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USA-Urlaub: Touristen stehen nach Shutdown vor verschlossenen Türen

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Wütende Urlauber  

USA-Touristen stehen vor verschlossenen Türen

02.10.2013, 13:32 Uhr | dpa

USA-Urlaub: Touristen stehen nach Shutdown vor verschlossenen Türen. Ein Schild weist die National Gallery of Art in Washington als geschlossen aus (Quelle: dpa)

Ein Schild weist die National Gallery of Art in Washington als geschlossen aus (Quelle: dpa)

Seit die US-Verwaltung stillsteht leiden auch die Urlauber im Land. Zehntausende Touristen stehen vor geschlossenen Museen und Denkmälern, Nationalparkbesucher müssen ihre Zelte abbrechen. Der Streit im Kongress durchkreuzt die Urlaubspläne, doch Anspruch auf Schadenersatz besteht kaum: Der Stillstand gilt laut einem Reiserechts-Experten als "höhere Gewalt".

Die Sonne blitzt, Wattewolken treiben am weißblauen Himmel, doch Simona Amorosi ist wütend. Auch das gute Wetter kann die Stimmung der 30-Jährigen nicht aufhellen. Umgerechnet rund 4800 Euro hat sie für die Reise von London in die US-Hauptstadt Washington hingelegt. Nun steht sie hier, in Sichtweite des berühmtesten Denkmals der Stadt, und kann die Statue von Abraham Lincoln trotzdem nur aus der Ferne betrachten. "Ich bin gerade so wütend", sagt sie. Die Reise hat sie seit einem Jahr geplant.

Alles bleibt geschlossen

Absperrzäune, Hinweisschilder, enttäuschte Besucher vor geschlossenen Museen: Zehntausende Touristen in den USA bekommen seit Dienstag zu spüren, dass das Lahmlegen der öffentlichen Verwaltung nicht nur Amerikanern einen dicken Strich durch die Rechnung macht. Da Republikaner und Demokraten ihren Etatstreit zu weit getrieben haben und das Weiße Haus den "Shutdown" der Regierung angeordnet hat, müssen etliche Reisende im ganzen Land ihr Sightseeing-Programm radikal umstellen. Nationalparks, Museen, Kunstsammlungen, Denkmäler - alles bleibt geschlossen, bis der Streit beigelegt ist.

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Als "Unannehmlichkeiten" für Touristen bezeichnet der ehemalige republikanische Abgeordnete Newt Gingrich das, was sich seit Dienstag an Hunderten staatlich betriebenen Sehenswürdigkeiten abspielt: Trauer, Wut, Unverständnis. "Wie kann das passieren? Was bedeutet es, wenn die Regierung stillgelegt wird? Ich verstehe es einfach nicht", sagt die Studentin Bettina Turan, die aus Düsseldorf zu Besuch in San Francisco ist und die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz besuchen wollte. "Was für ein verrücktes Land ist das hier?", fragt Turan.

Camper müssen Nationalparks verlassen

Selbst dem Italiener Michael Rossi, der Regierungskrisen aus seinem Heimatland nur allzu gut kennt, ist der Finanzierungsnotstand in den USA ein Rätsel. "Wir haben dort sicher unsere politischen Probleme, aber nicht so etwas wie das hier." Auch die Camper in den Nationalparks trifft es hart: Nur zwei Tage bleiben ihnen, um ihre Sachen zu packen und die Zelte abzubauen. "Konnten noch in Canyonlands (...) zelten, jetzt Schließung", schreibt eine Userin auf Twitter, die etwas Glück hatte. 400 Anlagen der staatlichen Parks verriegeln nach und nach ihre Tore, mehr als 21.000 Mitarbeiter gehen in unbezahlten Zwangsurlaub.

Satte sieben Millionen Besucher kostete die Parks der letzte "Shutdown" vor 17 Jahren, an staatlichen Museen und Monumenten waren es weitere zwei Millionen, schätzt der Kongress in einem Bericht. Allein im Westküstenstaat Kalifornien geben Besucher und Reisende jeden Tag umgerechnet 215 Millionen Euro aus, rechnet die Vorsitzende der Tourismusorganisation Visit California nach einem Bericht der Zeitung "Sacramento Bee" vor. Mit jedem weiteren Tag des Notstands ächzt die Tourismusbranche unter den wirtschaftlichen Schäden.

Auch die Freiheitsstatue ist zu

Eine "ziemliche Sauerei" nennt Alexander Thul aus Köln die zwangsläufige Schließung der New Yorker Freiheitsstatue, dem vielleicht bekanntesten Wahrzeichen der Vereinigten Staaten. Thul steht an der Südspitze Manhattans, wo die Fähren in Richtung Liberty Island ablegen. "Man neigt dazu, das Vertrauen in ein Land zu verlieren, das nicht einmal mehr seine Nationalparks öffnen kann."

In New York hatte die Berlinerin Elisabeth Steimetz noch Glück gehabt. Doch vor dem beliebten Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington standen sie, ihr Ehemann und ihre zwei Söhne vor verschlossenen Türen. "Ich war relativ sauer", sagt Steimetz. "Dass sie nicht einmal Toiletten offen lassen, ist ja wohl der Hammer." Carol Johnson, Mitarbeiterin des National Mall and Memorial Parks in Washington, kann da nur mit den Schultern zucken. "Wir haben keine Angestellten, um sie instand zu halten." Johnson wird zusammen mit 330 Kollegen in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Ganz eingestellt wird die Arbeit ihres Teams deshalb aber nicht: Drei Mitarbeiter sollen im Dienst bleiben.

Betroffene Pauschalreisende: Kein Schadensersatz, aber Minderung

Für Reisende, die ihren USA-Aufenthalt bereits gebucht haben, besteht laut Reiserechtler Paul Degott kein Anspruch auf Schadensersatz vom Veranstalter. Der Haushaltsstreit in den USA sei in etwa so zu bewerten wie ein Streik. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, in der Tickets für Museen und Nationalparks enthalten sind, hat keinen Anspruch auf Ersatz vom Veranstalter, wenn die Einrichtungen unerwartet geschlossen sind. "Bei Schadenersatz kommt es auf das Verschulden an", erklärt Degott. "Bei den geschlossenen Einrichtungen kann sich der Veranstalter auf höhere Gewalt berufen." Eine Minderung des Reisepreises dagegen stehe Reisenden zu. "Denn es fallen ja Teilleistungen weg." Das Eintrittsgeld für die Einrichtungen, die der Kunde nicht besuchen konnte, bekommt er zurück. Ein Anspruch auf kostenlose Umbuchung oder Stornierung einer Reise besteht in der Regel nicht.

Welche Einrichtungen geschlossen bleiben

Sämtliche 401 Nationalparks der Vereinigten Staaten seien seit dem 1. Oktober offiziell geschlossen, teilt der National Park Service (NPS) mit. Das bedeutet: Die Besucherzentren, Hotels, Campingplätze und Straßen in den Parks sind dicht, Veranstaltungen wurden abgesagt. Besucher, die derzeit noch in einem Park Urlaub machen, müssen das Areal bis Donnerstagabend 18.00 Uhr Ortszeit verlassen. Eine Notbesetzung von insgesamt 3000 Mitarbeitern bleibt in den Parks. Sie kümmern sich aber nur um das Nötigste. Für die täglichen Touristenmassen von rund 715.000 Besuchern genügen die Kapazitäten nicht im Ansatz. Selbst die Internetseiten der Parks funktionieren nicht mehr.

Zu den Einrichtungen des NPS gehören nicht nur klassische Parks. Auch berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Freiheitsstatue in New York, der Grand Canyon in Arizona, die Insel Alcatraz in der Bucht von San Francisco oder das Lincoln Memorial in Washington zählen zum Zuständigkeitsbereich des National Park Service - und machen vorerst dicht. Geschlossen bleiben neben den Nationalparks vorerst auch zahlreiche Museen. Dazu zählt der Smithsonian Museumskomplex mit 19 Museen, Galerien und dem National Zoo in Washington. "Das bleibt auch bis auf weiteres so, bis man eine Einigung gefunden hat", sagt Florian Renner vom Visit USA Committee. Wann das so weit sei, lasse sich nicht voraussagen.

Vorsichtige Hoffnung

"Es gibt auch vorsichtige Hoffnung, dass sich die Lage bis Freitag vielleicht schon entschärft und die Einrichtungen sogar öffnen", sagt Tilo Krause-Duenow, Chef des Nordamerika-Reiseveranstalters Canusa. Das habe er am Mittwoch von den Tourismus-Agenturen erfahren, mit denen der Veranstalter zusammenarbeitet. Eine Bestätigung für diese Spekulationen gibt es derzeit nicht. Erst am Dienstag scheiterte ein Entwurf, laut dem trotz des Verwaltungsstillstands zumindest die Nationalparks geöffnet werden sollten. Weiterhin geöffnet sind alle State Parks der USA, denn für sie sind die Bundesstaaten verantwortlich. "Die State Parks sind meist nicht weit entfernt von den Nationalparks und landschaftlich nicht weniger reizvoll", sagt Canusa-Chef Krause-Dünow.

Touristen müssen sich selbst organisieren, State Parks als Alternative

Einzige Chance für Touristen, während ihres USA-Urlaubs derzeit doch etwas von den geschlossenen Sehenswürdigkeiten mitzubekommen: Sie müssen sich selbst etwas organisieren. Öffentliche Durchfahrtsstraßen in den Nationalparks bleiben geöffnet, teilt der NPS mit. Auch seien zum Beispiel Bootstouren mit privaten Anbietern um die Freiheitsstatue herum weiterhin möglich, sagt Renner.

Die US-Bahngesellschaft Amtrak kündigte an, dass der Zugverkehr normal in Betrieb bleibe. Auch das Auswärtige Amt in Berlin gibt ein wenig Entwarnung für Reisende: Die Fluglotsen der US-Flugsicherungsbehörde FAA arbeiteten regulär weiter. Die Einreise- und Sicherheitskontrollen an den Flughäfen seien ebenfalls nicht betroffen. Verzögerungen könne es allerdings bei der Bearbeitung von Visa-Anträgen geben.

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