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Reiserecht im Winterchaos: Gute Chancen auf Entschädigung

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Winterchaos: Gute Chancen auf Entschädigung

21.12.2010, 09:46 Uhr | dapd, dpa-tmn, dpa

Verlässlich ist im Moment kein Verkehrsmittel. Die Straßen sind vielerorts kaum befahrbar wegen des Winterwetters, Bahnen bleiben liegen und Flughäfen gesperrt. Wer unter den geplagten Reisenden ist, hat jedoch nach Ansicht von Experten gute Chancen auf finanzielle Entschädigung - Sicherheit gibt es jedoch nicht. "Nur wenn die Airline nachweisen kann, dass sie alles getan hat, um die Leute auch auf andere Weise zu ihrem Ziel zu befördern, haben die Gäste keinen Anspruch auf Schadenersatz", erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Auch Zugreisende haben gute Chancen auf Entschädigung

Mit dem Hinweis auf höhere Gewalt durch die starken Schneefälle könnten sich Airlines hingegen nicht so einfach aus der Affäre ziehen, betont die Reise-Juristin und ergänzt: "Höhere Gewalt ist es meiner Meinung nach nur, wenn der Flughafen komplett gesperrt ist." Ein wichtiges Kriterium höherer Gewalt sei außerdem die Unvorhersehbarkeit, "und die war spätestens seit dem Wochenende zuvor nicht mehr gegeben", erklärt Fischer-Volk. Auch Zugreisende, die um Stunden zu spät an ihrem Ziel angekommen sind, haben laut Fischer-Volk gute Aussichten, eine Entschädigung einzufordern. Grundsätzlich erhalten Bahnkunden bei Verspätungen von mindestens 60 Minuten 25 Prozent des Fahrpreises für die einfache Fahrt zurück, ab 120 Minuten sind es 50 Prozent - sofern sich die Bahn nicht wegen höherer Gewalt entlasten kann. "Das ist eine Frage der genauen Umstände im Einzelfall", erklärt die Verbraucherschützerin. Die Bahn müsse für den Hinweis auf höhere Gewalt allerdings nachweisen können, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen hat: "Die Berufung auf Schnee und Kälte reicht nicht aus." Damit sie einen Beweis haben, sollten sich Zugpassagiere ihre Verspätung vom Zugbegleiter oder am Servicepoint am Bahnhof schriftlich bestätigen lassen. Die Entschädigung machen Bahnkunden dann beim Servicecenter Fahrgastrechte geltend - oder im Reisezentrum, wenn sie das Formular bereits im Zug ausgefüllt haben.

Alternative Beförderung auf eigene Faust?

Für den Luftverkehr sieht die EU-Verordnung 261/2004 grundsätzlich vor, dass Passagiere je nach Länge der Flugstrecke 250 bis 600 Euro Schadenersatz fordern können, wenn bestimmte Umstände eingetreten sind. Dazu gehört, dass ein Flug annulliert wurde oder Abflug und Ankunft am Zielort jeweils mindestens drei Stunden verspätet waren. Flugpassagiere, die von einem Ausfall betroffen sind, empfiehlt Fischer-Volk, sich nicht vorschnell mit der Erstattung des Flugpreises abspeisen zu lassen: "Der Fluggast hat eigentlich die Wahl zwischen dem Flugpreis und einer Ersatzbeförderung - die natürlich teurer für die Airline wäre." Reisende könnten am Schalter der Fluggesellschaft einfordern, dass sie auf andere Weise - zum Beispiel per Bus oder Bahn - zu ihrem Ziel gebracht werden. Lehnt das Personal das als unmöglich ab, sollten sich Fluggäste das schriftlich bestätigen lassen. "Denn dann können Sie auf eigene Faust eine alternative Beförderung buchen, und die Airline muss diese bezahlen", weiß Fischer-Volk. Laut EU-Fluggastrechteverordnung gibt es als Ausgleichszahlung für betroffene Flüge über weniger als 1500 Kilometer 250 Euro. Bei 1500 bis 3500 Kilometern Flugstrecke werden 400 und bei mehr als 3500 Kilometern 600 Euro fällig. Der Flugpreis spielt dabei keine Rolle. Falls die Fluggesellschaft eine Ausgleichszahlung ablehnt, muss der Gast diese vor Gericht einklagen. Fischer-Volk rät betroffenen Fluggästen, zuvor einen Fragebogen beim Luftfahrtbundesamt auszufüllen. "Das Bundesamt klärt dann mit der Fluggesellschaft, ob sie wegen höherer Gewalt entlastet ist." So könnten Kunden ihre Chancen vor Gericht ausloten.

Pauschalreisende: Schlechtere Chancen auf Schadensersatz

Urlauber, die bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, dürfen derzeit jedoch kaum auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude hoffen. "Dafür müsste ein Verschulden des Veranstalters vorliegen, zum Beispiel wenn er eine anderweitige Beförderung hätte organisieren können", erläutert die Verbraucherschützerin. "Das ist beim derzeitigen Wetter aber nicht gegeben." Pauschalurlaubern bleibt nur die Möglichkeit, beim Veranstalter Mängelansprüche geltend zu machen. Kommt der Urlauer zum Beispiel erst zwei Tage zu spät zum Urlaubsort, kann er den Reisepreis um genau diesen Anteil von der gesamten gebuchten Urlaubszeit mindern.

Schlupflöcher für Airline

Reiserecht-Anwalt Wilhelm Meyer sieht weitere Möglichkeiten der Fluggesellschaften, sich von Ausgleichszahlungen und Ersatzforderungen zu befreien. Wenn die Airline "unter Einsatz persönlicher, materieller und finanzieller Mittel" nicht in der Lage ist, die Störung zu vermeiden, liegt höhere Gewalt vor. Inwieweit die Airline dann haftet, ist "eine offene Rechtsfrage". Der Vorwurf, die Fluggesellschaften hätten im Vorfeld beispielsweise nicht für genug Enteisungsmittel gesorgt, sei zurückzuweisen. "Einerseits gibt es nur sehr wenige Firmen, die die Flüssigkeit herstellen, andererseits ist sie auch nicht unbegrenzt lagerfähig".

Weitere Informationen

Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt (Tel.: 0180/520 21 78, 14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz)

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