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Ärger um neue Benimmregeln auf Mallorca

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Kritik von Verbänden  

Ärger um neue Benimmregeln auf Mallorca

11.07.2014, 13:05 Uhr | dpa

Ärger um neue Benimmregeln auf Mallorca. Am Strand von Palma drohen nun Strafen für Besäufnisse (Quelle: dpa)

Am Strand von Palma drohen nun Strafen für Besäufnisse (Quelle: dpa)

Mit Benimmregeln und Bußgeldern soll in Mallorcas Inselhauptstadt Palma mehr Ruhe und Ordnung einkehren. Doch die Verordnung hat nicht immer den gewünschten Effekt. Nicht nur verlagern sich Besäufnisse nun knapp außerhalb der Stadtgrenzen, auch Tourismusverbände äußern nun Kritik.

Seit Mai gilt die "Ordenanza de civismo"(dt. etwa "Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben") für die Inselhauptstadt. Die Polizei erhebt inzwischen auch Bußgelder. Zum Unmut des Verbandes zur Förderung des Tourismus. "Das ist ein Unding", schimpft Verbandspräsident Eduardo Gamero Mir. Klar gebe es Probleme. "Wir hatten aber schon vorher genug Gesetze, etwa zur Verhinderung von Saufgelagen, für deren Einhaltung man aber nicht gesorgt hat. Das gilt zum Beispiel für den Bereich der Kriminalität und vor allem der Sauberkeit", sagt der 71-Jährige. 

Sporadische Kontrollen zur Durchsetzung der neuen Regeln

Bei den neuen Regeln handelt es sich um einen Strafenkatalog, der Geldbußen zwischen 50 und 400 Euro für etwa 120 verbotene Handlungen vorsieht: etwa Saufgelage unter freiem Himmel, öffentliches Pinkeln und Spucken, ruhestörenden Lärm, Stadtbummel in Badebekleidung sowie das Ansprechen von Straßenprostituierten. 

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Bislang beschränkt sich die Polizei auf sporadische Kontrollen. Bis zu 60 Beamte patrouillieren auf einem Abschnitt an der Playa de Palma in der Gegend des Party-Strandlokals "Ballermann". Sie konzentrieren sich vor allem darauf, das Mitbringen von Bierflaschen an den Strand zu unterbinden, weil Glasscherben häufig zu Verletzungen führen. 

Gelage verlagern sich in andere Gemeinden

Die verstärkte Polizeipräsenz führte laut Medien dazu, dass sich nächtliche Saufgelage ins südöstliche Ende des Strandgebiets in der Nachbargemeinde Llucmajor verlagerten, wo die für die Inselhauptstadt erlassenen Bestimmungen nicht gelten. Die Bewohner von Llucmajor organisierten bereits Proteste gegen die Verschmutzung ihrer Strände mit leeren Bierflaschen und Plastiktüten.

Am "Ballermann" geht es an diesem Sommertag schon vormittags hoch her. Eine Gruppe von jungen Männern zieht grölend am berüchtigten "Balneario 6" (Ballermann 6) vorbei. Die meisten tragen Hemden ihres deutschen Fußball-Provinzvereins, viele auch das Nationaltrikot. Männer marschieren auf der Promenade stolzen Schrittes in bayerischer Landestracht. Nicht weit davon entfernt torkelt ein Pärchen auf die Straße, zwei Autos müssen ausweichen, die junge Frau kniet nieder und übergibt sich, während ihr Begleiter laut lacht.

Mallorquiner geteilter Meinung

Die 82-jährige Pilar schüttelt bei ihrem täglichen Spaziergang mit Zwergschnauzer Pedro den Kopf, zeigt dann aber doch Verständnis: "Irgendwo müssen die Kinder ja schließlich feiern", sagt sie. Ihre Familie lebt, wie die Mehrheit der auf Mallorca residierenden Spanier - und auch viele Ausländer - vom Tourismus. Wenn man fragt, kritisiert kaum jemand die mehrheitlich aus Deutschland stammenden Besucher. "Wir wollen, dass sie alle wieder hierherkommen", sagt Pilar.

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Manuel Sánchez vertritt mit seiner Meinung eine Minderheit: "Das ist schon schlimm, was viele Touristen hier treiben. In Arenal und Magaluf gibt es oft Schlägereien unter Betrunkenen, im Herbst ist dann alles kaputt. Zu Hause machen die das sicher nicht. Gut, dass es diese neuen Regeln gibt." Dabei ist er Geschäftsführer des "Hostal Pinar" in Palma. Keine Angst, dass Touristen wegbleiben? "Wer weiß, dann werden sicher andere, bessere kommen", sagt Sánchez. 

Viele, die dieser Tage nach Mallorca gekommen sind, hatten vor ihrer Reise von den neuen Benimmregeln in der Zeitung gelesen. "Davon lasse ich mir den Urlaub aber doch nicht vermiesen", sagt Birgit. Die Sekretärin aus Krefeld verstößt gegen alte und neue Gesetze, denn sie liebt das "Eimersaufen". "Ich mache das aber nur hier", betont die 24-Jährige. Wenn die Polizei sie allerdings mal allzu sehr stören sollte, würde sie sich überlegen, ob sie wiederkomme. Die um sie herum am Strand sitzenden sechs Freundinnen nicken. 

Opposition kritisiert Benimmregeln

Die politische Opposition befürchtet, dass viele Touristen verärgert werden und ein anderes Reiseziel wählen könnten. Die "Vereinigte Linke" (EU) kritisiert, dass die "nutzlosen, ungerechten und repressiven Maßnahmen" dazu dienen sollen, die Schwächsten der Gesellschaft, etwa Straßenkünstler und -händler, Prostituierte und Obdachlose zu verfolgen. "Unter dem Vorwand, dass der öffentliche Frieden gestört wird, kann man jetzt jede Person überall bestrafen". 

"Wir wollen das Feiern und auch das Trinken nicht verbieten", beteuert der Tourismus-Dezernent der Stadt, Alvaro Gijón. Man wolle nur Dinge eindämmen, die auch viele Touristen störten und Strand und Stadt sauberer und sicherer machen. In Palma sollen erst ab September Geldbußen kassiert werden. Aber schon jetzt weht in der Stadt ein rauerer Wind, sagt der Argentinier Jorge, der auf der Straße Schmuck verkauft. "Die Polizei macht mich jetzt fast jeden Tag an." 

"Wird die Polizei nun vor allem Kondome sicherstellen und Bettler festnehmen?", fragen die Sozialistische Partei PSOE und auch die Organisation Ärzte der Welt. Stadträtin Neus Truyol von der ökologisch-nationalistischen Partei Més per Palma stimmt mit EU und Tourismusförderungschef Mir überein. "Die neuen Benimmregeln bedeuten Konfusion und Willkür". Sie spricht von einer "Reise zurück in die Franco-Diktatur" und behauptet, die konservative Regierung wolle soziale Probleme mit Polizeigewalt lösen.

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