhigt hat, entfalle auch die außerordentliche Kündigungsmöglichkeit wieder, erläuterte Degott.

Individualurlauber müssen auf Kulanz hoffen

Die derzeitige Situation in Athen sei vergleichbar mit den Unruhen vor einigen Tagen in Bangkok, erklärte der Experte. Für Reiseziele außerhalb der griechischen Hauptstadt bestehe damit kein Recht auf einen Rücktritt vom Reisevertrag. Außerdem seien Individualreisende mit einer Athen-Buchung in einer schlechteren Situation als die Veranstaltergäste: Sie müssten beim Versuch eines Stornos darauf hoffen, dass sich zum Beispiel der Hotelier kulant verhält. Das Auswärtige Amt in Berlin rät in seinem aktualisierten Sicherheitshinweis zu Griechenland, "sich in den Medien sowie bei ihren Gastgebern über die aktuelle Lage zu unterrichten und Demonstrationen weiträumig zu meiden". Während der Proteste gegen den Sparkurs der griechischen Regierung waren am Mittwoch drei Menschen ums Leben gekommen, als ein Bankgebäude in Athen in Flammen aufging.

Selbstabhilfe bei Generalstreik

Veranstaltergäste könnten außerdem sogenannte Selbstabhilfekosten geltend machen - zum Beispiel, wenn das mitgebuchte Essen im Hotel wegen des Streiks ausgefallen ist und stattdessen ein Restaurant besucht wurde. Ähnlich sei es mit Taxikosten, die entstanden sind, weil ein Bus oder eine Fähre nicht fuhr. Wichtig sei dann aber, dem Unternehmen eine Quittung über die "Selbstabhilfekosten" vorzulegen. Alternativ reiche ein Zeuge, der die Kosten bestätigt.

Griechenland ist Top-Ziel der Deutschen

"Griechenland zählt zu den zehn beliebtesten Reisezielen deutscher Urlauber", erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Klaus Laepple. Er gibt sich optimistisch: "Daran wird sich auch durch die Finanzkrise des Mittelmeerlandes nichts ändern." Jedes Jahr reisten 2,3 Millionen Bundesbürger nach Griechenland. Und 99 Prozent aller Buchungen über Reiseveranstalter gingen auf die griechischen Inseln - wo von den Demonstrationen in den Großstädten nichts zu spüren sei. Dies sei Urlaub wie auf Sylt, während es am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg Randale gebe, ergänzt DRV-Sprecher Torsten Schäfer.

Griechenland zum Schnäppchenpreis

Bislang zumindest spiegelt sich die Schuldenkrise nicht in der Buchungslage wider. Die Zahl der Vorausbuchungen für den Sommer liege derzeit auf Vorjahresniveau, erklärt der DRV. Die Umsätze seien aber gesunken - schließlich hätten die Veranstalter bereits im Frühjahr weltweit Preisnachlässe um fünf bis acht Prozent angekündigt, sagt Schäfer. Der Last-Minute-Anbieter L'tur verbucht sogar eine steigende Nachfrage: "Wir haben bei Griechenland in den vergangenen Tagen bis zu 30 Prozent Zuwachs im Vergleich zum vergangenen Jahr", sagt Firmengründer Karlheinz Kögel der dpa. "Da werden jetzt Preise aufgerufen, die sind der absolute Hammer." Schließlich stünden Hotels und Gaststätten unter massivem Druck. "Da geht es derzeit ums Überleben."

Türkei profitiert von der schlechten Situation in Griechenland

Die Buchungszahlen aus wichtigen Herkunftsländern der Griechenland-Touristen - darunter auch Deutschland - liegen zur Zeit vier bis acht Prozent unter dem Vorjahr, sagt der Vorsitzende des griechischen Reiseverbandes, Jannis Evangelou. Immerhin kämen dieses Jahr mehr Besucher aus Russland und den USA nach Griechenland, sagt Evangelou. Doch auch der Reiseverbandschef gibt zu bedenken, "das Land in die Pleite gehen zu sehen, und die wiederholten Proteste in der Hauptstadt - das ermutigt die Urlauber nicht gerade". Zum Beweis verweist er auf die Buchungszahlen deutscher Touristen in der Türkei, traditionell politischer wie touristischer Rivale seines Landes: Dort stiegen die Buchungen aus Deutschland deutlich um zwölf Prozent an. Dem Reiseveranstalter TUI zufolge zieht es dieses Jahr vor allem Familien weniger nach Griechenland, dafür würden aber mehr junge Menschen in das Land reisen. Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht bislang "keine Anzeichen, dass die Deutschen dieses Jahr Griechenland vermeiden wollen", wie eine Sprecherin sagt. Das Land gehöre weiterhin zu den Top-Ten-Zielen der Deutschen.

Fluglotsen-Streiks treffen auch Insel-Urlauber

Auch wenn die meisten Urlauber von den Demonstrationen in Athen nichts mitbekommen - die Folgen der wiederholten Streiks der Fluglotsen bekommen auch die Inselgäste zum Beispiel auf Kreta zu spüren. So legte Europas größter Reiseveranstalter TUI am Mittwoch wegen der Schließung des griechischen Luftraums einen Ersatzflugplan auf, der auch am Donnerstag noch Auswirkungen hatte. Und auch der zum Thomas-Cook-Konzern gehörende Ferienflieger Condor musste vier Flüge nach Griechenland verschieben.

"Griechenland braucht jetzt die Deutschen"

Griechenland setzt trotzdem auf die Touristen aus Deutschland. Die Streiks seien vorbei und die Preise derzeit sehr günstig, sagt der Leiter des Fremdenverkehrsamtes von Griechenland in Frankfurt, Ilias Galanos. Die Deutschen seien seit Jahren vor Engländern und Franzosen die Nummer eins unter den Touristen. Insgesamt zählte das Land 2009 rund 16 Millionen Touristen. "Der Tourismus ist in Griechenland neben der Schifffahrt die Säule der Wirtschaft." "Griechenland braucht jetzt die Deutschen", sagt Galanos und versucht, die Reisenden zu beruhigen: "Die brauchen keine Angst zu haben. Griechenland bleibt eines der sichersten Länder der Welt."

"Griechenland ist immer noch genauso schön und gastlich"

Sollte der Tourismus in Griechenland aber doch heftig unter der Krise des Landes leiden, dann leidet gleich der gesamte südosteuropäische Staat: Der Sektor steht für über 17 Prozent der Wirtschaftsleistung, fast ein Viertel der Arbeitsplätze hängt direkt oder indirekt von der Branche ab, wie aus Zahlen der Stiftung für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) hervorgeht. Die Sparmaßnahmen der Regierung lassen zudem befürchten, dass die Griechen selbst ihr Urlaubsbudget zusammenstreichen - dabei stehen sie für fast ein Viertel der gebuchten Hotelübernachtungen im eigenen Land. Die Regierung allerdings zeigt sich bislang offiziell gelassen: "Griechenland ist immer noch genauso schön und gastlich", gibt das Tourismusministerium in Athen als Parole aus. Zudem werde Griechenland angesichts der Sparmaßnahmen und der damit voraussichtlich sogar sinkenden Lebenshaltungskosten als Urlaubsziel sogar günstiger. Gerade das aber stößt den Betroffenen auf: "Das ist demütigend", sagt Reiseverbandschef Evangelou. "Gerade in dem Moment, wo wir damit begannen, Reisende eher mit der Qualität unserer Leistungen als mit dem günstigen Preis anzuziehen, müssen wir wieder alles tun, um unsere Zimmer zu füllen."

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