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Unsinnige Superlative: Die höchste Pasta-Manufaktur

20.12.2010, 13:55 Uhr | Markus Roman

Unsinnige Superlative: Die höchste Pasta-Manufaktur. In Stubai findet man die höchste Pasta-Manufaktur der Welt (Foto: Stubaier Gletscher)

In Stubai findet man die höchste Pasta-Manufaktur der Welt (Foto: Stubaier Gletscher)

In Dubai steht der höchste Turm, der schnellste Zug fährt in China. Superlative sollen Reiseziele oft attraktiver machen. Doch leider treibt die zwanghafte Suche nach dem Größten, Längsten, Ersten manchmal skurrile Blüten. Wussten Sie zum Beispiel, wo die höchste Pastamanufaktur der Welt ist oder wo Sie Deutschlands größte Senfmühle finden? Wenn Sie eher auf der Suche nach echten XXL-Sehenswürdigkeiten sind, werden Sie in unserer Foto-Show fündig.

Größte Senfmühle oder höchste Pasta-Manufaktur

Dabei geben sich die Verantwortlichen ordentlich Mühe, an jeder neuen oder alten Errungenschaft etwas weltweit Einzigartiges zu finden und zu kommunizieren, was bisweilen abenteuerlich wirkt. So reichte es dem Tourismusverband Stubaital nicht, ein neues Restaurant in 2900 Meter Höhe zu eröffnen. Um sich vermeintlich abzuheben, musste dort eine Weltneuheit entstehen, und so lässt sich nun mitten auf dem Stubaier Gletscher Pasta aus der höchsten Pastamanufaktur der Welt genießen. Auch der Tourismusverband Nordrhein-Westfalen fand im beschaulichen Erkelenz am Niederrhein etwas in Deutschland einzigartiges: Viele wussten wohl nicht, dass hier Deutschlands größte Senfmühle beheimatet ist. Ob deswegen die Touristen nun vor den Stadttoren Schlange stehen, ist eine andere Frage.

Superlativ-Wahn "ausgesprochen doof"

Karl Born, Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz, kennt den Grund für den Superlativ-Wahn vieler Marketing-Verantwortlichen. Eines der wichtigsten Instrumente sei die sogenannte "Abhebungsstrategie", bei der man seine Einzigartigkeit betont. Zu viele vergäßen allerdings, einen Wert aus Sicht des Kunden zu schaffen, sagte Born gegenüber t-online.de. So habe zum Beispiel der höchste Turm der Welt einen gewissen Besichtigungswert, die höchstgelegene Pastamanufaktur dagegen eher nicht. Die Suche nach dem "Superlativ um jeden Preis" mit dem Resultat "idiotischer Begriffe" finde er deswegen "ausgesprochen doof". Als Beispiel nennt er die Superlativ-Suche bei Achterbahnen, die "niemand mehr begreift". Hier werden nämlich offensichtliche Attribute wie Größe, Länge und Geschwindigkeit gerne doppelt verkauft. So rühmt sich der eine Park für die höchste Holz-, der nächste für die höchste Stahlachterbahn.

Superlative auf See: Einfache Übung

Besonders einfach ist die Suche nach Superlativen oder Einzigartigkeit für Betreiber von Kreuzfahrtschiffen. So nimmt man ein Merkmal, das es an Land zuhauf gibt, baut es einem neuen Schiff ein und hat so etwas beliebiges "als erstes auf See". So fanden in den vergangenen Jahren Wasserrutschen (inzwischen auf vielen Norwegian- und Costa-Schiffen), Eisbars (Norwegian Epic) und sogar Bierbrauereien (AIDAblu) ihren Weg auf die sieben Weltmeere. Dass jemand jedoch einen Urlaub auf der AIDAblu wegen der Brauerei bucht, bezweifelt Born. Doch auch im boomenden Kreuzfahrtschiffsektor werden die Neuheiten bescheidener: So ist die neue "Allure of the Seas" der Reederei Royal Caribbean das erste Schiff, das eine Starbucks-Filiale an Bord hat - darf sich aber mit einem relevanten Superlativ ("größtes Schiff der Welt") trösten.

Wenn die zwanghafte Suche nach Superlativen bunte Blüten treibt

Schwierig wird es auch, wenn der Suche nach dem Superlativ jemand anders zuvor kommt, so geschehen in Saalbach-Hinterglemm. Die im Juli eröffnete Fußgänger-Hängebrücke mit dem vom Tourismusverband vergebenen Spitznamen "Golden Gate Bridge der Alpen" hätte die längste der Alpen werden sollen, genau so kündigten das die Betreiber auch an. Ihre Hausaufgaben hatten sie jedoch nicht gemacht. Nur eine Woche vorher eröffnete eine fast doppelt so lange Brücke in der Schweiz, ein Ersatz-Superlativ musste her. Also erklärte man nach kurzer Recherche den an die Brücke angeschlossenen Wipfelpfad zum "höchstgelegenen Baumzipfelweg der Alpen". Dass die Höhe über dem Meeresspiegel für Baumwipfelpfade kein entscheidendes Kriterium ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. In diesem Fall hätte eine andere beliebte Taktik zur Superlativ-Maximierung auch gezogen: die Regionalisierung. Dann wäre es halt nur noch die längste Fußgängerbrücke Österreichs, und nicht der Alpen. Doch bei aller Regionalisierung und Spezialisierung verlieren Verantwortliche das aus den Augen, was Karl Born "Entscheidungsrelevanz" nennt. Denn wer fährt schon in den Naturpark Almenland, um das größte zusammenhängende Niedrigalm-Weidegebiet Europas zu sehen?

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